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Steigende Schlichtungsfälle: Reisen im Chaos

Luftverkehr dominiert Beschwerden, Bahnprobleme auf dem Vormarsch - Aussichten für 2024 trüb

Steigende Schlichtungsfälle: Reisen im Chaos

Das vergangene Jahr war für viele Reisende eine wahre Herausforderung. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) hat einen alarmierenden Anstieg von Beschwerden verzeichnet. Bei Konflikten bezüglich Erstattungen und Entschädigungen können sich Passagiere und Fahrgäste an die SÖP wenden. Im letzten Jahr taten dies rund 39.700 Betroffene, wie die SÖP kürzlich bekannt gab. Damit verzeichnete die Stelle fast ein Drittel mehr Anträge als im Vorjahr und fast genauso viele wie im Rekordjahr 2020, als über 41.000 Beschwerden eingegangen waren. Es ist zu erwarten, dass sich diese hohe Anzahl von Fällen auch im Jahr 2024 auf einem hohen Niveau einpendeln wird.

Besonders der Luftverkehr dominierte die Beschwerden, wobei etwa 84 Prozent der Anträge auf diesen Sektor entfielen. Passagiere sahen sich vor allem mit annullierten oder nicht angetretenen Flügen, Flugverspätungen sowie verlorenen, verspäteten oder beschädigten Gepäckstücken konfrontiert. Etwa 14 Prozent der Schlichtungsanträge bezogen sich auf die Bahn, insbesondere auf Zugausfälle und Verspätungen. In diesem Zusammenhang wurden auch vermehrt Fälle im Zusammenhang mit dem Deutschlandticket gemeldet.

Der deutliche Anstieg im vergangenen Jahr ist vor allem auf die chaotischen Zustände an deutschen Flughäfen im Jahr 2022 zurückzuführen. Insbesondere personelle Engpässe führten angesichts des anziehenden Passagierverkehrs im Sommer zu zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen. Diese Probleme zeigten sich auch im ersten Halbjahr 2023, da es einige Wochen dauerte, bis sich die betroffenen Reisenden bei der Schlichtungsstelle meldeten. In den Monaten bis einschließlich Juli gingen deutlich mehr Schlichtungsanträge ein als im Vorjahr. Auch in der zweiten Jahreshälfte blieben die Zahlen hoch, erreichten aber nicht mehr das Niveau des Vorjahres.

Positiv ist zu vermerken, dass in etwa 85 Prozent der Fälle eine Einigung im Sinne der Reisenden erzielt werden konnte. Viele Unternehmen zeigten sich im vergangenen Jahr besonders kulant und erkannten mehr als jede dritte Forderung sofort an, was zu einer schnellen Beilegung der Streitigkeiten führte.

Nicht nur im Luftverkehr, sondern auch im Bahnverkehr gab es vermehrt Probleme im letzten Jahr. Der Anteil der Schlichtungsanträge mit Bezug zur Bahn stieg von zwölf Prozent im Jahr 2022 auf 14 Prozent im vergangenen Jahr. Die Zahl der Bahn-Streitfälle erhöhte sich von rund 3.600 auf mehr als 5.500. Die SÖP verweist auf neue Fälle aufgrund des Deutschlandtickets. Genauere Analysen dazu sollen im Jahresbericht Ende März veröffentlicht werden. Sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr gab es viele Probleme, wobei im November fast jeder zweite Fernzug zu spät ans Ziel kam und nahezu jeder dritte Fahrgast von Verspätungen betroffen war. Der Hauptgrund für die hohe Unzuverlässigkeit auf der Schiene liegt im schlechten Zustand der Infrastruktur. Hinzu kamen im Jahr 2023 insgesamt vier Warnstreiks aufgrund unterschiedlicher Tarifauseinandersetzungen bei der Bahn.

Die Aussichten für das Jahr 2024 sind ebenfalls düster. Der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wird fortgesetzt, und die Behebung der Infrastrukturprobleme wird voraussichtlich noch Jahre dauern. Zahlreiche stark frequentierte Strecken sollen ab diesem Sommer umfassend saniert werden, was zu kompletten Sperrungen und erheblichen Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste führen wird. Die SÖP erwartet, dass im Jahr 2024 ähnlich viele neue Schlichtungsanträge eingehen werden wie im Vorjahr, da immer mehr Reisende die SÖP in Anspruch nehmen und der Fachkräftemangel sowie die Infrastrukturprobleme weiterhin eine Herausforderung darstellen. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr kümmert sich seit 2010 um Probleme bei Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsreisen und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entschädigung von Passagieren bei Verspätungen und Ausfällen. Rund 400 Verkehrsunternehmen beteiligen sich an diesem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren.

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