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SK Hynix debütiert an der Nasdaq – Endet der Korea-Abschlag?

Der südkoreanische Chip-Riese SK Hynix startet an der Nasdaq und könnte damit seinen langjährigen Bewertungsabschlag gegenüber US-Konkurrenten überwinden.

SK Hynix debütiert an der Nasdaq – Endet der Korea-Abschlag?

SK Hynix, einer der weltgrößten Hersteller von Speicherchips, gibt am Freitag sein Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq. Die Notierung erfolgt über sogenannte American Depositary Receipts (ADRs) – ein gängiges Instrument, das ausländischen Unternehmen den Zugang zum US-Kapitalmarkt ermöglicht, ohne eine vollständige US-Börsennotierung durchführen zu müssen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob SK Hynix seinen langjährigen „Korea-Abschlag" endlich abschütteln kann.

Der Bewertungsunterschied ist erheblich: Laut Daten von LSEG wird SK Hynix derzeit lediglich mit dem 4,8-fachen des erwarteten Gewinns der nächsten zwölf Monate gehandelt. Der US-Rivale Micron Technology kommt auf das 6,6-fache, der Branchendurchschnitt liegt sogar bei 29,84. Dies ist besonders bemerkenswert, da SK Hynix als führender Anbieter im schnell wachsenden Markt für High-Bandwidth Memory (HBM) gilt – dem Schlüsselbaustein für KI-Beschleuniger.

Zugang und Bekanntheit als Hauptursachen

Zavier Wong, Marktanalyst bei der Multi-Asset-Handelsplattform eToro, sieht die Ursachen klar: Die Divergenz beim Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen Micron und SK Hynix sei vor allem auf „Zugang" und „Bekanntheit" zurückzuführen. Die begrenzte Erreichbarkeit für US-Fonds habe die Bewertung von SK Hynix über Jahre hinweg niedrig gehalten – ungeachtet der stärkeren Position bei KI-Speichern. Peter Kim, globaler Investmentstratege bei der KB Financial Group, betonte ebenfalls, dass das Listing den Zugang für ausländische Investoren verbessern sollte, die in der Vergangenheit beim Kauf koreanischer Aktien vor erheblichen Hürden standen.

Trotz des Bewertungsabschlags zeigt die Kursentwicklung beider Unternehmen, wie stark der KI-Boom den Speicherchip-Sektor beflügelt hat. Die Aktien von Micron sind in diesem Jahr um fast 250 Prozent gestiegen, SK Hynix legte laut LSEG um 240 Prozent zu – ein beeindruckendes Wachstum, das die enorme Nachfrage nach KI-Infrastruktur widerspiegelt.

Die Nasdaq stellt an gelistete Unternehmen hohe Anforderungen: Neben finanziellen und liquiditätsbezogenen Schwellenwerten – darunter Marktwert, Streubesitz, Aktionärszahl und Aktienkursanforderungen – müssen börsennotierte Unternehmen auch Corporate-Governance-Standards erfüllen. Diese umfassen Bereiche wie Prüfungsausschüsse, die Unabhängigkeit der Direktoren sowie Stimmrechte der Aktionäre. Für SK Hynix bedeutet dies eine stärkere Transparenz und Rechenschaftspflicht gegenüber internationalen Investoren.

Milliarden-Investitionen in die Chipproduktion

Ji Cheong, Associate Director bei S&P Global Ratings, erklärte, dass der Börsengang die wachsenden Investitionsausgaben von SK Hynix teilweise unterstützen werde. Für die nächsten zwei Jahre werden jährliche Kapitalausgaben (Capex) von 50 bis 70 Billionen Won prognostiziert. Der Großteil werde jedoch aus dem internen Cashflow finanziert. Wong erwartet dennoch, dass das Listing die Fähigkeit von SK Hynix zur Finanzierung der Expansion stärken und den Weg für weitere US-Initiativen ebnen könnte – darunter Aktienrückkäufe, stärkerer Investorendialog und eine breitere Expansion auf dem amerikanischen Markt.

Ein zentrales Thema für Investoren bleibt die Frage, ob SK Hynix seine Führungsposition im HBM-Markt behaupten kann. Philip Wool, Lead Portfolio Manager bei Rayliant, beschrieb SK Hynix als „gewissermaßen ein Opfer des eigenen Erfolgs": Die explosive Nachfrage nach HBM habe die Lieferkapazitäten des Unternehmens bei weitem überstiegen. Dies schuf eine Gelegenheit für Samsung Electronics und Micron, Investitionen in Konkurrenzprodukte zu beschleunigen und gleichzeitig eigene Lieferverträge mit Hyperscalern zu sichern, die ihre KI-Chip-Lieferketten diversifizieren wollen.

Marktanteil unter Druck, Kapazität bleibt die eigentliche Herausforderung

Analyst Bulk von der Futurum Group erwartet, dass SK Hynix der führende HBM-Anbieter bleiben wird – allerdings mit sinkendem Marktanteil. Von rund 57 Prozent im vergangenen Jahr dürfte dieser auf etwa 50 Prozent in diesem Jahr fallen und langfristig in den niedrigen 40-Prozent-Bereich sinken, während Samsung aufholt und Micron sich als dritter Hauptakteur etabliert.

Die eigentliche Herausforderung sei jedoch nicht der Marktanteil, sondern die Kapazität. „Die eigentliche Debatte dreht sich weniger um Anteile als vielmehr darum, wer die Kapazitäten bereitstellen kann, um die Nachfrage zu decken", so Bulk. Er fügte hinzu, dass selbst die angekündigten Fabrikerweiterungen nicht ausreichten, um den erwarteten Bedarf bis zum Ende des Jahrzehnts zu decken. Für deutsche Privatanleger, die den KI-Infrastrukturtrend im Blick haben, dürfte das Nasdaq-Debüt von SK Hynix damit ein wichtiger Meilenstein sein – sowohl für die Zugänglichkeit der Aktie als auch für die Bewertungsdiskussion im globalen Halbleitersektor.

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