S&P 500: Yardeni hebt Ziel auf 8.250 Punkte an
Yardeni Research sieht den S&P 500 bei 8.250 Punkten – warnt aber gleichzeitig vor einem möglichen „Meltdown" nach der Rallye.

Yardeni Research, das Analysehaus des erfahrenen Marktstrategen Ed Yardeni, hat sein Jahresendziel für den S&P 500 von 7.700 auf 8.250 Punkte angehoben. Damit steht Yardeni an der Spitze der Schätzungen an der Wall Street und impliziert ein zweistelliges Aufwärtspotenzial – zusätzlich zu den bereits erzielten Kursgewinnen seit Jahresbeginn. Der S&P 500 ist seit Ende März bereits um mehr als 16% gestiegen, der technologielastige Nasdaq Composite legte im gleichen Zeitraum sogar rund 26% zu.
Die Begründung für die Zielanhebung ist jedoch zweischneidig: Yardeni und sein Team sprechen von einem „gewinngetriebenen Melt-up" – einem schnellen, nicht nachhaltigen Kursanstieg, der teilweise von euphorischen Anlegern getrieben wird. Ein solcher „Melt-up" kann die Grundlage für extreme Gegenbewegungen legen, also einen sogenannten „Meltdown". Sollte der S&P 500 das neue Ziel tatsächlich erreichen, hätte der Index im Jahr 2026 Gewinne von mehr als 20% verzeichnet – in einem Umfeld geprägt von geopolitischen Spannungen, einem globalen Energieversorgungsschock und einer ungewissen Geldpolitik.
Starke Unternehmensgewinne als Treiber
Die Grundlage für den Optimismus liefern die Unternehmensgewinne. Bis Freitag hatten laut dem Datenanbieter FactSet fast 90% der S&P-500-Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgelegt. Dabei übertrafen mehr als 80% der Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten, und die tatsächlichen Zahlen lagen insgesamt rund 18% über den Prognosen. Die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) lagen zuletzt bei etwa 336,49 US-Dollar für 2026 und 386,70 US-Dollar für 2027.
Yardeni hat seine eigenen EPS-Schätzungen daraufhin auf 330 US-Dollar für 2026 und 375 US-Dollar für 2027 angehoben – und dabei seine Bewertungsannahmen unverändert gelassen. „Wir waren optimistisch in Bezug auf die Gewinne, aber nicht so optimistisch wie der jüngste Konsens der Branchenanalysten. Wir haben noch nie erlebt, dass die Konsens-Gewinnerwartungen für das laufende und das kommende Jahr so schnell gestiegen sind wie in den letzten Monaten", schrieben Yardeni und sein Team. „Das Ergebnis war ein gewinngetriebener Melt-up am Aktienmarkt."
Chip-Aktien als Haupttreiber der Rallye
Ein wesentlicher Teil des Marktaufschwungs wird von Halbleiter- und Chip-Aktien getragen. Ben Carlson, Portfoliomanager beim Vermögensberater Ritholtz Wealth Management, beobachtete, dass die Aktien von Intel (INTC), Sandisk (SNDK) und Western Digital (WDC) „steil nach oben gehen". Diese drei Titel sind in den vergangenen zwölf Monaten um Werte zwischen fast 500% und über 4.000% gestiegen – Zahlen, die selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lassen.
„Das fängt definitiv an, sich wie ein Melt-up anzufühlen", schrieb Carlson in seinem Blog „A Wealth of Common Sense". Damit steht er nicht allein: Einige Marktexperten verwenden inzwischen das Wort „verrückt", während andere sich fragen, wann die Musik aufhören könnte zu spielen.
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Zur AktienanalyseYardeni an der Spitze – aber nicht allein
Yardenis neues Ziel von 8.250 Punkten übertrifft die Prognosen anderer großer Häuser. Die Deutsche Bank sah den S&P 500 Ende April bei 8.000 Punkten, Morgan Stanley bei 7.800 Punkten. Alle drei Szenarien implizieren jedoch weiteres Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Für deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder entsprechende ETFs investiert sind, bedeutet die Rallye auf der einen Seite erfreuliche Buchgewinne. Auf der anderen Seite mahnen die Warnzeichen zur Vorsicht: Ein Markt, der sich selbst als „Melt-up" beschreibt, trägt das Risiko einer scharfen Korrektur in sich – besonders in einem geopolitisch und geldpolitisch unsicheren Umfeld. Anleger sollten die Entwicklung der Unternehmensgewinne und die Bewertungsniveaus genau im Blick behalten.


