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Sinopec kauft mehr russisches Öl als Ersatz für Nahost-Lieferungen

Chinas größter Raffineriebetreiber weitet ESPO-Käufe aus dem russischen Fernen Osten deutlich aus.

Sinopec kauft mehr russisches Öl als Ersatz für Nahost-Lieferungen

Chinas staatlicher Ölkonzern Sinopec Corp, der weltweit größte Raffineriebetreiber, hat seine Käufe von russischem Öl massiv ausgeweitet. Grund dafür sind gesunkene Liefermengen aus dem Nahen Osten infolge des Iran-Krieges. Das geht aus mehreren Handelsquellen sowie Schiffsverfolgungsdaten hervor.

Konkret hat Sinopec für Lieferungen von Juli bis September insgesamt 30 bis 40 Schiffsladungen der russischen Ölmischung Eastern Siberia-Pacific Ocean (ESPO) gekauft. Das entspricht rund 241.000 bis 320.000 Barrel pro Tag (bpd) – oder 5 bis 6 Prozent der gesamten Verarbeitungskapazität des Konzerns von 5,2 Millionen bpd. Die Quellen sprachen unter der Bedingung der Anonymität.

Russisches ESPO-Öl ist günstiger als Konkurrenzprodukte aus Brasilien oder Westafrika. Diese Kostenvorteile haben Sinopec geholfen, einen relativ stabilen Raffineriedurchsatz aufrechtzuerhalten und überschüssige Kraftstoffmengen mit starken Exportmargen abzusetzen. Ein offizieller Sprecher von Sinopec erklärte lediglich, das Unternehmen äußere sich nicht öffentlich zu operativen Angelegenheiten.

Chinas Rohölimporte unter Druck

China hat seine Rohölimporte seit Beginn des Iran-Krieges drastisch reduziert. Im Juni brachen die Käufe um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau ein – ein dramatischer Rückgang für den weltweit größten Rohölabnehmer. Gleichzeitig hatte China seit März Exportbeschränkungen für Kraftstoffprodukte eingeführt, um die heimische Versorgung zu sichern. Für Juli und August wurden diese Beschränkungen jedoch wieder gelockert.

Emma Li, leitende China-Analystin beim Schiffsverfolger Vortexa Analytics, kommentierte die Entwicklung gegenüber Reuters: „Die Rohölnachfrage von Sinopec scheint nach der Lockerung der Exportbeschränkungen für Kraftstoffe die Talsohle durchschritten zu haben, aber die Erholung bleibt selektiv."

Li beschreibt dabei eine klare strategische Verschiebung in der chinesischen Einkaufspolitik: „Anstatt eines breit angelegten Importwachstums verlagert sich die Nachfrage hin zu Barrel-Mengen mit größerer Lieferzuverlässigkeit und geringeren Frachtkosten – primär Onshore-Lagerbestände und russische Kurzstreckenladungen aus dem Fernen Osten."

ESPO-Lieferungen im Fokus

Im Juli sicherte sich Sinopec laut Lis Sendungsverfolgungsdaten rund 7,4 Millionen Barrel ESPO-Öl. Diese Mengen wurden größtenteils im Hafen von Rizhao angeliefert – einem wichtigen Raffineriezentrum in der chinesischen Provinz Shandong. Für August und September hat Sinopec jeweils mindestens zehn Ladungen ESPO gekauft, wie Li und vier Händler bestätigten, die den ESPO-Handel eng verfolgen.

ESPO-Öl wird üblicherweise in sogenannten Aframax-Schiffen transportiert – mittelgroßen Tankern, die besonders für den Kurzstreckenhandel im asiatisch-pazifischen Raum geeignet sind. Die kurzen Transportwege vom russischen Fernen Osten nach China machen diese Lieferungen besonders kosteneffizient.

Die Entwicklung zeigt, wie Chinas Energiewirtschaft flexibel auf geopolitische Störungen reagiert. Während westliche Sanktionen gegen Russland den Absatz russischen Öls in Europa weitgehend blockieren, profitiert China von günstigen Preisen und kurzen Lieferwegen – und festigt damit seine Rolle als wichtigster Abnehmer russischer Energieträger.

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