SpaceX und OpenAI-Börsengänge: US-Fonds legen Milliarden-Barmittel bereit
Große Investmentfonds bereiten sich auf Blockbuster-IPOs vor und bauen gezielt Barreserven auf, um SpaceX und OpenAI aufzunehmen.

Große US-Investmentfonds und passive Indexfonds legen zunehmend Barmittel beiseite und bereiten sich darauf vor, bestehende Positionen in Large-Cap-Aktien abzubauen. Der Grund: Die bevorstehenden Mega-Börsengänge von SpaceX und OpenAI könnten die Zusammensetzung wichtiger Indizes grundlegend verändern. Das geht aus einer Analyse von Goldman-Sachs-Experten hervor.
John Flood, Managing Director für Global Banking & Markets bei Goldman Sachs, schrieb in einer Mitteilung an Kunden vom 22. Mai: „Anleger konzentrieren sich zunehmend auf die Auswirkungen potenzieller großer Börsengänge in der Pipeline. Vor jedem der vier größten Börsengänge der letzten Jahrzehnte haben US-Aktienfonds ihre Barbestände erhöht." Für passive Fonds bedeutet die Aufnahme neu börsennotierter Unternehmen konkret, dass bestehende Bestände in anderen Large-Cap-Aktien reduziert werden müssen, um die nötige Liquidität bereitzustellen.
Bewertungen in Billionenhöhe
SpaceX strebt bei seinem Börsengang eine Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar an. Das würde das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk auf Basis aktueller Aktienkurse zum siebtwertvollsten US-Unternehmen machen – noch vor zahlreichen etablierten Konzernen. Auch die KI-Schwergewichte OpenAI und Anthropic drängen in den kommenden Monaten an den öffentlichen Markt.
Reuters berichtete bereits im Oktober, dass OpenAI zum Zeitpunkt seines Börsengangs eine Bewertung von etwa einer Billion US-Dollar oder mehr anstreben könnte. Anthropic führt derzeit Gespräche über eine Finanzierungsrunde, die das Unternehmen ebenfalls mit knapp einer Billion US-Dollar bewerten könnte. Angesichts dieser Dimensionen wären beide Unternehmen höchstwahrscheinlich für eine schnelle Aufnahme in die wichtigsten Benchmark-Indizes qualifiziert.
Begünstigt wird dieser Prozess durch neue Regeln, die Blue-Chip-Indizes wie der Nasdaq 100 und der S&P 500 eingeführt haben. Diese Regeländerungen sollen die Aufnahme neu gelisteter Megacap-Unternehmen in die Benchmarks beschleunigen und würden höchstwahrscheinlich auf den rekordverdächtigen Börsengang von SpaceX Anwendung finden.
Indexaufnahme steigert Liquidität und Anlegerbasis
Die Aufnahme in Benchmarks wie den Nasdaq 100 oder den S&P 500 hat für Unternehmen weitreichende Vorteile. Sie verschafft ihnen einen besseren Zugang zu finanzstarken institutionellen Anlegern, die für ihre eigenen Indexfonds beträchtliche Positionen erwerben müssen. Das verbreitert die Aktionärsbasis und verbessert die Liquidität im Laufe der Zeit erheblich.
Für Unternehmensführer und frühe Investoren ist dieser Aspekt besonders relevant: Eine höhere Liquidität verringert die Marktauswirkungen großer Verkaufsaufträge, sobald die sogenannten Lock-up-Periods – also die Sperrfristen nach einem Börsengang – ablaufen. Diese betragen üblicherweise 90 bis 180 Tage. Flood wies jedoch darauf hin, dass neu aufgenommene Unternehmen zunächst eine geringe Gewichtung in den Benchmarks haben würden, wobei der Einfluss mit zunehmendem Streubesitzfaktor (Float Factor) wachsen würde.
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Zur AktienanalyseAuch Privatanleger dürften den Hype um die neuen Börsengänge befeuern. Analysten der Deutschen Bank schrieben in einer Mitteilung an Kunden: „Sowohl die Kapazität als auch die Bereitschaft, in Aktien zu investieren, bleiben stark." Als Grund nannten sie „riesige Barbestände der privaten Haushalte, die während der Pandemie angehäuft wurden."
Marktauswirkungen bleiben überschaubar
Trotz der enormen Bewertungen der IPO-Kandidaten relativieren die Deutsche-Bank-Analysten die Gesamtauswirkungen auf den Markt. In ihrer Mitteilung hielten sie fest: „Selbst die größten erwarteten IPO-Volumina entsprechen etwas mehr als 0,1 % der aktuellen Marktkapitalisierung des S&P 500." Die strukturellen Verschiebungen innerhalb der Indizes und Portfolios dürften dennoch spürbar sein – insbesondere für jene Large-Cap-Aktien, deren Gewichtung zugunsten der Neuankömmlinge reduziert werden muss.


