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SpaceX-Börsengang: Fünf große Versprechen im Realitätscheck

Elon Musk plant den größten Börsengang aller Zeiten – mit einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar und gewaltigen Ambitionen.

SpaceX-Börsengang: Fünf große Versprechen im Realitätscheck

SpaceX soll am Freitag an die Börse gehen – mit einer geplanten Bewertung von 1,77 Billionen Dollar. Das wäre der größte Börsengang der Geschichte. Doch schon ein erster Blick auf die Zahlen lässt aufhorchen: Bei einem Jahresumsatz von 18,67 Milliarden Dollar entspräche die Bewertung dem 94-fachen des Umsatzes. Gleichzeitig schreibt SpaceX rote Zahlen – zuletzt fast fünf Milliarden Dollar Verlust.

Im Börsenprospekt klingt das alles nach Science-Fiction: Die Mission des Unternehmens sei es, das Leben „multiplanetarisch" zu machen und „das Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu erweitern". Die Menschheit werde letztlich die gesamte Energie der Sonne nutzen – angetrieben von einer „wahrheitssuchenden künstlichen Intelligenz". Den adressierbaren Gesamtmarkt beziffert SpaceX auf 28,5 Billionen Dollar.

Dass solche Versprechen dennoch verfangen, liegt an Musks bisheriger Erfolgsbilanz. SpaceX hat die Raumfahrtbranche revolutioniert, Startkosten radikal gesenkt und die Konkurrenz weit hinter sich gelassen. Doch wie realistisch sind die fünf zentralen Wachstumsversprechen, mit denen Musk Anleger überzeugen will?

Raketengeschäft: Marktführer ohne Gewinn

SpaceX dominiert den globalen Raketenmarkt mit beeindruckenden Zahlen: 85 Prozent aller Satelliten und Sonden starteten 2025 mit einer Falcon-9- oder Falcon-Heavy-Rakete ins All. Die Wiederverwendbarkeit der Booster – manche flogen bereits zehn- bis zwanzigmal – macht günstige Startpreise möglich. Trotzdem schreibt die Sparte Verluste: 4,1 Milliarden Dollar Umsatz standen 2025 einem Verlust von 657 Millionen Dollar gegenüber.

Der Grund: SpaceX nutzt den Großteil seiner eigenen Starts für den Aufbau des Starlink-Satellitennetzes. Kurzfristig dürfte das Raketengeschäft also kaum profitabler werden. Zudem wächst weltweit die Konkurrenz – auch in Deutschland entwickeln Start-ups eigene Trägerraketen.

Starlink: Das Herzstück des Geschäftsmodells

Das Satelliteninternet Starlink ist der wichtigste Umsatztreiber von SpaceX und inzwischen 11,4 Milliarden Dollar schwer. Seit Frühjahr 2025 hat sich die Nutzerzahl auf 10,3 Millionen verdoppelt. Das Netz aus mehr als 10.000 Satelliten bringt schnelles Internet in entlegene Regionen weltweit – von der Front in der Ukraine bis zum Weißen Haus.

Allerdings gibt es Grenzen: Die Umsätze pro Nutzer sanken im vergangenen Jahr von 86 auf 66 Dollar monatlich. Zudem ist die Kapazität begrenzt – zehn bis zwanzig Satelliten versorgen derzeit ein Gebiet von der Größe Deutschlands, was etwa drei Nutzer pro Quadratkilometer erlaubt. Satellitenexperte Tim Farrer von TMF Associates sieht Starlink dennoch als „ernst zu nehmende Konkurrenz für Festnetzanschlüsse". Die Analysten von Morningstar sehen sogar Potenzial für zweistelliges Milliarden-Umsatzwachstum pro Jahr – fast zwei Milliarden Menschen in dünn besiedelten Regionen gelten als potenzielle Kunden.

In dicht besiedelten Städten hingegen stößt Starlink an technische Grenzen. Glasfaser ist dort meist schneller und günstiger. Auch das neue Direct-to-Device-Angebot, das Smartphones direkt per Satellit versorgen soll, überzeugt Experten nicht vollständig: Das Signal aus Hunderten Kilometern Höhe ist deutlich schwächer als das eines Mobilfunkturms, und in Gebäuden funktioniert es kaum. Die Raumfahrtberatung Novaspace erwartet für dieses Segment bis 2034 weltweit lediglich elf Milliarden Dollar Umsatz – der deutsche Mobilfunkmarkt allein ist etwa zweieinhalbmal so groß.

xAI und KI-Rechenzentren im Weltall: Visionär oder unrealistisch?

Musk denkt noch größer: Millionen von KI-Rechenzentren sollen künftig die Erde umkreisen und mit Solarstrom betrieben werden. 100 Gigawatt Rechenleistung pro Jahr will SpaceX in den Orbit bringen – fast so viel wie derzeit weltweit installiert sind. Dafür hat SpaceX Musks KI-Unternehmen xAI übernommen und plant in Texas eine Halbleiterfabrik namens Terafab für bis zu 119 Milliarden Dollar.

Experten sehen erhebliche technische Hürden: Chips im Weltall sind zerstörerischer Strahlung ausgesetzt, erzeugen enorme Hitze und benötigen massive Kühlradiatoren – alles Masse, die teure Raketentransporte erfordert. Zum Vergleich: 2025 transportierten Raketen weltweit rund 2.700 Tonnen ins All. Musks Plan würde eine Million Tonnen pro Jahr erfordern – das 370-Fache. Hinzu kommt: xAI ist derzeit gegenüber Wettbewerbern wie Google, Anthropic und OpenAI deutlich im Rückstand. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 3,2 Milliarden Dollar Umsatz standen 2024 einem Verlust von 6,35 Milliarden Dollar gegenüber.

Starship: Die Schlüsselrakete mit Verzögerungen

Das Starship ist mit 124 Metern die größte Rakete aller Zeiten und soll alles verändern. 100 Tonnen Nutzlast, vollständige Wiederverwendbarkeit, Transportkosten von nur noch Hunderten statt Tausenden Dollar pro Kilogramm – so lautet das Versprechen. 15 Milliarden Dollar hat SpaceX bereits in die Entwicklung investiert.

Doch der Weg ist steinig: Beim zwölften Testflug Ende Mai fiel ein Triebwerk aus, der Booster schlug unkontrolliert im Indischen Ozean auf. Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnete eine Untersuchung an, bevor das Starship wieder fliegen darf. SpaceX rechnet mit nur geringer Verzögerung und will in der zweiten Jahreshälfte die ersten großen Starlink-Satelliten der dritten Generation transportieren.

Staatsaufträge und Mondlandung: Lukrativ, aber im Verzug

Ein oft unterschätzter Faktor in Musks Geschäftsmodell sind Staatsaufträge. Die US Space Force bestellte kürzlich Satelliten für mehr als sechs Milliarden Dollar, der Militärgeheimdienst NRO orderte für 1,8 Milliarden Dollar Spionagesatelliten. Die NASA beauftragte SpaceX bereits 2021 mit dem Bau einer Mondlandefähre für 2,9 Milliarden Dollar.

Doch das ambitionierte Mondprogramm Artemis liegt laut dem Generalinspekteur der NASA zwei Jahre in Verzug – eine Mondlandung kommt nun frühestens 2028 infrage. Das Vorhaben ist technisch extrem komplex: Das Starship muss im Erdorbit betankt werden – ein Manöver, das bislang noch nie getestet wurde. Immerhin: Einziger Konkurrent Blue Origin erlitt Ende Mai einen schweren Rückschlag, als dessen Rakete New Glenn bei einem Test explodierte und die Startrampe schwer beschädigte.

Fazit: Eine Wette auf die Zukunft

Die Gesamtbewertung fällt bei Experten zurückhaltend aus. „Die Investoren von SpaceX gehen eine Wette auf die Zukunft ein", sagt Alexandre Najjar, Manager beim Marktforscher Novaspace. „Die Bewertung stützt sich größtenteils auf noch nicht realisiertes Potenzial." Die Analysten von Morningstar bewerten SpaceX mit 780 Milliarden Dollar – weniger als die Hälfte des angestrebten Börsenwertes.

Privatanleger sollten zudem Musks Erfolgsbilanz bei großen Versprechen kritisch hinterfragen: Vom vollautonomen Tesla-Fahren bis zur Mars-Siedlung – 2016 kündigte Musk an, 2025 die ersten Menschen auf dem Mars abzusetzen. Zuletzt begrub er dieses Projekt zugunsten der Mondlandung. Beim SpaceX-Börsengang gilt: Die Technologie ist real und beeindruckend – doch die Bewertung setzt voraus, dass nahezu alles gelingt.

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