SparePartsNow: Start-up will Ersatzteilmarkt revolutionieren
Das deutsche Start-up SparePartsNow hat in der Seed-Phase bereits eine Bewertung von 100 Millionen Euro erreicht. Gründer Christian Hoffart will den intransparenten Ersatzteilmarkt für die Industrie digitalisieren.

Christian Hoffart kennt das Ersatzteilgeschäft im Maschinenbau aus jahrelanger Erfahrung. Von 2015 bis 2022 verantwortete er als Geschäftsführer bei DMG Mori das Spare-Parts-Business. Während der Corona-Pandemie entwickelte er die Vision einer digitalen Plattform für industrielle Ersatzteile.
Trennung vom Konzern für die eigene Vision
Als DMG Mori entschied, kein Risikokapital für die Plattform-Idee bereitzustellen, wagte Hoffart den Sprung in die Selbstständigkeit. Die Überzeugung zahlte sich aus: Bis Ende 2022 sicherte er sich von rund zehn Gesellschaftern 20 Millionen Euro Wachstumskapital. Bemerkenswert dabei: Das gesamte Investment kam von Unternehmern aus der Branche, komplett ohne klassisches Venture Capital.
Preisvorteile von bis zu 50 Prozent
Das Geschäftsmodell überzeugt durch klare Mehrwerte. SparePartsNow bietet Zugang zu fünf Millionen Artikeln von über 2.000 Marken und unterbietet Hersteller-Preise teilweise um die Hälfte. Besonders im Fokus stehen generalüberholte Ersatzteile mit 24 Monaten Garantie, die das Einsparpotenzial noch weiter erhöhen.
"Kauft man für eine 15 Jahre alte Maschine ein Ersatzteil für 15.000 Euro – oder reicht eine generalüberholte Komponente für 5.000 Euro?", erklärt Hoffart die Kundenlogik. Dieser Ansatz trifft den Nerv der Zeit, in der Maschinenbau-Margen unter Druck stehen.
Dax-Konzerne als Stammkunden
Die Plattform funktioniert nach dem Amazon-Prinzip, ist aber auf industrielle Bedürfnisse zugeschnitten. Zu den Stammkunden zählen bereits Konzerne wie Bosch, Schaeffler, Kyocera und Linamar. Täglich kommen zweistellige Neukundenzahlen hinzu. Insgesamt nutzen mehrere Tausend Unternehmen die Plattform.
Großkunden bestellen direkt aus ihren ERP-Systemen über Schnittstellen. Die Plattform hält selbst keine Lagerbestände – beim Kaufvorgang erfolgt die automatische Bestellung beim jeweiligen Partnerunternehmen, das direkt an den Endkunden liefert.
KI-gestützte Produkterkennung
Eine innovative Funktion ermöglicht es Kunden, benötigte Teile mit dem Smartphone zu fotografieren. Die integrierte Künstliche Intelligenz erkennt das Produkt und zeigt verfügbare Angebote an. Diese Technologie vereinfacht den Beschaffungsprozess erheblich.
Aggressive Wachstumsstrategie für 2025
Für das laufende Jahr plant SparePartsNow mehrere strategische Schritte:
- Verdopplung des Sortiments auf 10 Millionen Artikel
- Verdreifachung des Angebots an generalüberholten Teilen
- Zwei strategische Allianzen mit deutschen Milliardenkonzernen
- Markteintritt in den USA und Großbritannien
- Mittelfristig Expansion nach Südostasien
Die 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke will das Unternehmen "zeitnah" erreichen. Details zu aktuellen Umsatzzahlen gibt Hoffart noch nicht preis, bestätigt aber, dass die Ziele der ersten drei Jahre übertroffen wurden.
Warum Amazon scheiterte
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Zur AktienanalyseInteressant ist der Blick auf gescheiterte Wettbewerber. Amazon versuchte nach Hoffarts Kenntnis bereits, in den Markt für industrielle Kernkomponenten einzusteigen, scheiterte jedoch am Aufbau von Kontakten zu Maschinenbauern. SparePartsNow profitiert hier von Hoffarts langjährigem Branchennetzwerk.
Vereinzelt gibt es Spezialanbieter in Teilbereichen wie Elektrotechnik oder Hydraulik. Einen universellen Plattform-Ansatz für die gesamte industrielle Produktion bietet nach Unternehmensangaben jedoch nur SparePartsNow.
Nachhaltigkeit als Zusatznutzen
Neben der Kosteneinsparung leistet das Geschäftsmodell einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Generalüberholte Komponenten verlängern Maschinenlebenszyklen und reduzieren den Bedarf an Neuproduktion. Dieser Nachhaltigkeitsaspekt gewinnt in der Industrie zunehmend an Bedeutung.
Die ungewöhnlich hohe Seed-Bewertung von 100 Millionen Euro unterstreicht das Vertrauen der Investoren in das Konzept. Für den deutschen Markt ist eine solche Bewertung in der Frühphase außergewöhnlich und signalisiert das Potenzial der Plattform-Ökonomie im B2B-Bereich.


