Spielbergs „Disclosure Day": Alien-Spektakel zwischen Genie und Absurdität
Josh O'Connor und Emily Blunt kämpfen in Spielbergs neuem Sci-Fi-Thriller gegen Verschwörungen, Außerirdische und ein chaotisches Drehbuch.

Steven Spielberg kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Mit „Disclosure Day" präsentiert der prägende amerikanische Filmemacher seiner Generation eine hektische Geschichte über kleine graue Männchen und gewaltige Verschwörungen – und schließt damit an seine frühen Meisterwerke an. Vor einem halben Jahrhundert erzählte er in „Unheimliche Begegnung der dritten Art" erstmals, dass Außerirdische existieren. 1982 folgte „E. T. – Der Außerirdische". Nun, Jahrzehnte später, greift Spielberg das Thema erneut auf.
Die Hauptrollen übernehmen Josh O'Connor und Emily Blunt. O'Connor spielt einen potenziellen Whistleblower eines zwielichtigen privaten Auftragnehmers, der mit dem US-Militär zusammenarbeitet. Er flieht mit einem Laptop voller Beweise für jahrzehntelange, rücksichtslos unterdrückte Kontakte mit hochentwickelten Außerirdischen. Als Gegenspieler tritt Colin Firth als Konzern-Handlanger auf, dessen Verfolgungsjagd dem Film eine Thriller-Struktur verleiht – sofern er überhaupt eine besitzt.
Emily Blunt hält den Film zusammen
Dem Himmel sei Dank für Emily Blunt. Die Schauspielerin spielt zunächst eine temperamentvolle TV-Wetteransagerin, die bald ohne ersichtlichen Grund alle möglichen Fremdsprachen beherrscht und eine telepathische Empathie für jeden entwickelt, dem sie begegnet. Eine skurrile Wendung – doch Blunt verkauft sie mit Starpower und bravouröser Glaubwürdigkeit. Während der Film O'Connor sichtlich mitnimmt, meistert Blunt alles souverän.
Der Ton des Films ist dringend, aber zerfahren. Kritiker vergleichen ihn mit der 90er-Jahre-Serie „Akte X", in der paranormaler Hokuspokus vor der Öffentlichkeit verborgen wurde. Fast beiläufig spielt der Film am Rande des Dritten Weltkriegs, Gott wird oft thematisiert, und eine allgemeine Albernheit durchzieht das gesamte Werk. Der Film spielt mit Erinnerungen an WikiLeaks in einer Welt, in der anscheinend niemand das Internet nutzt – stattdessen starren alle gebannt auf das Network-Fernsehen.
Spielberg an einem Scheideweg seiner Karriere
Beruflich steht Spielberg an einem entscheidenden Punkt. In der jüngsten Phase seiner Karriere lieferte er mit der Cine-Autofiktion „The Fabelmans" und seiner Version von „West Side Story" künstlerisch starke Werke ab. Das Problem: Nur wenige Menschen sahen diese Filme. Nun benötigt die Hollywood-Größe schlichtweg einen Kassenschlager.
„Disclosure Day" zieht dementsprechend alle Register. Es gibt aufwendige Actionsequenzen und jene Screwball-Comedy-Zwischenspiele, für die Spielberg schon immer ein Händchen hatte. Die Fahrt wird selten langweilig – man muss allerdings über vieles hinwegsehen. Drehbuchautor David Koepp, ebenfalls ein geschätzter Veteran, liefert Enthüllungen, die verworren sind, und Handlungselemente, die an Unsinn grenzen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalysePolitische Zwischentöne und universelles Staunen
Der Film navigiert die Gratwanderung eines US-Studiofilms des Jahres 2026 mit gemischtem Erfolg. Eine Rede über den Wert von Empathie wirkt wie eine höfliche politische Geste. Gleichzeitig spielt die Geschichte im ländlichen Missouri und wurzelt in einem Misstrauen gegenüber offiziellen Narrativen – ein Motiv, das sich zuletzt am rechten Rand des politischen Spektrums gesammelt hat.
Was Spielberg letztlich will, ist zweierlei: einen massiven kommerziellen Hit und das universelle Staunen wieder einzufangen, das der Gedanke auslöst, dass es jenseits der menschlichen Probleme wirklich etwas da draußen geben könnte. Trotz aller Absurditäten von „Disclosure Day" ist das Kuriose, dass der Film einen vielleicht doch noch für einen Moment genau dort erwischt – an jenem weichen, Spielberg-typischen Ort, der immer noch an das Gute glaubt.


