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S&P stuft ASX nach Governance-Mängeln auf A+ herab

Zwei Wochen nach regulatorischer Kritik senkt S&P Global das Rating der Australian Securities Exchange wegen schwacher Governance und Risikomanagement.

S&P stuft ASX nach Governance-Mängeln auf A+ herab

S&P Global Ratings hat das Emittentenausfallrating der Australian Securities Exchange (ASX) von „AA-/A-1+" auf „A+/A-1" herabgestuft. Die Entscheidung fiel am Donnerstag, nur zwei Wochen nachdem die australische Aufsichtsbehörde ASIC erhebliche Mängel in der Unternehmensführung und im Risikomanagement des Börsenbetreibers festgestellt hatte. Auch das langfristige Emissionsrating für Verbindlichkeiten der ASX wurde von „AA-" auf „A+" gesenkt.

Die Herabstufung ist kein isoliertes Ereignis, sondern der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Serie von Rückschlägen. Die ASX hat in den vergangenen Jahren mit mehreren Handelsausfällen, dem gescheiterten CHESS-Ersatzprogramm sowie einem Zusammenbruch der Abwicklungssysteme im Jahr 2024 auf sich aufmerksam gemacht. Diese Vorfälle haben das Vertrauen der Aufsichtsbehörden in die Verlässlichkeit der kritischen Marktinfrastruktur erheblich erschüttert.

Regulatorische Kritik trifft Unternehmenskultur

Die Australian Securities and Investments Commission (ASIC) hatte bereits zuvor gewarnt, dass die ASX den Aktionärsrenditen auf Kosten der Wartung und Modernisierung ihrer kritischen Systeme eine unangemessene Priorität einräume. Nach einer zehnmonatigen Untersuchung stellte die ASIC in ihrem Anfang April veröffentlichten Abschlussbericht fest, dass die ASX eher kurzfristige „taktische Lösungen" zur Problembehebung gewählt habe, anstatt die eigentlichen Ursachen ihrer Probleme – vor allem im technologischen Bereich – grundlegend anzugehen.

S&P schloss sich dieser Einschätzung an und kritisierte eine Unternehmenskultur, die nach Ansicht der Aufsicht kurzfristige Renditen über die Integrität kritischer Marktsysteme stellt. Die Ratingagentur warnte zudem vor einer weiteren Herabstufung, sollte sich die Einschätzung der Risikokontrollen und -praktiken der ASX – insbesondere im Risikomanagement der Clearingstelle und den damit verbundenen finanziellen Absicherungen – in den nächsten zwei Jahren verschlechtern.

Ausblick von negativ auf stabil revidiert

Trotz der Herabstufung revidierte S&P den Ausblick für die ASX von „negativ" auf „stabil". Die Begründung: Das Unternehmen werde seine dominante Marktposition in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich beibehalten und bleibe ein integraler Bestandteil der australischen Finanzmarktinfrastruktur. Eine Heraufstufung hält S&P jedoch innerhalb der nächsten zwei Jahre für unwahrscheinlich – der wahrscheinlichste Weg dorthin sei der erfolgreiche Abschluss des laufenden Programms zur Verbesserung von Governance und Risikomanagement.

Die ASX selbst reagierte auf die Herabstufung mit einem klaren Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit der Aufsicht. Das Unternehmen erklärte, es sei „bestrebt, die Zwischen- und Abschlussberichte der ASIC-Untersuchung durch die Umsetzung unseres Verpflichtungsplans (Commitments Plan) zu adressieren".

An der Börse zeigten sich Anleger wenig beunruhigt: Die Aktien der ASX stiegen im frühen Handel um bis zu 1,3 Prozent und übertrafen damit den breiteren australischen Leitindex S&P/ASX 200, der lediglich um 0,2 Prozent zulegte. Für deutsche Anleger, die in australische Finanzwerte investiert sind, bleibt die Entwicklung der ASX dennoch ein wichtiges Beobachtungsfeld – schließlich ist die Börse das Rückgrat des australischen Kapitalmarkts und ihre Stabilität von systemischer Bedeutung.

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