SpaceX-Optionen: Wall Street wettet auf massive Kursverdreifachung
Ein mysteriöser Großinvestor hält über 450.000 offene Positionen auf einen $330-Call – bei einem aktuellen Kurs weit darunter.

An der Wall Street sorgt ein ungewöhnliches Muster im Optionshandel rund um SpaceX für Aufsehen. Mehr als 450.000 offene Positionen auf einen Call-Optionsschein mit einem Basispreis von $330 – fällig am Freitag – haben Analysten und Marktteilnehmer aufhorchen lassen. Das ist mindestens siebenmal so viele offene Kontrakte wie beim nächstbeliebtesten Kontrakt, wie eine CNBC-Analyse von Optionsfluss-Daten mehrerer Anbieter zeigt.
Besonders auffällig: Je weiter der SpaceX-Kurs gefallen ist, desto beliebter wurde dieser weit aus dem Geld liegende Call. Das widerspricht auf den ersten Blick der gängigen Marktlogik – denn mit sinkendem Kurs sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Auszahlung. SpaceX hat seit seinem Höchststand mehr als 40 Prozent an Wert verloren.
Großinstitution hinter den Käufen vermutet
Brent Kochuba, Gründer der Optionsfluss-Plattform SpotGamma, hat die Handelsdaten genauer unter die Lupe genommen. Seine Analyse zeigt, dass die Käufe weder von einem Hedgefonds noch von Kleinanlegern oder Market-Makern stammen dürften. „Ich vermute, dass Banken diese Calls zur Absicherung halten, möglicherweise gegen eine Art strukturiertes Produkt oder ein anderes Short-Engagement, das sie haben", sagte Kochuba. „Es muss sich um eine Art Margin-Absicherung von jemandem handeln, der die Aktie leerverkauft hat oder auf fallende Volatilität setzt oder Ähnliches."
Allein am Montag wurde der $330-Call rund 90.000 Mal in Hunderten von Transaktionen unterschiedlicher Größe gehandelt – von 100er-Paketen bis hin zu Tausenden gleichzeitig. Der Gesamtwert dieser Käufe belief sich laut SpotGamma-Daten auf etwa 2,2 Millionen US-Dollar. Bei einem Durchschnittspreis von rund 30 Cent pro Kontrakt nähert sich das gesamte Open Interest des Kontrakts der Marke von 20 Millionen US-Dollar.
SpaceX ist dabei keine gewöhnliche Aktie. Mit einer impliziten Volatilität von 133 ist das Unternehmen – gemessen an ThinkOrSwim-Daten – volatiler als jeder Wert im S&P 500, mit Ausnahme von Sandisk. Die Marktkapitalisierung des Raumfahrt- und Satellitenunternehmens von Elon Musk liegt bei 1,5 Billionen US-Dollar. Unmittelbar nach dem Börsengang im Juni wurden SpaceX-Optionen im Wert von Milliarden US-Dollar gehandelt, und weit aus dem Geld liegende Calls waren von Anfang an eine beliebte Strategie.
Quartalszahlen und Insiderfrist als Kurstreiber
Die Spannung nimmt in dieser Woche noch zu: SpaceX legt am Dienstag nach Börsenschluss seine ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang im Juni vor. Der Optionsmarkt impliziert eine Kursschwankung von 14 Prozent nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Normalerweise lässt die Volatilität nach Quartalszahlen nach – doch da die Sperrfrist für SpaceX-Insider zwei Tage nach den Zahlen endet, dürfte die Marktspannung hoch bleiben.
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Zur AktienanalyseJay Pestrichelli, Chief Trading Officer der Tidal Financial Group – einem ETF-Schwergewicht mit einem verwalteten Vermögen von fast 60 Milliarden US-Dollar – hat die Mathematik hinter den Kontrakten durchgerechnet. Demnach könnte der ideale Punkt für eine Profitabilität der Calls bereits bei einem Kurs von etwa $215 bis Mittwochmorgen erreicht sein. „Unter Berücksichtigung einiger mathematischer Annahmen könnte eine Rallye auf $100 bis Mittwochmorgen profitabel sein", sagte Pestrichelli. „Es ist kein spekulativer Glückstreffer – man kauft nicht den höchsten Basispreis in der Kette, es sei denn, man versucht, die Kosten für eine Absicherung zu senken."
Für deutsche Privatanleger ist die Situation ein anschauliches Beispiel dafür, wie institutionelle Marktteilnehmer Optionen nicht primär zur Spekulation, sondern zur Risikoabsicherung einsetzen. Wer eine Short-Position auf SpaceX hält oder auf fallende Volatilität gesetzt hat, kann mit solchen weit aus dem Geld liegenden Calls das Risiko eines plötzlichen Kursanstiegs kostengünstig absichern. Die gesamte Situation sollte dennoch mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet werden – denn ob die Calls tatsächlich ins Geld laufen, bleibt angesichts des aktuellen Kursniveaus mehr als fraglich.


