Softwarewechsel bei Konzernen sorgt für Bewegung
SAP verliert Kunden an Oracle und Spryker wegen auslaufender Altsysteme

Der Modehändler Peek&Cloppenburg (P&C) in Düsseldorf hat sich vor knapp zwei Jahren dazu entschieden, die Unternehmenssoftware vollständig auszutauschen. Dieser Schritt erfolgte während der schwersten Krise der Firmengeschichte und im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Der Wechsel betraf die SAP-Handelssoftware, die durch Lösungen des US-Anbieters Oracle ersetzt wurde. Die Wartung der bisherigen SAP-Software „SAP Retail“ läuft im Jahr 2027 aus, weshalb der Wechsel notwendig erschien. Laut Kristian Hertel, Director Global IT bei P&C, war die Entscheidung auch deshalb konsequent, weil im Zuge der Insolvenz internes Wissen verloren ging, das für ein SAP-Projekt erforderlich gewesen wäre.
Ähnlich wie P&C sind auch andere Unternehmen gezwungen, ihre IT-Landschaft zu modernisieren, da die Wartung für mehrere SAP-Altsysteme in den kommenden Jahren ausläuft. Darunter befinden sich die Business Suite sowie die E-Commerce-Software SAP Hybris. Unternehmen stehen somit vor der Wahl, auf die Cloud-Plattform S/4Hana von SAP umzusteigen oder zu einem Wettbewerber zu wechseln. Ein Anbieterwechsel ist heute einfacher, da Softwaresysteme modularer aufgebaut sind. Zudem prüfen Unternehmen, die aufgrund auslaufender Wartungsverträge gezwungen sind, ihre Systeme zu erneuern, zunehmend die Angebote der Konkurrenz.
Der Handelskonzern Hornbach hat seine E-Commerce-Plattform von SAP Hybris auf die Software des Berliner Anbieters Spryker umgestellt. Technologievorstand Andreas Schobert begründete die Entscheidung damit, dass die alte SAP-Software schwer wartbar und teuer geworden sei. Außerdem passte die neue Lösung besser zur Omnichannel-Strategie von Hornbach, die den stationären Handel, den Online-Shop und die Fachhandelsmarke Bodenhaus verknüpft. Die Umstellung auf Spryker wurde schrittweise umgesetzt, beginnend mit einem Pilotprojekt bei Bodenhaus im Jahr 2020. Seit Februar 2023 laufen alle E-Commerce-Kanäle von Hornbach auf der neuen Plattform. Das zentrale SAP-ERP-System für Buchhaltung und Finanzen bleibt jedoch weiterhin im Einsatz.
Der Energieversorger E.On setzt trotz langjähriger Zusammenarbeit mit SAP in bestimmten Bereichen auf Oracle-Software. Im Rahmen des Projekts „Delphi“ wird konzernweit die cloudbasierte Personalsoftware Oracle HCM eingeführt. Diese soll bis Ende 2027 für die 75.000 Mitarbeiter der E.On-Gruppe verfügbar sein. Zuvor nutzte der Konzern für das Personalmanagement die SAP-Software SuccessFactors. Über die Gründe für den Wechsel äußerte sich das Unternehmen nicht im Detail. Verschiedene Softwarelösungen seien anhand festgelegter Kriterien geprüft worden, am Ende habe Oracle das bessere Gesamtpaket geboten.
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Zur AktienanalyseSAP hat auf die Abwanderung einiger Kunden reagiert, indem es die Wartungsfristen für Altsysteme verlängert und seine Cloud-Produkte unter der vertrauten Bezeichnung „SAP Business Suite“ zusammenfasst. Dies soll die Integration der Software und die Kundenbindung verbessern.


