Standard Chartered startet Milliarden-Rückkauf und setzt auf KI
Die britische Großbank übertrifft Analystenerwartungen und kündigt einen neuen Aktienrückkauf über 1 Milliarde US-Dollar an.

Standard Chartered hat im zweiten Quartal 2026 starke Ergebnisse vorgelegt und gleichzeitig einen neuen Aktienrückkauf im Wert von 1 Milliarde US-Dollar angekündigt. Der Vorsteuergewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar – und übertraf damit den Analystenkonsens von 2,1 Milliarden US-Dollar deutlich. Auch die betrieblichen Erträge überzeugten: Sie kletterten um 3 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar und lagen damit über den Schätzungen von 5,6 Milliarden US-Dollar.
Der auf Asien fokussierte britische Kreditgeber hob zudem seine Jahresprognose für das Wachstum der betrieblichen Erträge an. Statt am unteren Ende der Spanne von 5 bis 7 Prozent erwartet die Bank nun ein Wachstum in der Mitte dieser Spanne – begünstigt unter anderem durch höhere Nettozinserträge. Die Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) lag im zweiten Quartal bei beachtlichen 17,9 Prozent.
„Wir halten dies für ein sehr gutes Quartal im Hinblick auf die Dynamik der zugrunde liegenden Umsatztrends", sagte Manus Costello, der diesen Monat nach dem Ausscheiden von Diego De Giorgi das Amt des Finanzvorstands übernommen hat. „Wir sind mit dem Ergebnis der Rentabilität sehr zufrieden, und es ist ein wirklich guter Start für den Dreijahresplan, den wir vor einigen Monaten vorgestellt haben."
KI und Stellenabbau als Kernstrategie
Im Mai hatte Standard Chartered einen umfassenden Dreijahresplan vorgestellt, der den Abbau von rund 8.000 Stellen im Back-Office vorsieht. Gleichzeitig soll der Einsatz von Künstlicher Intelligenz massiv ausgebaut werden. Die langfristigen Ziele sind ambitioniert: Bis 2028 strebt die Bank eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent an, bis 2030 soll dieser Wert auf über 18 Prozent steigen. Zusätzlich soll der Ertrag pro Mitarbeiter um ein Fünftel gesteigert werden.
Der geplante Stellenabbau hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Vorstandschef Bill Winters hatte mit der Formulierung, es gehe darum, „in einigen Fällen weniger wertvolles Humankapital durch das Finanz- und Investitionskapital zu ersetzen", für Kritik gesorgt. Winters entschuldigte sich daraufhin in einem Brief an die Financial Times für seine „Wortwahl", betonte jedoch, dass KI die Art der Arbeit bei der Bank grundlegend verändern werde.
„Technologie gestaltet Finanzdienstleistungen neu", sagte Winters am Mittwoch. „Wir investieren in Daten, digitale Plattformen und KI, um das Kundenerlebnis zu verbessern, die Produktivität zu steigern und die Widerstandsfähigkeit zu stärken. Gleichzeitig vereinfachen wir die Organisation, modernisieren die Infrastruktur und bauen Komplexität in der gesamten Gruppe ab."
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Zur AktienanalyseBesonders stark entwickelte sich das Wealth-Management-Geschäft, das zu den wichtigsten Wachstumspfeilern der Bank zählt. Die Erträge in diesem Segment stiegen erwartungsgemäß um 43 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Quartal gewann Standard Chartered zudem 76.000 neue Wealth-Kunden, da das „Tempo des Onboardings unverändert blieb".
Allerdings beobachtet die Bank auch Risiken in ihrer Kernregion: Ein hartes Vorgehen Pekings gegen grenzüberschreitende Kapitalflüsse aus Festlandchina hat Sorgen über mögliche Auswirkungen auf asienorientierte Vermögensverwalter wie Standard Chartered und HSBC geschürt. Darüber hinaus bildete die Bank zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 44 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran, womit sich der Gesamtbetrag für das laufende Jahr auf 234 Millionen US-Dollar beläuft.
Der neu angekündigte Aktienrückkauf über 1 Milliarde US-Dollar folgt auf einen bereits in der ersten Jahreshälfte durchgeführten Rückkauf im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar. Analysten der Citi bewerteten die Quartalsergebnisse als „insgesamt gute Resultate mit einem erneut beeindruckenden Ergebnis im Wealth-Bereich" und deuteten an, dass die erklärten Unternehmensziele eine „unangemessene Konservativität" widerspiegeln könnten – was auf weiteres Aufwärtspotenzial hindeutet.


