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Speicherchip-Umsätze auf Rekordniveau: Analysten erwarten massive Preissprünge

Weltweite Speicherchip-Verkäufe erreichen $74,6 Milliarden monatlich – UBS und Bernstein prognostizieren kräftige Preisanstiege bis 2026.

Speicherchip-Umsätze auf Rekordniveau: Analysten erwarten massive Preissprünge

Der weltweite Speicherchip-Markt hat im Juli einen historischen Meilenstein erreicht: Die monatlichen Umsätze kletterten auf einen Rekordwert von 74,6 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 31,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dieser Wert liegt laut dem „Memory Monthly"-Bericht von UBS 2,8 Prozentpunkte über dem saisonalen 10-Jahres-Durchschnitt und signalisiert eine außergewöhnliche Dynamik im Speichersektor.

Die primären Profiteure dieses Aufwärtszyklus sind klar identifiziert: Micron Technology aus den USA sowie die südkoreanischen Branchenriesen Samsung Electronics und SK Hynix kontrollieren gemeinsam den Großteil des weltweiten DRAM- und NAND-Angebots. Auch SanDisk, als führender NAND-Flash-Hersteller, zählt zu den Hauptnutznießern des aktuellen Booms. Alle vier Unternehmen dürften von den erwarteten Preiszuwächsen profitieren, die sich nach Einschätzung beider Analysehäuser bis in die zweite Jahreshälfte 2026 beschleunigen werden.

DRAM und NAND mit unterschiedlicher Dynamik

Innerhalb des Gesamtmarktes zeigen die beiden wichtigsten Speichersegmente ein differenziertes Bild. DRAM verzeichnete einen monatlichen Rekordumsatz von rund 48,0 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 27,7 Prozent gegenüber dem Vormonat entspricht. Allerdings lag dieser Wert etwa 8,0 Prozentpunkte unter dem saisonalen 10-Jahres-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage in einigen Endmärkten noch nicht ihr volles Potenzial entfaltet hat.

NAND-Flash-Speicher präsentierte sich dagegen deutlich stärker: Die Umsätze erholten sich auf einen Rekordwert von 25,8 Milliarden US-Dollar, was einem Sprung von 40,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat entspricht. Dieser Wert übertraf den saisonalen 10-Jahres-Durchschnitt um beeindruckende 16,9 Prozentpunkte. Als treibende Kraft gilt die KI-bezogene Speichernachfrage, die das Segment weit über historische Normen hinaushebt.

„Unser ‚Memory Monthly' für Juli deutet darauf hin, dass sich der Aufwärtszyklus bei Speichern angesichts der beschleunigten KI-getriebenen Nachfrage und der laufenden LTA-Verhandlungen weiter festigt", schrieb UBS in ihrem Bericht.

UBS mit ambitionierten Preiszielen bis 2028

UBS hat ihre Prognosen für Kontraktpreise deutlich angehoben. Für DDR-DRAM werden im dritten und vierten Quartal 2026 Anstiege von 32 Prozent beziehungsweise 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet. Bei NAND-Preisen rechnet die Bank im gleichen Zeitraum mit einem Plus von 30 Prozent beziehungsweise 12 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist die strukturelle Unterversorgungsthese von UBS: Die Bank prognostiziert, dass die DRAM-Industrie mindestens bis zum zweiten Quartal 2028 strukturell unterversorgt bleiben wird. Hintergrund ist ein erwartetes Wachstum der Bit-Nachfrage von 36,2 Prozent im Jahresvergleich für 2027, das das Angebotswachstum von lediglich 19,3 Prozent deutlich übertreffen soll.

Im Zentrum dieser Nachfragethese steht High-Bandwidth-Memory (HBM), der für KI-Beschleuniger unverzichtbare Hochleistungsspeicher. UBS prognostiziert, dass die HBM-Nachfrage im Jahr 2026 um 90 Prozent auf rund 33,1 Milliarden Gigabyte steigen wird, gefolgt von einem weiteren Zuwachs um 77 Prozent auf etwa 58,7 Milliarden Gigabyte im Jahr 2027. Getrieben wird dies durch den fortlaufenden Ausbau von KI-Beschleunigern bei großen Cloud-Anbietern (Hyperscalern). In der Gesamtschau prognostiziert UBS für die gesamte Speicherindustrie einen Umsatz von 992 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 und sogar 1,76 Billionen US-Dollar im Jahr 2027.

Bernstein mahnt zur Vorsicht ab 2026

Bernstein teilt zwar die kurzfristig optimistische Einschätzung, äußert jedoch deutlich mehr Skepsis über die Dauer des Zyklus. „Wir glauben weiterhin, dass es im Konsumentensegment letztlich zu einem Nachfragerückgang kommen wird und sich das Tempo des Preisanstiegs bis zum dritten Quartal des Kalenderjahres 2026 spürbar verlangsamen sollte", schrieb Bernstein.

Das Brokerhaus räumt ein, dass vorgezogene Käufe der Konsumenten den Schaden bisher begrenzt haben und die Server-Nachfrage weiterhin das zusätzliche Angebot der Produzenten absorbiert. Bernstein betrachtet beides jedoch eher als temporäre Puffer denn als dauerhafte Stützen. Langfristig erwartet Bernstein, dass die Speicherpreise allmählich ihren Höhepunkt erreichen und sich ab der zweiten Jahreshälfte 2027 bis in das Kalenderjahr 2028 hinein normalisieren.

Beide Häuser sind sich einig über die Bedeutung der Verhandlungen über langfristige Lieferverträge (Long-Term Agreements, LTAs) als kritische Marktdynamik. Bernstein sieht LTAs als strukturellen Puffer: „LTAs können die Auswirkungen einer Korrektur abmildern, und wir erwarten mehr Klarheit über diese Verträge, sobald weitere unterzeichnet werden." Auch UBS führt die laufenden LTA-Verhandlungen als zentralen Treiber des aktuellen Aufwärtszyklus an.

Risiken bleiben trotz Rekordwerten bestehen

UBS benennt offen, was das optimistische Szenario gefährden könnte: „Die Finanzierbarkeit für Kunden und die Nachhaltigkeit der KI-bezogenen Kapitalausgaben sind weiterhin die zentralen Risiken für diesen beispiellosen Aufwärtszyklus." Damit räumt die Bank ein, dass die Ausgabendisziplin der großen Cloud-Anbieter – und nicht das Angebot – die entscheidende Variable ist, die von der Angebotsseite her nicht vollständig modelliert werden kann.

Für Investoren, die den Speichersektor beobachten, werden die nächsten Signale von den quartalsweisen Kontraktpreisverhandlungen und etwaigen öffentlichen Kommentaren der großen Speicherhersteller zu den LTA-Bedingungen ausgehen. Bernsteins Erwartung eines sich verlangsamenden Preisanstiegs im dritten Quartal 2026 macht diesen Zeitraum zu einem entscheidenden Test dafür, ob die aggressivere Preisprognose von UBS eintritt. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei DRAM im Jahr 2027 wird letztlich darüber entscheiden, ob die Branchenumsatzzahl von 1,76 Billionen US-Dollar als konservativ oder als zu ambitioniert gilt.

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