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SpaceX-Börsengang: Kein Gradmesser für den IPO-Markt

Der rekordverdächtige SpaceX-IPO begeistert die Wall Street, doch Experten warnen: Das Mega-Listing ist kein Zeichen für eine breite Markterholung.

SpaceX-Börsengang: Kein Gradmesser für den IPO-Markt

Der erwartete Börsengang von SpaceX könnte jeden bisherigen IPO in den Schatten stellen – mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar und einem Emissionsvolumen von mehr als 75 Milliarden US-Dollar. Eine Reuters-Analyse von Dealogic-Daten zeigt: Ein solches Listing würde die gesamten US-IPO-Erlöse auf den höchsten Stand seit 2021 treiben. Doch mehr als ein halbes Dutzend Analysten und Branchenexperten warnen davor, dieses Ereignis als Signal für eine breitere Erholung am IPO-Markt zu interpretieren.

„SpaceX ist so groß und außergewöhnlich bewertet, dass es sich nicht als normaler Testfall für den IPO-Markt eignet", sagte Lukas Muehlbauer, Research Associate bei IPOX, gegenüber Reuters. Das Unternehmen habe schlicht zu wenig mit einem typischen Börsenkandidaten gemeinsam, um als Maßstab zu dienen. Stattdessen konzentriere sich der Appetit der Anleger weiterhin auf Unternehmen mit starken Themen wie Industrie, KI-Infrastruktur, Verteidigung, Energie und Teile der Biotechnologie.

Liquiditätsentzug und Verdrängungseffekte

Ein Börsengang dieser Größenordnung birgt auch Risiken für andere IPO-Kandidaten. Branchenexperten und Analysten erklärten gegenüber Reuters, dass ein Geschäft dieser Dimension dem Markt Liquidität und Anlegernachfrage entziehen und andere Anwärter an den Seitenrand drängen könnte. IPO-Banker erwarten, dass Investoren angesichts des Drucks, an diesem wegweisenden Deal teilzunehmen, stark gebunden sein werden.

Ein europäischer Investmentbanker für Eigenkapitalmärkte bestätigte diese Einschätzung. Während kleinere europäische Transaktionen weitgehend unbeeinflusst bleiben dürften, sei bei größeren Börsengängen aufgrund ihrer Abhängigkeit von großen US-Investoren mit Störungen zu rechnen, so ein zweiter Banker. Die Reaktion einiger Marktteilnehmer war bereits spürbar: „Das allgemeine Narrativ war, dass einige Unternehmen ihre IPO-Pläne beschleunigt haben, um SpaceX zuvorzukommen", sagte Muehlbauer von IPOX. In den letzten Wochen sind denn auch mehrere Unternehmen an den Markt gegangen, darunter der KI-Chiphersteller Cerebras und die Investmentbank Lincoln International.

FOMO statt Fundamentaldaten

Für viele Privatanleger entwickelt sich der SpaceX-Deal zum ultimativen „FOMO-Trade" – ein Begriff aus dem Englischen für die Angst, etwas zu verpassen. „Menschen neigen zum Herdentrieb, und wenn sie hören, wie monumental dies sein könnte, wollen sie nichts verpassen", sagte Brian Jacobsen, Chef-Wirtschaftsstratege bei Annex Wealth Management. Der Hype werde dabei ebenso sehr von Elon Musks kultähnlicher Anhängerschaft und dem Seltenheitswert des Listings angetrieben wie von traditionellen Bewertungskennzahlen.

Im Gegensatz zu einem klassischen Börsengang, der auf vorhersehbaren Cashflows, vergleichbaren Bewertungen und maßvollen Wachstumsprognosen basiert, wird SpaceX über Skalierbarkeit, Knappheit und eine futuristische Vision vermarktet. Der am Mittwoch eingereichte IPO-Prospekt des Unternehmens enthüllte, dass der Großteil des Umsatzes von 18,67 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr aus dem Satelliten-Internetgeschäft Starlink stammte – während das KI-Geschäft weiterhin Verluste schreibt.

Reuters berichtete im März unter Berufung auf eine Quelle, dass Elon Musk die Zuteilung von bis zu 30 Prozent des SpaceX-Börsengangs an Privatanleger diskutiere – mindestens das Dreifache der typischen Zuteilung für Kleinanleger. Damit setzt er auf seine leidenschaftliche Fangemeinde und loyale Unterstützer, um die Aktie nach ihrem Debüt zu stützen. Für deutsche Privatanleger, die an einem möglichen SpaceX-IPO interessiert sind, bleibt die zentrale Botschaft der Experten klar: Das Listing ist ein einmaliges Spektakel – aber kein Beweis dafür, dass der IPO-Markt insgesamt wieder Fahrt aufnimmt.

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