Stahlkrise trifft deutsche Industrie mit voller Wucht
Produktionsrückgang, US-Zölle und Sparprogramme setzen Unternehmen und Arbeitsplätze massiv unter Druck

Die Stahlindustrie in Deutschland rutscht tiefer in die Krise. Im ersten Halbjahr 2025 sank die Rohstahlproduktion um knapp zwölf Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Niveau wie zuletzt während der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009. Als Hauptursachen gelten neben den hohen Energiekosten vor allem die schwache Nachfrage aus Schlüsselbranchen wie dem Bauwesen, dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Zusätzlich erschweren internationale Handelskonflikte die Situation.
Insbesondere die jüngsten US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte setzen die Branche unter Druck. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl spricht von einer neuen Eskalationsstufe im transatlantischen Handelsstreit. Die deutsche Stahlindustrie sieht sich zunehmend von Billiganbietern aus dem Ausland bedroht, während gleichzeitig die Produktion im Inland durch hohe Strompreise und strukturelle Probleme gehemmt wird.
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, bezeichnete den Produktionseinbruch als alarmierendes Signal für den Industriestandort Deutschland. Sie fordert ein Spitzentreffen mit der Politik – einen sogenannten Stahlgipfel –, um die Zukunft der Branche zu sichern. Rund 88.000 Arbeitsplätze hängen in Deutschland direkt von der Stahlindustrie ab.
Zu den Unternehmen, die besonders betroffen sind, zählt der Konzern Salzgitter. Nach einem enttäuschenden zweiten Quartal senkte das Unternehmen seine Jahresprognose. Erwartet wird nun ein Umsatz von 9,0 bis 9,5 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 300 bis 400 Millionen Euro – deutlich unter den bisherigen Erwartungen. Die Aktie des Konzerns verlor daraufhin rund 16 Prozent an Wert. Auch der Kurs von Wettbewerber Thyssenkrupp gab deutlich nach.
Beide Unternehmen fahren harte Sparprogramme. Während Salzgitter seine Maßnahmen zuletzt verschärfte, plant Thyssenkrupp massive Kapazitätskürzungen und einen Stellenabbau auf 16.000 Mitarbeiter bis zum Jahr 2030. Derzeit beschäftigt die Stahlsparte noch 27.000 Menschen. Umstrukturierungen, Auslagerungen und der Verkauf von Unternehmensteilen sind vorgesehen.
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Zur AktienanalyseAuch auf tariflicher Ebene mussten harte Einschnitte vereinbart werden. Ein neuer Sanierungstarifvertrag bei Thyssenkrupp Steel sieht vor, dass die Beschäftigten im Schnitt acht Prozent weniger verdienen werden. Zusätzlich stellen die nötigen Investitionen für die klimafreundliche Umrüstung der Produktionsanlagen eine weitere finanzielle Belastung dar. ArcelorMittal, Europas größter Stahlhersteller, hat deshalb seine geplanten Milliardeninvestitionen in „grünen Stahl“ in Deutschland vorerst gestoppt.


