S&P 500 auf Rekordhoch trotz unbefristeter Iran-Seeblockade
Märkte ignorieren Kriegsrisiken: Der S&P 500 klettert auf ein neues Allzeithoch, während die USA die Iran-Blockade unbefristet fortsetzen wollen.

Der S&P 500 hat am Donnerstag ein neues Intraday-Rekordhoch von über 7.800 Punkten markiert und schloss auf einem Rekordstand von 7.798,99 Punkten. Dies geschah, obwohl US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ankündigte, die Seeblockade iranischer Häfen könne „unbefristet" aufrechterhalten werden. Die Wall Street zeigte sich unbeeindruckt und kaufte weiter Aktien.
Hegseth erklärte laut Reuters am Donnerstag vor Journalisten in Panama: „Die United States Navy kann eine solche Blockade unbefristet aufrechterhalten, da wir Schiffe rotieren lassen werden, wie wir es bisher getan haben und auch weiterhin tun werden." Sechs Monate nach Beginn des Iran-Krieges hat Washington offenbar aufgehört, über dessen Ende zu sprechen. Für Händler ist der Konflikt fast wie das Wetter geworden – jeden Morgen wird die Lage geprüft und abgeschätzt, ob Vorsicht geboten ist.
Auch der Nasdaq Composite legte am Donnerstag um 0,81 Prozent auf 26.803,03 Punkte zu. Die Futures zeigten sich am Freitagmorgen kaum verändert, wobei zwei der drei wichtigsten US-Benchmarks auf die dritte Gewinnwoche in Folge zusteuern. Der S&P 500 befindet sich damit auf einem bemerkenswerten Aufwärtstrend, der die geopolitischen Risiken bislang weitgehend ignoriert.
Ölpreise geben nach, erholen sich leicht
Brent-Rohöl zur Lieferung im Oktober war am Donnerstag um mehr als zwei Prozent auf 87,07 US-Dollar pro Barrel gefallen. Am frühen Freitagmorgen im asiatischen Handel notierte es etwas fester. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel über Nacht auf 81,25 US-Dollar, handelte am Freitag ebenfalls geringfügig höher. Die leichten Erholungen folgten auf Hegseths Äußerungen zur Fortführung der Blockade.
Großbritannien zeigt derweil weitere Anzeichen wirtschaftlicher Erholung, steht aber vor erheblichen Herausforderungen. Das britische BIP wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent, nach 0,6 Prozent im ersten Quartal. Damit bleibt das Land auf Kurs, das zweite Quartal in Folge die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der G7 zu sein. Sanjay Raja, Chefökonom für Großbritannien bei der Deutschen Bank, bezeichnete das annualisierte Tempo des ersten Halbjahres von zwei Prozent als „heißgelaufen".
Ob dieses Tempo gehalten werden kann, bleibt fraglich. Der IWF hatte im April gewarnt, dass der Iran-Krieg das britische Wachstum stärker schädigen würde als das jedes anderen reichen Landes. Großbritannien importiert große Mengen an Öl und Gas, und die hohen Preise an den Zapfsäulen belasten bereits die Haushaltseinkommen spürbar.
Südkoreas Kospi kehrt in den Bullenmarkt zurück
Der südkoreanische Kospi trat am Donnerstag in einen technischen Bullenmarkt ein und erholte sich um mehr als 20 Prozent von seinem Tiefstand am 30. Juli. Ein Ausverkauf, der teilweise durch gehebelte Positionen und Zwangsverkäufe getrieben worden war, hatte den Index im vergangenen Monat in Bärenmarkt-Territorium gedrückt. Die Geschwindigkeit der Trendwende unterstreicht die massive Volatilität bei Tech-Aktien und wirft die Frage auf, wie nachhaltig die Rallye ist.
„Koreas Aktienmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt im Grunde gleichbedeutend mit dem Handel von KI-Hardware", sagte Phillip Wool, Forschungsleiter bei Rayliant Global Advisors. Treiber dieser Entwicklung ist unter anderem SK Hynix, der weltweit führende Hersteller von Computer-Speichern mit hoher Bandbreite. Das Unternehmen investiert 720 Milliarden US-Dollar in das nach eigenen Angaben größte Netzwerk von Speicherfabriken der Welt. Die Marktkapitalisierung von SK Hynix ist im vergangenen Jahr um mehr als das Fünffache gestiegen und übersteigt nun eine Billion US-Dollar.
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Zur AktienanalyseKI-Branche: Börsengänge, Abgänge und Open Source
In der KI-Branche dominierten diese Woche Investorentreffen und Führungswechsel die Schlagzeilen. Anthropic-CFO Krishna Rao führt erste Gespräche mit potenziellen Investoren im Vorfeld eines möglichen Börsengangs (IPO). Das Unternehmen hatte im Juni vertraulich Unterlagen für seinen Börsengang eingereicht, nachdem es in einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet worden war. Konkrete Finanzkennzahlen oder Bewertungen waren laut Quellen gegenüber CNBC noch nicht Gegenstand der Gespräche.
OpenAI verlor unterdessen seine Chief Revenue Officer Denise Dresser nach acht Monaten – nur Tage nachdem der langjährige Manager Brad Lightcap seinen Abschied angekündigt hatte. Meta-Chef Mark Zuckerberg stellte das leistungsstärkste Modell seines Unternehmens als Open Source zur Verfügung und argumentierte, dass die Konzentration von KI in wenigen Händen „von Natur aus problematisch" sei – ein klarer Seitenhieb auf OpenAI und Anthropic. Apple-Chef Tim Cook wiederum eröffnete gemeinsam mit Handelsminister Howard Lutnick ein Werk in Houston, das bereits seine ersten KI-Server ausgeliefert hat.


