S&P 500 Gap-up: Was die Börsengeschichte jetzt verrät
Ein seltenes technisches Signal am US-Aktienmarkt sendet widersprüchliche Signale – BTIG-Analyst Krinsky mahnt zur Neutralität.

Die kräftige Eröffnung mit einer Kurslücke nach oben (Gap-up) am Mittwoch an den US-Aktienmärkten hat Aufmerksamkeit erregt. Die Investmentfirma BTIG stuft das Ereignis als technisch selten ein und warnt, dass die nächsten Tage richtungsweisend sein werden. Analyst Jonathan Krinsky identifizierte dabei zwei konkurrierende historische Signale, die in entgegengesetzte Richtungen weisen.
Ein Gap-up entsteht, wenn der Eröffnungskurs eines Handelstages deutlich über dem Schlusskurs des Vortages liegt – ohne dass zwischenzeitlich gehandelt wurde. Solche Kurslücken gelten in der technischen Analyse als bedeutsame Marktsignale, da sie auf eine starke Verschiebung der Angebots- und Nachfragesituation hindeuten. Je größer die Lücke, desto seltener – und potenziell bedeutsamer – das Ereignis.
Das bullishe Signal: Starke historische Renditen
Auf der positiven Seite fand BTIG seit 2003 lediglich fünf Fälle, in denen der S&P 500 ETF SPY ein sogenanntes „echtes Gap" von mindestens 1,5 Prozent verzeichnete. Als „echtes Gap" gilt dabei, wenn das Tagestief mindestens 1,5 Prozent über dem Tageshoch des Vortages liegt – eine besonders strenge Definition. Die historischen Folgerenditen waren in allen fünf Fällen positiv, und zwar über Zeiträume von zwei, vier, acht und zwölf Wochen.
Besonders bemerkenswert: Die Median-Rendite über vier Wochen lag bei 6,09 Prozent, über acht Wochen sogar bei 9,1 Prozent. Vier der fünf historischen Kurslücken sind bis heute nicht geschlossen worden – ein Zeichen dafür, dass der Markt in diesen Fällen nachhaltig höher notierte und nicht in die Lücke zurückfiel.
Das bearishe Signal: Drei Warnbeispiele aus der Vergangenheit
Das gegenläufige Signal ist jedoch ebenso deutlich. Seit 2003 eröffnete der SPY lediglich drei weitere Male über seinem 50-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt, nachdem er am Vortag unter beiden gleitenden Durchschnitten geschlossen hatte. Diese Konstellation trat im Dezember 2007, im Dezember 2015 und im Dezember 2018 auf.
„In diesen drei Zeiträumen kam es in den darauffolgenden Wochen zu unmittelbaren Rückgängen von -13%, -16% und -13%", schrieb Krinsky. Die genannten Zeiträume sind aus historischer Sicht bedeutsam: Ende 2007 markierte den Beginn der Finanzkrise, Ende 2018 war von starken Kursverlusten im Zuge von Zinserhöhungsängsten geprägt. Die Parallelen zur aktuellen Marktlage machen das Signal für Anleger besonders relevant.
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Zur AktienanalyseEntscheidung dürfte schnell fallen
BTIG zufolge wird die Richtungsentscheidung nicht lange auf sich warten lassen. „In den bullishen Szenarien markierte der Markt in den nächsten Tagen höhere Hochs. In den bearishen Fällen war das Hoch im Wesentlichen am Tag der Kurslücke erreicht, woraufhin es zügig abwärts ging", so Krinsky. Anleger sollten die Kursentwicklung der unmittelbar folgenden Handelstage daher genau beobachten.
Krinsky plädiert angesichts der widersprüchlichen Signale für eine neutrale Haltung, bis der Markt seine Richtung klar offenbart. Zusätzlich wies BTIG darauf hin, dass Software- und Business-Development-Unternehmen unabhängig vom eintretenden Szenario weiterhin Anlass zur Sorge geben. Für deutsche Anleger mit Engagements in US-Technologiewerten oder breit gestreuten S&P-500-Produkten bleibt die Lage damit vorerst ungewiss.


