Standard Chartered hebt Ertragsziel nach starkem Wealth-Management-Boom an
Vorsteuergewinn von 4,78 Milliarden Dollar übertrifft Analystenprognosen – Aktie erreicht 19-Jahres-Hoch.

Standard Chartered hat im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 4,78 Milliarden Dollar erzielt. Das entspricht einem Anstieg von 9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertrifft die Analystenprognose von 4,52 Milliarden Dollar deutlich. Die Bank hob daraufhin ihr Ertragsziel für das Gesamtjahr an und erwartet nun ein Wachstum im mittleren Bereich einer Spanne von 5 bis 7% – zuvor hatte sie lediglich das untere Ende dieser Spanne angepeilt.
Die in Hongkong gehandelten Aktien von Standard Chartered sprangen nach der Ergebnisveröffentlichung um mehr als 5% nach oben und erreichten damit ein fast 19-Jahres-Hoch. Beflügelt wurde der Kursanstieg zusätzlich durch die Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms im Wert von einer Milliarde Dollar sowie einer Zwischendividende von 20,4 Cent pro Aktie.
Group Chief Executive Bill Winters kommentierte die Ergebnisse mit den Worten: „Die Kunden wenden sich weiterhin an uns, um Handels-, Investitions- und Vermögensströme in den dynamischsten Märkten der Welt zu ermöglichen." Das in London ansässige Kreditinstitut erwirtschaftet den Großteil seiner Erträge in Asien und Afrika.
Wealth Management als Wachstumsmotor
Besonders stark entwickelte sich das Wealth-Management-Geschäft: Die Erträge in diesem Segment sprangen um 38% nach oben. Getrieben wurde dieses Wachstum durch ein zweistelliges Plus bei Anlageprodukten, da Zuflüsse und die Anzahl der Neukonten zunahmen. Die starke Nachfrage nach Vermögensberatung in einer Phase der Marktvolatilität spielte dabei eine zentrale Rolle.
Analysten von Jefferies hoben in einer Research-Notiz hervor, dass das Wachstum im Wealth Management durch margenstärkere Anlageprodukte statt durch Einlagen angetrieben werde – ein positives Zeichen für die Ertragsqualität. „Die Aktionäre profitierten von den über den Erwartungen liegenden Erträgen und einer Überraschung bei den Kosten um 2%", schrieben die Analysten.
Der Boom im Vermögensverwaltungsgeschäft ist bemerkenswert, da Peking zuletzt hart gegen grenzüberschreitende Investitionen vorgegangen ist. Es wird erwartet, dass dies das lukrative Wealth-Management-Geschäft von Banken wie Standard Chartered und HSBC belasten könnte, die Kunden vom chinesischen Festland über Hongkong bedienen.
Kosten unter Kontrolle, Firmenkundengeschäft legt zu
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Zur AktienanalyseAuf der Kostenseite überraschte Standard Chartered ebenfalls positiv: Die Betriebskosten stiegen im ersten Halbjahr lediglich um 2% auf 6,3 Milliarden Dollar – Analysten hatten einen Anstieg von 6,4% erwartet. Diese Kostendisziplin unterstreicht die Fortschritte der Bank bei der Umsetzung der Strategie von CEO Winters zur Steigerung der Provisionserträge.
Auch das grenzüberschreitende Geschäft und das Firmenkundengeschäft entwickelten sich stark: Die Erträge in diesen Segmenten stiegen in den ersten sechs Monaten um 19%, da große Unternehmenskunden die Bank für Kreditaufnahmen, Anleiheemissionen und Geschäftsabschlüsse nutzten.
Mit Blick auf geopolitische Risiken gab Standard Chartered an, dass sein Portfolio im Nahen Osten, das 6% des Gesamtengagements ausmacht, weitgehend stabil geblieben sei. Im zweiten Quartal nahm die Bank jedoch eine zusätzliche Wertberichtigung von 44 Millionen Dollar vor, die laut eigenen Angaben teilweise auf erste Anzeichen finanzieller Schwierigkeiten bei Kunden im petrochemischen Sektor zurückzuführen ist. Bereits im April hatte Standard Chartered vorsorglich Management-Overlays in Höhe von 190 Millionen Dollar für erwartete künftige Verluste gebildet.


