Steilemann bleibt wohl länger VCI-Präsident
Nachfolgeprobleme und Herausforderungen in der Chemiebranche verzögern Amtswechsel

Markus Steilemann, Vorstandsvorsitzender des DAX-Konzerns Covestro, steht möglicherweise vor einer Verlängerung seiner Amtszeit als Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Die Amtszeit Steilemanns endet im September nach zwei Jahren, doch es zeichnet sich ab, dass er noch ein weiteres Jahr im Amt bleiben könnte, bevor ein Nachfolger bestimmt wird. Als wahrscheinlicher Kandidat für die Nachfolge im Jahr 2025 wird der neue BASF-Chef Markus Kamieth gehandelt.
Die Suche nach einem neuen Präsidenten gestaltet sich schwierig, da mehrere Topmanager nicht zur Verfügung stehen. Traditionell übernimmt der Vorstand eines anderen großen Chemiekonzerns die Führung des VCI, aber für den kommenden Wechsel sind weder Carsten Knobel, CEO von Henkel, noch Christian Hartel, Vorstandsvorsitzender von Wacker Chemie, bereit. Dies liegt unter anderem an Bedenken in den jeweiligen Aufsichtsräten, die eine volle Konzentration auf die Unternehmensführung fordern. Auch der Evonik-Chef Christian Kullmann steht für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung, da er den Verband bereits von 2020 bis 2022 führte.
Die Herausforderungen für den VCI-Präsidenten sind derzeit besonders groß. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine befindet sich die Chemiebranche in einer Krise, die Nachfrage nach Chemikalien und Kunststoffen ist eingebrochen, und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwierig. Hinzu kommen hohe Energiepreise in Deutschland sowie die Notwendigkeit, die Produktion klimaneutral zu gestalten. Der Verband sieht sich zudem mit einer zunehmenden Regulierung konfrontiert, wie etwa den Plänen der EU-Kommission für eine neue Richtlinie zur Chemikaliensicherheit.
Markus Steilemann hat sich als VCI-Präsident bereits intensiv für die Interessen der Branche eingesetzt und verfügt über ein gutes Netzwerk und Ansehen bei Politikern in Berlin und Brüssel. Dennoch ist auch für ihn die Doppelfunktion eine Herausforderung, da Covestro derzeit vom arabischen Ölkonzern Adnoc umworben wird, der eine Übernahme für 11,9 Milliarden Euro anstrebt. Die Gespräche hierzu befinden sich in einer entscheidenden Phase.
Die Entscheidung über die Kandidatur eines neuen VCI-Präsidenten wird in den kommenden Wochen vom VCI-Vorstand getroffen. Dieser setzt sich aus 15 Topmanagern und Topmanagerinnen der deutschen Chemieindustrie zusammen. Bis dahin bleibt unklar, ob Steilemann tatsächlich ein weiteres Jahr im Amt bleibt oder ob eine alternative Lösung gefunden wird.
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Zur AktienanalyseDer VCI ist einer der führenden Industrieverbände in Deutschland und vertritt die Interessen von rund 2.300 Unternehmen. Die Branche erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 229 Milliarden Euro und beschäftigte knapp eine halbe Million Menschen. Entsprechend bedeutend ist die Position des VCI-Präsidenten, der die Anliegen der Chemieindustrie gegenüber Politik und Gesellschaft vertritt.


