Spanien plant Social-Media-Verbot für Minderjährige unter 16 Jahren
Madrid schließt sich Australien an und kündigt strenge Regulierung von Plattformen wie TikTok und Instagram an.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat angekündigt, den Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren verbieten zu wollen. Bei seiner Rede auf dem World Governments Summit in Dubai erklärte er: "Unsere Kinder sind einem Raum ausgesetzt, den sie niemals alleine navigieren sollten. Das werden wir nicht länger akzeptieren." Spanien folgt damit dem Vorbild Australiens, das im Dezember 2024 als erstes Land weltweit ein solches Verbot eingeführt hatte.
Die spanische Regierung will bereits nächste Woche einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringen. Das Verbot soll im Rahmen einer Änderung eines bereits im Parlament debattierten Gesetzes zum digitalen Schutz Minderjähriger umgesetzt werden. Sánchez kündigte zudem an, Führungskräfte von Social-Media-Plattformen für illegale Inhalte und Hassreden zur Verantwortung zu ziehen. Die algorithmische Manipulation und Verstärkung illegaler Inhalte soll künftig unter Strafe gestellt werden.
Plattformen wie TikTok, Instagram, X, Snapchat und Google werden verpflichtet, wirksame Altersverifizierungssysteme einzuführen, die "nicht nur bloße Kontrollkästchen" sind, so der Regierungschef. Die Staatsanwaltschaft werde zudem mögliche Rechtsverstöße von Elon Musks Grok-Chatbot, TikTok und Instagram untersuchen. Meta, Google und andere Tech-Konzerne reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Europäische Koalition gegen "digitalen Wilden Westen"
Spanien hat sich nach eigenen Angaben mit fünf weiteren europäischen Ländern zur "Coalition of the Digitally Willing" zusammengeschlossen, um die grenzüberschreitende Regulierung zu koordinieren. Die Gruppe werde in den kommenden Tagen ihr erstes Treffen abhalten. Welche Länder der Koalition angehören, nannte Sánchez nicht. "Wir wissen, dass dies ein Kampf ist, der die Grenzen jedes einzelnen Landes bei Weitem überschreitet", betonte er.
Der sozialdemokratische Regierungschef hatte bereits 2024 die Eigentümer sozialer Medien als "Techno-Kaste" kritisiert, die für die "Vergiftung der Gesellschaft" durch Algorithmen zur Verantwortung gezogen werden müsse. Die geplanten Maßnahmen umfassen auch ein System zur Verfolgung von Hassreden im Internet.
Breite Zustimmung in der Bevölkerung
Laut einer Ipsos-Umfrage vom August 2024 befürworten etwa 82 Prozent der Spanier einen Ausschluss von Kindern unter 14 Jahren von sozialen Medien - sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 73 Prozent. "Es ist eine gute Maßnahme, um Kinder zu ermutigen, miteinander zu spielen und nicht mit ihren Mobiltelefonen in Parks zu sitzen, was ich ehrlich gesagt schrecklich finde", sagte der 19-jährige Student Miguel Abad aus Madrid.
In Australien zeigt das Verbot bereits Wirkung: Social-Media-Unternehmen deaktivierten innerhalb weniger Wochen nach Inkrafttreten kollektiv fast 5 Millionen Konten von Teenagern, wie die Internet-Aufsichtsbehörde des Landes mitteilte.
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Zur AktienanalyseKritik von rechts
Die rechtsextreme Vox-Partei kritisiert die Pläne scharf. Parlamentssprecherin Pepa Millan bezeichnete die vorgeschlagenen Maßnahmen als Form der Zensur von Regierungskritik. "Das Einzige, wofür sie Gesetze erlassen und welche Maßnahmen sie ergreifen, ist, sich an die Macht zu klammern und die offizielle Darstellung in den Medien aufrechtzuerhalten", sagte sie.
Die Debatte um Social-Media-Regulierung hat durch die rasante Zunahme KI-generierter Inhalte zusätzlich an Brisanz gewonnen. Berichte über nicht einvernehmliche sexuelle Bilder, die von Musks Grok-Chatbot generiert wurden, hatten diesen Monat für öffentlichen Aufschrei gesorgt. Das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act), das Anfang 2024 vollständig in Kraft trat, verpflichtet Plattformen bereits zur Moderation von Inhalten.


