Standard Chartered steigert Gewinn um 17% trotz Iran-Belastung
Starkes Wealth Management und Kapitalmarktgeschäft treiben den Vorsteuergewinn auf 2,45 Milliarden Dollar – über den Erwartungen.

Standard Chartered hat im ersten Quartal 2026 einen Vorsteuergewinn von 2,45 Milliarden Dollar erzielt und damit die Konsensschätzung von 2,14 Milliarden Dollar deutlich übertroffen. Das entspricht einem Anstieg von 17% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Ergebnisse trieben die in Hongkong notierten Aktien der Bank um 4% nach oben.
Haupttreiber des Wachstums waren das Wealth-Management-Geschäft sowie das Global Banking. Die Erträge im Wealth Management stiegen im Zeitraum von Januar bis März um 32%, getragen von starker Kundennachfrage nach Anlageprodukten. Das Global Banking legte um 19% zu, angetrieben durch erhöhte Aktivität an den Kapitalmärkten – insbesondere bei der Anleiheemission durch Firmenkunden.
„Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und globaler wirtschaftlicher Unsicherheit stimmen uns unsere vorteilhafte Marktpräsenz und unser diszipliniertes Risikomanagement zuversichtlich, was unsere Leistungsfähigkeit betrifft", erklärte Vorstandschef Bill Winters in einer offiziellen Mitteilung.
Iran-Krieg hinterlässt Spuren in der Bilanz
Trotz der starken operativen Ergebnisse verbuchte Standard Chartered eine Belastung von 190 Millionen Dollar für erwartete Kreditverluste im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt. Die gesamten Kreditkosten für das Quartal beliefen sich auf 290 Millionen Dollar. Manus Costello, Global Head of Investor Relations der Bank, betonte gegenüber Reuters, dass die Rückstellung eher die vorsichtige Haltung der Bank nach Szenarioplanungen widerspiegele „als eine zugrunde liegende signifikante Verschlechterung der Kreditqualität".
Standard Chartered gehört laut Unternehmensdaten und Branchenanalysten zu den globalen Banken, die am stärksten vom Iran-Krieg betroffen sind. Dies liegt an der strategischen Ausrichtung der Bank auf den Handel zwischen dem Nahen Osten, Asien und anderen Märkten. Auch der britische Konkurrent HSBC, der eine ähnliche Wachstumsstrategie verfolgt, zählt zu den besonders exponierten Instituten.
Europäische Banken im Vergleich
Die Belastung von Standard Chartered reiht sich in eine Reihe ähnlicher Rückstellungen europäischer Banken ein. Die Lloyds Banking Group kündigte eine vergleichbare Rückstellung von 204 Millionen Dollar an, während die Deutsche Bank am Mittwoch 90 Millionen Dollar zurückstellte. Die Zahlen verdeutlichen, wie europäische Banken die direkten Auswirkungen des Krieges auf ihre Geschäfte bislang weitgehend abfedern konnten, ohne ihre Kernprofitabilität zu gefährden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAuch die in Singapur ansässige DBS legte am selben Tag Quartalszahlen vor. Das Institut erklärte, Stresstests hätten gezeigt, dass ihr Kreditportfolio vorerst solide bleibe. Pessimistischer äußerte sich hingegen die National Australia Bank, der größte Firmenkundenkreditgeber Australiens: Das Institut rechnet aufgrund des Iran-Krieges in der ersten Jahreshälfte mit einer Verdoppelung der Wertberichtigungen auf umgerechnet rund 503 Millionen Dollar.
Standard Chartered erwirtschaftet den Großteil seiner Erträge in Asien, Afrika und dem Nahen Osten – Regionen, die vom geopolitischen Umfeld besonders stark beeinflusst werden. Die soliden Quartalszahlen zeigen, dass die Bank trotz der erhöhten Unsicherheiten ihre Wachstumsstrategie erfolgreich umsetzt und die Belastungen durch den Iran-Konflikt bislang gut absorbieren kann.


