Stellantis-Chef Filosa präsentiert Investoren neue Strategie für US-Comeback
Fokus auf vier Kernmarken, China-Partnerschaften und Wiederbelebung des schwächelnden Nordamerika-Geschäfts.

Stellantis-CEO Antonio Filosa stellt Investoren am Donnerstag beim Kapitalmarkttag in Auburn Hills, Michigan, eine neue langfristige Strategie vor. Im Mittelpunkt stehen die Wiederbelebung der US-Verkäufe, eine Straffung des umfangreichen Markenportfolios sowie der Ausbau von Kooperationen mit chinesischen Automobilherstellern. Die Präsentation gilt als entscheidender Wendepunkt für Filosa, der im vergangenen Jahr angetreten ist, um den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs zu bringen.
Der nach Absatz weltweit viertgrößte Automobilhersteller hatte zuletzt erheblich an Boden verloren – sowohl in den USA als auch in Europa. Im März dieses Jahres erreichte die Stellantis-Aktie ein Allzeittief. Filosa steht damit unter erheblichem Druck, überzeugende Antworten auf die strukturellen Probleme des Konzerns zu liefern.
Fokus auf vier Kernmarken
Laut Reuters-Informationen plant Stellantis, die Finanzierung auf eine kleinere Gruppe von vier Kernmarken zu konzentrieren. Im Fokus sollen demnach Jeep, Ram, Peugeot und Fiat stehen. Dies wäre eine deutliche Abkehr von der bisherigen, gleichmäßigeren Ressourcenverteilung auf alle 14 Marken des Konzerns – das größte Markenportfolio der gesamten Automobilbranche.
Die verbleibenden Marken sollen jedoch nicht aufgegeben werden, sondern künftig stärker auf Nischen- oder regionale Märkte ausgerichtet sein. Filosa selbst betonte zuletzt: „Wenn man zu drastisch entscheidet, die eine oder andere Marke aufzugeben, verliert man diesen Kundenstamm an jemand anderen." Und weiter: „Der eigentliche Punkt ist nicht, eine, zwei, drei oder vier Marken auszuwählen. Der eigentliche Punkt ist, eine effiziente Kapitalallokation mit markenspezifischen Strategien zu kombinieren."
Massimo Baggiani vom Londoner Stellantis-Investor Niche Asset Management, der seit März zwei Tranchen von Aktien erworben hat, bringt die Kernaufgabe auf den Punkt: „Sie müssen lediglich ihr Nordamerika-Geschäft zum Laufen bringen. Das wird ihrer Aktie sofortigen Wert verleihen." Baggiani sieht aber auch weiteren Handlungsbedarf: Stellantis müsse die Überkapazitäten in Europa angehen, die Markenstrategie überarbeiten und den wachsenden Wettbewerb durch chinesische Rivalen in profitablen Regionen wie Südamerika und Afrika abwehren.
„Viel China" erwartet
Ein zentrales Element der neuen Strategie sind Partnerschaften mit chinesischen Automobilherstellern. Stellantis hatte bereits diesen Monat angekündigt, sein Joint Venture in Europa mit Leapmotor sowie eine Vereinbarung mit Dongfeng zur Fahrzeugproduktion in China auszuweiten. Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle sagte gegenüber Reuters, Filosas Pitch vor den Investoren werde „viel China enthalten".
Ähnlich wie der europäische Rivale Volkswagen zeigt sich Stellantis offen dafür, europäische Fabrikflächen mit weiteren chinesischen Automobilherstellern über Leapmotor hinaus zu teilen. Der Konzern verfügt über überschüssige Produktionskapazitäten in mehreren Ländern. Zudem deutete Stellantis an, dass die Fertigungskooperation mit Dongfeng bald über China hinaus ausgeweitet werden könnte.
Solche Deals könnten dem französisch-italienischen Automobilhersteller auch dabei helfen, seine eigenen Elektrofahrzeuge zu verbessern. Chinesische Hersteller verfügen über wettbewerbsfähige E-Plattformen, erhebliche Kostenvorteile und kürzere Entwicklungszeiten – Know-how, das Stellantis dringend benötigt. Der Konzern steht zudem vor Belastungen in Höhe von 26 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der Drosselung seiner Elektroauto-Ambitionen.
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Zur AktienanalyseUS-Markt als Schlüssel zur Erholung
Analysten der Citibank erklärten, dass Filosa versuche, Lücken auf dem US-Markt zu schließen, wo Stellantis-Fahrzeuge bislang nur die Hälfte aller Käufer ansprechen. Konkret sollen der neue Jeep Cherokee sowie kompakte und mittelgroße Pickups dabei helfen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.
Investoren werden die Präsentation genau verfolgen und Klarheit über die Gesamtvision für das 14-Marken-Portfolio erwarten. Baggiani fasst die Stimmung unter Anlegern zusammen: „Das Gute ist, dass Filosa sich dessen bewusst zu sein scheint und Ideen hat, wie er diese Herausforderungen angehen kann. Wir werden ihn über einen längeren Zeitraum testen müssen."


