Software-Privatkredite unter Druck: Krise vor der KI-Welle
Schon vor dem KI-bedingten Einbruch zeigten private Softwarekredite deutliche Schwächen – mit einem Fünfjahreshoch bei notleidenden Schulden.

Der Softwaresektor kämpfte bereits mit erheblichen Problemen bei der Bedienung privater Kredite, bevor die sogenannte „SaaS-Pokalypse" die Branche erfasste. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Finanzdienstleisters MSCI, die einen besorgniserregenden Trend im Markt für private Softwareschulden offenbart.
Konkret stieg der Anteil privater Softwareschulden, deren Marktwert unter 80 Prozent des ursprünglichen Nennwerts gefallen war, auf ein Fünfjahreshoch. Den Höchststand erreichte dieser Anteil Ende September des vergangenen Jahres mit 6,1 Prozent. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass Investoren und Kreditgeber bereits zu diesem Zeitpunkt erhebliche Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit vieler Softwareunternehmen hegten.
Was bedeutet der 80-Prozent-Schwellenwert?
Im Bereich der privaten Kreditvergabe – auch bekannt als Private Credit oder Direct Lending – gilt ein Marktwert von unter 80 Prozent des Nennwerts als wichtiges Warnsignal. Schulden, die unter dieser Schwelle gehandelt werden, gelten als „distressed", also notleidend. Für Anleger bedeutet das: Das Ausfallrisiko wird als signifikant eingestuft, und der Markt preist bereits mögliche Verluste ein.
Besonders brisant ist der zeitliche Zusammenhang: Der Höchststand der notleidenden Softwarekredite wurde Ende September verzeichnet – rund fünf Monate bevor die Aktien von Softwareunternehmen massiv unter Druck gerieten. Auslöser des späteren Kurseinbruchs waren Sorgen, dass künstliche Intelligenz die bestehenden Geschäftsmodelle vieler Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS) grundlegend gefährden oder sogar obsolet machen könnte.
Die „SaaS-Pokalypse" als Wendepunkt
Der Begriff „SaaS-Pokalypse" beschreibt die Befürchtung, dass KI-gestützte Anwendungen klassische SaaS-Produkte ersetzen könnten. Viele Softwareunternehmen haben ihr Geschäftsmodell auf wiederkehrenden Abonnementeinnahmen aufgebaut – ein Modell, das als stabil und verlässlich galt. Doch mit dem rasanten Aufstieg von KI-Anwendungen stellt sich die Frage, ob Kunden künftig auf teure Softwarelizenzen verzichten und stattdessen auf KI-basierte Lösungen setzen werden.
Die MSCI-Analyse zeigt nun, dass der Kreditmarkt diese Risiken früher erkannte als der Aktienmarkt. Während Aktieninvestoren noch auf die Wachstumsstory der Softwarebranche setzten, hatten Kreditgeber im privaten Markt bereits begonnen, ihre Bewertungen nach unten anzupassen.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Privatanleger ist dieser Befund aus mehreren Gründen relevant. Erstens ist der Markt für Private Credit in den vergangenen Jahren auch in Europa stark gewachsen und gilt als attraktive Anlageklasse. Zweitens sind viele deutsche institutionelle Investoren – darunter Versicherungen und Pensionskassen – in solche Strukturen investiert. Drittens verdeutlicht der Fall, wie wichtig eine frühzeitige Risikoanalyse im Kreditbereich ist, da Warnsignale dort oft früher sichtbar werden als an den Aktienmärkten.
Die Entwicklung unterstreicht, dass der boomende Markt für private Unternehmenskredite nicht immun gegen Sektorrisiken ist. Gerade im Technologiebereich, wo Geschäftsmodelle einem raschen Wandel unterliegen, können sich Kreditrisiken schnell aufbauen – wie die aktuellen Zahlen aus der MSCI-Analyse eindrücklich belegen.


