SpaceX Starship-Test stärkt IPO-Argumente trotz verbleibender Hürden
Der jüngste Starship-Testflug liefert Investoren genug Fortschritt, um das Momentum für SpaceX' milliardenschweren Börsengang aufrechtzuerhalten.

Der zwölfte Testflug eines Starship-Prototyps von SpaceX seit 2023 – und der erste der neuen V3-Iteration – verlief am Freitag in weiten Teilen erfolgreich. Die Rakete setzte eine Reihe von Satellitenattrappen aus und führte eine kontrollierte Wasserung des Raumschiffs im Indischen Ozean durch. Die kontrollierte Landung des Super-Heavy-Boosters, der in den Golf von Mexiko stürzte, gelang jedoch nicht.
Für Investoren und Analysten war das Ergebnis dennoch ausreichend positiv. „SpaceX benötigte keine Perfektion bei diesem Starship-Flug. Es brauchte den Beweis, dass sich das modernisierte Fahrzeug in die richtige Richtung bewegt, und genau das haben die Investoren weitgehend gesehen", sagte Mark Vena, CEO von SmartTech Research. Selbst ein unvollkommener Test könne das Investitionsszenario stärken, wenn er messbare Fortschritte in Richtung vollständiger Wiederverwendbarkeit zeige, so Vena weiter.
Das Starship ist für SpaceX weit mehr als ein technisches Prestigeprojekt. Es ist entscheidend für die Senkung der Startkosten, den Ausbau des Starlink-Satellitengeschäfts – dem zentralen Umsatzträger des Unternehmens – sowie für künftige Vorhaben wie weltraumgestütztes Computing, die Stationierung orbitaler KI-Rechenzentrumssatelliten und bemannte Missionen zum Mond und potenziell zum Mars. Das Unternehmen hat mehr als 15 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung der Rakete investiert.
Vollständige Wiederverwendbarkeit als Schlüssel zum Wert
„Die vollständige Wiederverwendbarkeit ist der Schlüssel zu drastisch niedrigeren Startkosten", sagte James Bruegger, Chief Investment Officer der britischen Investmentfirma Seraphim Space. „Darin liegt der wahre Wert." SpaceX selbst hat gewarnt, dass Verzögerungen bei der Entwicklung oder den Kostenzielen die Stationierung von Satelliten der nächsten Generation und der KI-Infrastruktur behindern könnten.
Dies spiegelt die Sorge einiger Investoren wider, dass das Starship in einem Kreislauf aus Nachbesserungen und neuen Fehlschlägen gefangen bleiben könnte, ohne jemals ein funktionierendes End-to-End-System unter Beweis zu stellen. Jesse Nacht, Research Associate bei MarketVector Indexes, kommentierte: „Was wir beim Starship-Start gesehen haben, ist eine Verringerung des ‚Bear-Case'-Risikos, dass das Starship in einer Fehlerschleife feststeckt. Das Umsetzungsrisiko wird dadurch jedoch nicht vollständig eliminiert."
Antoine Grenier, Partner und Leiter der Weltraumberatung bei Analysys Mason, sieht in einem „lauwarmen Erfolg" sogar das beste mögliche Ergebnis. „Ein totaler Misserfolg wäre problematisch gewesen, ein totaler Erfolg hätte eine enorme Euphorie um den Börsengang ausgelöst", sagte er. Grenier wies zudem darauf hin, dass die siebenmonatige Pause seit dem vorangegangenen Flug bedeutete, dass SpaceX vor dem IPO starten musste – ein Verzicht hätte „mehr Fragen" bei den Investoren aufgeworfen, die das Umsetzungstempo des Unternehmens bewerten.
Milliardenschwerer Börsengang rückt näher
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Zur AktienanalyseEine Roadshow für den mit Spannung erwarteten Börsengang ist für den 4. Juni angesetzt. Im Erfolgsfall könnte die Emission bis zu 80 Milliarden US-Dollar einbringen und damit die größte Börseneinführung aller Zeiten werden. Die Gesamtbewertung von SpaceX wird dabei auf rund 1,75 Billionen US-Dollar geschätzt.
Investoren bewerten SpaceX zunehmend nicht mehr nur als Start- und Satellitenunternehmen, sondern als künftigen Anbieter von KI-Infrastruktur. Dennoch betonen Analysten, dass noch ein weiter Weg vor dem Unternehmen liegt. „Offensichtlich muss SpaceX einen erfolgreichen Start, das Aussetzen der Nutzlast, das Erreichen der Umlaufbahn sowie die Landung des Boosters und des Fahrzeugs demonstrieren, um den Einsatz des Systems in großem Maßstab für den Aufbau einer Megakonstellation von orbitalen Rechenzentren zu ermöglichen", sagte Austin Moeller, Managing Director of Equity Research bei Canaccord Genuity.
Für deutsche Privatanleger, die den SpaceX-IPO im Blick haben, bleibt die zentrale Botschaft: Der Testflug hat das Risikoprofil verbessert, ohne alle Unsicherheiten zu beseitigen. Die Fähigkeit von Elon Musk, hochriskante technische Wetten in marktbeherrschende Unternehmen zu verwandeln, bleibt das entscheidende Argument – und gleichzeitig das größte Fragezeichen.

