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Spionage-Apps als Werkzeug für heimliche Überwachung

Wie Software zur Kontrolle von Partnern und für Cyberstalking missbraucht wird

Spionage-Apps als Werkzeug für heimliche Überwachung

Spionage-Apps erfreuen sich großer Beliebtheit und ermöglichen das heimliche Ausspähen von Smartphone-Aktivitäten. Interne Nachrichten von Anbietern, die dem SWR und netzpolitik.org vorliegen, zeigen einen massenhaften Einsatz solcher Anwendungen. Datenschützer sind besorgt über den Missbrauch dieser Software, die offiziell als elterliche Kontrollmöglichkeit beworben wird, jedoch häufig zur Überwachung von Partnern eingesetzt wird.

In einem Support-Chat des Anbieters mSpy erkundigte sich im Mai 2024 ein Nutzer, wie er die WhatsApp-Nachrichten seiner in der Türkei lebenden Freundin lesen könne. Ein Mitarbeiter empfahl ihm ein Abonnement für rund 34 Euro monatlich, mit dem er Chatnachrichten, Internetverläufe, Fotos und Videos einsehen sowie den Standort abrufen könne. Er verschwieg jedoch, dass physischer Zugriff auf das Smartphone und die Geräte-PIN erforderlich sind. Die Nutzung solcher Software zum heimlichen Überwachen Dritter stellt in Deutschland eine Straftat dar. Das Strafgesetzbuch sieht hierfür Regelungen zum "Ausspähen von Daten" und "Abfangen von Daten" vor. Auch der Stalking-Paragraf wurde verschärft, um Opfer besser zu schützen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Beweisführung schwierig sein kann.

Die Auswertung der Support-Chats zeigt, dass das heimliche Ausspähen oft im Mittelpunkt steht. Der Datenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Tobias Keber, sieht eine klare Überschreitung der gesetzlichen Grenzen, da das unbefugte Ausspähen unter Umgehung von Zugangssicherungen illegal sei. Neben Spionage-Apps werden auch Bluetooth-Tracker und AirTags für Stalking missbraucht. Eigentlich sollen diese Geräte beim Wiederfinden von Gegenständen helfen, doch in der Praxis werden sie zur Ortung von Personen genutzt.

SWR-Reporter testeten die Anwendungen mSpy und Scannero und stellten fest, dass der Kundensupport Nutzer zu teuren Abonnements drängt. Aus scheinbar günstigen Angeboten können schnell Jahresabos von über 300 Euro werden. Der Download erfolgt erst nach Zahlungseingang, da die Apps nicht über offizielle Stores verfügbar sind. Die Installation erfordert einige Schritte, darunter das Verwischen von Spuren auf dem überwachten Gerät. Einmal eingerichtet, ermöglichen sie umfassenden Zugriff auf vertrauliche Daten, darunter Chatnachrichten, Browser-Verläufe, SMS und E-Mails. Experten warnen, dass dies für Opfer von häuslicher Gewalt ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.

Nicht alle beworbenen Funktionen funktionieren wie versprochen. Nutzer beschweren sich, dass die Überwachung teilweise oder gar nicht möglich ist. Der Support weist oft erst auf Nachfrage darauf hin, dass physischer Zugriff auf das Zielhandy benötigt wird. Viele Kunden haben Schwierigkeiten, ihr Geld zurückzubekommen, wenn sie vom Kauf zurücktreten wollen. In Internetforen wird insbesondere vor mSpy als Abofalle gewarnt.

Die Betreiber der Spionage-Apps agieren aus einem verschachtelten Firmennetzwerk. Die Webseite von mSpy verweist auf eine tschechische Firma, die laut SWR-Recherchen nur eine Briefkastenadresse hat. Hinweise führen zu einem ukrainischen IT-Unternehmen sowie zu einer Holding in den Vereinigten Arabischen Emiraten, deren offizielle Geschäftsführerin tatsächlich als Zahnärztin arbeitet. Auf Nachfragen reagierte sie ablehnend, was den Verdacht erhärtet, dass sie nur als Strohfrau fungiert.

Rechtliche Konsequenzen für die Anbieter sind laut Strafrechtsprofessor Christoph Safferling möglich. Der Verkauf von Software, die explizit zum Ausspähen genutzt werden kann, sei eine Straftat. Auch die Unterstützung bei der Installation oder dem Verbergen solcher Apps könne als Beihilfe gewertet werden. Die Verantwortung liege bei den Unternehmensleitungen, sofern sie von den Vorgängen wussten und nicht eingeschritten sind. Anfragen an die beteiligten Unternehmen blieben unbeantwortet.

Tests ergaben, dass die Apps Spuren auf Smartphones hinterlassen. Bei Android-Geräten tarnt sich mSpy beispielsweise als "Update Service". Der beste Schutz gegen Spionage besteht darin, Geräte-PINs und Passwörter nicht weiterzugeben. Weitere Schutzmaßnahmen wurden von netzpolitik.org zusammengetragen.

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