SpaceX-IPO: Privatanleger kämpfen mit Mini-Zuteilungen und Halte-Dilemma
Beim spektakulären SpaceX-Börsengang erhielten Privatanleger oft nur eine einzige Aktie – nun streiten sie über die richtige Strategie.

Privatanleger, die sich um Aktien beim Börsengang von SpaceX rissen, gingen weitgehend leer aus. In Online-Investmentforen beklagten Nutzer Zuteilungen von teils nur einer einzigen Aktie, obwohl sie Hunderte oder gar Tausende Stück gezeichnet hatten. Die wenigen, die überhaupt Aktien erhielten, stehen nun vor einer schwierigen Entscheidung: halten oder verkaufen?
Die SpaceX-Aktie legte am Montag nach dem Börsendebüt um weitere 6 Prozent zu. Bereits am Freitag war das Papier um 19 Prozent gestiegen und schloss bei rund 161 US-Dollar – ausgehend von einem Emissionspreis von 135 US-Dollar. Damit kletterte die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf über 2 Billionen US-Dollar, was den SpaceX-IPO zu einem der bedeutendsten Börsengänge der jüngeren Geschichte macht.
Winzige Zuteilungen trotz großer Zeichnungsaufträge
Marvin Jung, ein 51-jähriger Anleger, hatte über die Handelsplattform Robinhood 1.000 Aktien gezeichnet und lediglich 17 Stück zugeteilt bekommen. Er entschied sich für einen schnellen Verkauf seiner Position direkt nach Handelsbeginn. Sein Fall steht stellvertretend für viele Privatanleger, die trotz großer Zeichnungsaufträge kaum zum Zug kamen.
Ross Cameron, 41 Jahre alt und Gründer der Trading-Plattform Warrior Trading, hatte über den Broker Schwab zunächst 2.500 Aktien gezeichnet und seinen Auftrag vor Ablauf der Frist sogar auf 4.250 Stück erhöht. Letztlich wurden ihm lediglich 147 Aktien zum IPO-Preis von 135 US-Dollar zugeteilt. Cameron blickt zudem vorsichtig auf die kommenden Monate: Er erwartet eine Welle von Verkaufsdruck, sobald die sogenannten Lock-up-Perioden auslaufen und weitere Aktien für den Handel freigegeben werden.
Im Reddit-Forum „WallStreetBets" posteten Nutzer Screenshots, die Zuteilungen von nur einer einzigen Aktie zeigten. Andere kommentierten mit Humor, dass die winzigen Zuteilungen kaum mehr als ein Souvenir von einem der am sehnlichsten erwarteten Börsengänge der jüngeren Geschichte seien.
Langfristig halten oder schnell Gewinne mitnehmen?
Nicht alle Anleger reagierten mit Verkäufen. Helaine Markham, Miteigentümerin von Markham Trading, erhielt beide von ihr gezeichneten Aktien und beabsichtigt, diese zu behalten. Sie bezeichnete die Bewertung von SpaceX als „aggressiv" und rechnet mit zusätzlicher Volatilität, wenn die Haltefristen enden und mehr Aktien auf den Markt kommen. Markham plant daher, die weitere Kursentwicklung abzuwarten, bevor sie ihre Position möglicherweise aufstockt.
Justin Sacco, Gründer von Sacco Financial, erhielt über Charles Schwab 11 Aktien, nachdem er 75 gezeichnet hatte. Anstatt zu verkaufen, stockte er seine Position nach Handelsbeginn sogar auf und kaufte vier weitere Aktien am freien Markt dazu – sein Gesamtbestand stieg damit auf 15 Aktien. Sacco gab an, diese langfristig halten zu wollen, äußerte jedoch ebenfalls Bedenken angesichts der hohen Bewertung.
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Zur AktienanalyseLock-up-Perioden als nächste große Bewährungsprobe
Die Erfahrungen der Privatanleger beim SpaceX-IPO verdeutlichen ein strukturelles Problem: Bei hochbegehrten Börsengängen erhalten institutionelle Investoren in der Regel den Löwenanteil der Aktien, während Privatanleger mit Kleinstzuteilungen abgespeist werden. Die eigentliche Bewährungsprobe für die SpaceX-Aktie dürfte jedoch erst bevorstehen, wenn die Lock-up-Perioden ablaufen und Insider sowie frühe Investoren ihre Anteile veräußern dürfen. Sowohl Cameron als auch Markham rechnen dann mit erhöhtem Verkaufsdruck und entsprechender Kursvolatilität.
Für deutsche Privatanleger, die SpaceX-Aktien über US-Broker gezeichnet haben oder den Kauf am freien Markt erwägen, bleibt die Frage nach der angemessenen Bewertung zentral. Eine Marktkapitalisierung von über 2 Billionen US-Dollar setzt enorme Wachstumserwartungen voraus – und macht das Papier anfällig für Rückschläge, sollten diese Erwartungen nicht erfüllt werden.


