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SpaceX-Börsengang: Wie Musk die Bankgebühren drückt

Elon Musk verlangt beim SpaceX-IPO weniger als 0,75 Prozent Spread – doch ein Branchenwandel ist das nicht.

SpaceX-Börsengang: Wie Musk die Bankgebühren drückt

Elon Musk setzt seine Banken erneut unter Druck. Beim bevorstehenden Börsengang von SpaceX drängt er die Konsortialbanken laut Bloomberg dazu, einen Spread von weniger als 0,75 Prozent zu akzeptieren. Bei einer angenommenen Kapitalaufnahme von 75 Milliarden US-Dollar ergibt das dennoch einen Gebührenpool von rund 550 Millionen US-Dollar – ein beachtlicher Jackpot für die beteiligten Institute.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musk seinen Finanzpartnern aggressive Konditionen abringt. Bereits bei der Übernahme von Twitter – heute X – sicherte er sich günstige Fremdfinanzierungsbedingungen. Für den SpaceX-IPO mussten sich die zehn führenden Banken des Konsortiums zudem zu einem Überbrückungskredit von 20 Milliarden US-Dollar verpflichten, um hochverzinsliche Schulden im Zusammenhang mit X und xAI zu refinanzieren. Berichten zufolge verlangt Musk von Finanz- und Rechtsberatern außerdem, den Grok-Chatbot von xAI zu abonnieren.

Megadeals haben eigene Regeln

Der Standard-Spread von 7 Prozent, der die Ökonomie amerikanischer Börsengänge seit Jahrzehnten prägt, galt jedoch noch nie für Transaktionen dieser Größenordnung. Beim 16 Milliarden US-Dollar schweren Facebook-Börsengang 2012 berechneten die Konsortialbanken lediglich 1,1 Prozent, beim Uber-IPO 2019 waren es 1,3 Prozent. Bei einem sogenannten Super-Jumbo-IPO sitzt der Emittent bei jeder Gebührenverhandlung am längeren Hebel – er verleiht ein Privileg, anstatt eine Dienstleistung zu kaufen.

Der Franchise-Wert für die beteiligten Banken ist dabei kaum zu beziffern. Wer beim SpaceX-Börsengang dabei ist, sichert sich Prestige, Netzwerk und künftige Mandate. Aus dieser Perspektive könnte man sogar argumentieren, dass Musk mit seinen Konditionen noch glimpflich mit den Banken umgeht.

Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob SpaceX weniger als 1 Prozent zahlt – das ist bei dieser Größenordnung erwartbar. Die interessantere Frage lautet: Wird dieser Präzedenzfall den breiteren Markt verändern?

Schelling-Punkte stabilisieren den Markt

Die Antwort ist nein – zumindest für die Mehrheit der Börsengänge. Mittelgroße US-IPOs zahlen weiterhin 7 Prozent, der Spread sinkt erst auf 5 oder 4 Prozent, wenn das Transaktionsvolumen in den dreistelligen Millionen- oder Milliardenbereich übergeht. Der 750 Millionen US-Dollar schwere Reddit-Börsengang etwa hatte einen Spread von 5 Prozent.

Dieses Stufensystem funktioniert nach dem spieltheoretischen Konzept der sogenannten Schelling-Punkte: Menschen finden ohne explizite Kommunikation natürlich an einem Fokuspunkt zusammen. Das Gleichgewicht hält, weil keine Seite einen zwingenden Grund hat, es zu stören. Banken legen in ihren Pitch-Books explizit dar, was vergleichbare Unternehmen gezahlt haben – Abweichungen erfordern eine Erklärung, der Weg des geringsten Widerstands ist die Akzeptanz des Benchmarks.

Zwar ist zu erwarten, dass Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI bei ihren künftigen Megabörsgängen ähnlich günstige Konditionen wie SpaceX aushandeln werden. Doch das bleibt eine Geschichte über Ausnahmen, nicht über einen Wandel des Gesamtmarktes.

US-Spreads deutlich höher als in Europa und Asien

Auffällig bleibt der internationale Vergleich: Während US-Deals normalerweise 4 bis 7 Prozent kosten, liegen die Spreads bei europäischen und asiatischen Börsengängen bei etwa 1,5 bis 3 Prozent. Als Erklärungen gelten die Dominanz der fünf größten amerikanischen Banken, zusätzliches Prozessrisiko sowie das historische Erbe der Trennung von Investment- und Geschäftsbanken durch den Glass-Steagall Act.

Doch ein entscheidender Faktor ist kultureller Natur: Die USA behandeln erstklassige professionelle Dienstleistungen als Prestigegut. Den vollen Preis für die besten Berater zu zahlen, signalisiert unternehmerische Ernsthaftigkeit – ähnlich wie bei amerikanischen Topkanzleien oder Unternehmensberatern, die historisch deutlich höhere Honorare verlangen als ihre internationalen Kollegen.

Hinzu kommt eine strukturelle Marktrealität: Amerikanische Banken können es sich leisten, bei Gebühren hart zu bleiben, weil die USA ein weit größeres IPO-Volumen generieren als andere Märkte. Eine US-Bank kann glaubwürdig damit drohen, ein Mandat abzulehnen, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht stimmt. In Märkten mit wenigen Börsengängen – etwa Frankreich – fehlt diese Verhandlungsmacht.

Musk demontiert das US-Preismodell für Börsengänge also nicht. Er bestätigt vielmehr eine längst bekannte Regel: Wer einen Börsengang im Ausmaß von SpaceX stemmt, dreht den Spieß um – und die Banken werden zu Preisnehmern. Für fast alle anderen Emittenten gilt das alte Gleichgewicht mehr denn je.

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