SpaceX-Börsengang: Zwei Billionen Dollar für Musks Visionen
SpaceX strebt beim bevorstehenden Börsengang eine Bewertung von zwei Billionen Dollar an – und setzt damit auf Musks Ruf als Visionär.

Elon Musk verwandelt seit fast zwei Jahrzehnten Science-Fiction in Realität. Dabei hat er nicht nur Anhänger reich gemacht, sondern sich auch bei vielen Akteuren an der Wall Street einen erheblichen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Nun steht mit dem Börsengang von SpaceX ein weiteres Kapitel dieser Geschichte bevor – und es könnte das bislang teuerste sein.
SpaceX strebt laut Bloomberg bei seinem Börsengang in den kommenden Wochen eine Bewertung von satten zwei Billionen US-Dollar an. Diese Zahl ist nicht nur beeindruckend, sie stellt auch traditionelle Bewertungsmodelle vor erhebliche Herausforderungen. Analysten sehen sich gezwungen, ihre klassischen Bewertungsinstrumente bis an ihre Grenzen auszureizen.
Optionalitäten statt klassischer Kennzahlen
Das Besondere an Musks Unternehmen ist, wie sie die Finanzwelt dazu bringen, ihre Denkweise grundlegend zu verändern. Analysten weisen Bewertungsmultiplikatoren auf Basis sogenannter „Optionalitäten" zu – ein Begriff aus der Wissenschaft, der das Potenzial zukünftiger, noch nicht realisierter Geschäftsfelder beschreibt. Konkret bedeutet das: Nicht der aktuelle Umsatz oder Gewinn steht im Vordergrund, sondern die Frage, was ein Unternehmen eines Tages werden könnte.
Dieses Phänomen ist bei Tesla bereits zu beobachten. Viele Analysten betrachten den Elektroautohersteller längst nicht mehr primär als Automobilproduzenten, sondern als Robotikunternehmen mit enormem Zukunftspotenzial. Der Markt hat mit seinem Kapital für diese Sichtweise gestimmt – und Tesla-Investoren wurden dafür in der Vergangenheit belohnt.
Das Muster wiederholt sich nun bei SpaceX. Wer auf Musks Visionen gesetzt hat, wurde oft reich belohnt. Wer gezögert hat, schaute häufig dem Kursanstieg hinterher. Genau dieses psychologische Muster – die Angst, etwas zu verpassen, auf Englisch „Fear of Missing Out" oder kurz FOMO – scheint nun auch den SpaceX-Börsengang zu prägen.
Das größere Risiko: Nicht dabei zu sein
Skeptiker weisen zwar auf schwindelerregende Bewertungen hin und mahnen zur Vorsicht. Doch viele Marktteilnehmer sind bereits zu einer anderen Schlussfolgerung gelangt: Das größere Risiko beim SpaceX-Börsengang bestehe nicht darin, zu investieren – sondern darin, es nicht zu tun.
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Zur AktienanalyseDiese Denkweise ist charakteristisch für Phasen, in denen Wachstumsstorys die Märkte dominieren. Traditionelle Bewertungsmaßstäbe wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der Umsatz treten in den Hintergrund, wenn Investoren an eine transformative Zukunft glauben. Musks Unternehmen haben diese Dynamik in den vergangenen Jahren immer wieder ausgelöst.
Für deutsche Privatanleger stellt sich die Frage, wie sie den SpaceX-Börsengang einordnen sollen. Einerseits bietet ein solches Ereignis die Chance, frühzeitig an einem potenziell bahnbrechenden Unternehmen beteiligt zu sein. Andererseits mahnen die astronomischen Bewertungszahlen und die Abhängigkeit von zukünftigen, noch ungewissen Geschäftsfeldern zur Vorsicht. Die Geschichte der Technologiebörsen zeigt: Nicht jede Vision wird zur Realität – und nicht jeder Hype endet mit Gewinnen für alle Beteiligten.


