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Southern Water und Ex-CEO vor Gericht wegen Abwasser-Betrug

Die britische Umweltbehörde klagt das Wasserunternehmen und vier ehemalige Mitarbeiter wegen systematischer Manipulation von Abwasserkontrollen an.

Southern Water und Ex-CEO vor Gericht wegen Abwasser-Betrug

Southern Water und sein ehemaliger Vorstandsvorsitzender Matthew Wright stehen vor einer strafrechtlichen Anklage der britischen Umweltbehörde Environment Agency (EA). Die Behörde wirft dem Ex-CEO und drei weiteren ehemaligen Mitarbeitern vor, einen „sorgfältig geplanten und weitreichenden Betrug" begangen zu haben, um Kontrollen zur Einhaltung der Abwasserreinigung zu umgehen. Es ist das erste Mal in Großbritannien, dass der Chef eines Wasserunternehmens strafrechtlich verfolgt wird.

Die Anklagen beziehen sich auf einen Zeitraum von Januar 2012 bis Dezember 2017. Laut der EA sollen sich die vier Personen verschworen haben, sowohl die Umweltbehörde als auch die britische Wasserregulierungsbehörde Ofwat zu betrügen. Dies geschah demnach durch die gezielte Manipulation des gesetzlich vorgeschriebenen Selbstüberwachungssystems.

Manipulierte Proben und vertuscht Umweltverschmutzung

Das Selbstüberwachungssystem verpflichtet Wasserunternehmen, regelmäßig Proben in ihren Kläranlagen zu entnehmen und die Ergebnisse an die EA zu melden. Laut dem Urteil von Lord Justice Popplewell und Mr Justice Hilliard soll Southern Water „künstliche Null-Durchfluss-Ereignisse in Kläranlagen" herbeigeführt haben. Konkret soll Abwasser per Tankwagen aus den Kläranlagen abtransportiert worden sein, um bei den Messungen Null-Durchfluss-Ergebnisse zu erzielen und so Umweltverschmutzung zu vertuschen.

„Was [ihnen] vorgeworfen wird, umfasst sorgfältig geplanten und weitreichenden Betrug sowie Unredlichkeit auf hoher Ebene innerhalb des Unternehmens und in großem Umfang", schrieben die Richter in ihrem Urteil. Die EA betonte, dass die vorsätzliche Manipulation von Durchflüssen oder Daten zur Umgehung von Compliance-Prüfungen eine Straftat darstellt.

Durch das manipulierte System soll Southern Water Strafen in Höhe von rund 45 Millionen Britischen Pfund vermieden haben. Die eigene Einschätzung der Regulierungsbehörde setzte die vermiedenen Strafen sogar noch höher an. Die Verschwörung zum Betrug ist in Großbritannien mit einer Höchststrafe von zehn Jahren Haft belegt.

Vorgeschichte: Rekordstrafe und frühere Verurteilungen

Southern Water ist kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2021 verhängte ein britisches Gericht eine Rekordstrafe von 90 Millionen Britischen Pfund gegen das Unternehmen. Grund war die illegale Einleitung von 16 bis 21 Milliarden Litern ungeklärtem Abwasser aus 17 verschiedenen Kläranlagen. Bereits 2019 wurden drei ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens separat wegen Behinderung der Datenerhebung durch die Umweltbehörde verurteilt.

Southern Water versorgt mehr als vier Millionen Kunden in den englischen Grafschaften Kent, Sussex und Hampshire. Das Unternehmen wird laut EA separat wegen Verstößen gegen Umweltgenehmigungen im Zusammenhang mit demselben Verhalten angeklagt. Drei weitere Personen werden zudem wegen der Nichteinhaltung von Umweltgenehmigungen angeklagt.

Reaktionen: Bestreitung und Reformversprechen

Stephen Shergold, der Anwalt von Ex-CEO Matthew Wright bei der Kanzlei White & Case, erklärte, sein Mandant „bestreitet jegliches Fehlverhalten und hat vollumfänglich mit der Untersuchung der Umweltbehörde kooperiert". Wright weist die Vorwürfe damit klar zurück.

Southern Water selbst betonte in einer Stellungnahme, dass die Vorwürfe „historische Versäumnisse" beträfen, die 2017 durch eine unternehmensinterne Untersuchung aufgedeckt worden seien. Das Unternehmen habe die Vorfälle daraufhin selbst den Regulierungsbehörden gemeldet. Unter neuer Führung und mit neuen Aktionären habe man „Kultur, Governance und Betriebsabläufe radikal reformiert" und investiere in das bisher größte Umweltschutzprogramm der Unternehmensgeschichte.

Der Fall Southern Water steht exemplarisch für die wachsende öffentliche und regulatorische Kritik an der britischen Wasserwirtschaft. Die Branche steht seit Jahren unter Druck wegen massiver Abwassereinleitungen in Flüsse und Küstengewässer. Die strafrechtliche Verfolgung eines ehemaligen Wasserversorger-CEOs setzt dabei ein deutliches Signal der Behörden.

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