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Singapurs einzigartige Geldpolitik: Wechselkurs statt Zinsen

Die Monetary Authority of Singapore strafft überraschend ihre Geldpolitik – mit einem Instrument, das weltweit einzigartig ist.

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Singapurs einzigartige Geldpolitik: Wechselkurs statt Zinsen

Singapurs Zentralbank, die Monetary Authority of Singapore (MAS), hat überraschend ihre geldpolitischen Einstellungen gestrafft. Als Begründung nennt die Behörde einen erwarteten Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten. Der Schritt verdeutlicht, wie ungewöhnlich der geldpolitische Ansatz des Stadtstaates im globalen Vergleich ist.

Anders als die meisten Zentralbanken weltweit – darunter die Europäische Zentralbank oder die US-amerikanische Federal Reserve – setzt die MAS nicht auf Zinsanpassungen als primäres Steuerungsinstrument. Stattdessen steuert sie den Wechselkurs des Singapur-Dollars gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner des Landes.

Warum Singapur auf den Wechselkurs setzt

Der Grund für diesen ungewöhnlichen Ansatz liegt in der Struktur der singapurischen Volkswirtschaft. Singapur ist eine kleine, extrem offene und vom Handel abhängige Wirtschaft: Die Bruttoexporte und -importe von Waren und Dienstleistungen belaufen sich auf mehr als das Dreifache des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Fast 40 Cent jedes im Inland ausgegebenen Singapur-Dollars entfallen auf Importe.

Unter diesen Bedingungen hat der Wechselkurs einen wesentlich größeren Einfluss auf die Inflation als inländische Zinssätze. Eine Aufwertung des Singapur-Dollars gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner senkt beispielsweise die Preise für importierte Waren und Dienstleistungen – und damit direkt die Kosten für Haushalte. Für eine Volkswirtschaft, die so stark vom Außenhandel abhängt, ist dieses Instrument daher deutlich wirksamer als klassische Zinssteuerung.

Das zentrale Steuerungsinstrument ist der sogenannte S$NEER – der nominale effektive Wechselkurs des Singapur-Dollars. Dabei handelt es sich um einen handelsgewichteten Index, der den Wert des Singapur-Dollars gegenüber den Währungen seiner wichtigsten Handelspartner abbildet. Die MAS erklärt, dass dies dem Singapur-Dollar ermögliche, sich kollektiv im Verhältnis zu seinen wichtigsten Handelspartnern zu entwickeln – entscheidend für das allgemeine Preisniveau im Land.

Das S$NEER-Politikband: Drei Hebel für die Währungssteuerung

Die MAS legt keinen fixen Wechselkurs fest, sondern definiert ein sogenanntes Politikband, innerhalb dessen sich der S$NEER bewegen darf. Die genauen Niveaus dieses Bandes werden nicht öffentlich bekannt gegeben. Verlässt der Wechselkurs dieses Band, greift die MAS durch den Kauf oder Verkauf von Singapur-Dollar aktiv ein.

Das Politikband verfügt über drei Parameter, die die Zentralbank anpassen kann:

Steigung (Slope):

Beeinflusst das Tempo, mit dem der Singapur-Dollar auf- oder abwertet. -

Niveau (Level):

Eine Anpassung des Mittelpunkts ermöglicht eine sofortige Auf- oder Abwertung des S$NEER – geeignet für drastische Situationen wie eine Rezession. -

Breite (Width):

Eine Ausweitung des Bandes lässt eine höhere Volatilität des S$NEER zu.

Bis 2024 überprüfte die MAS diese Parameter mindestens zweimal jährlich, üblicherweise im April und Oktober. Außerplanmäßige Anpassungen sind jedoch möglich, wenn die wirtschaftliche Lage es erfordert – so geschehen im Jahr 2022, als hohe Inflation zwei zusätzliche Eingriffe auslöste. Ab 2024 wechselte die MAS zu einem vierteljährlichen Rhythmus für geldpolitische Ankündigungen. Die Begründung: Entscheidungsträger können so ihre Einschätzung der Wirtschaftsaussichten zeitnaher kommunizieren.

Für deutsche Anleger und Beobachter bietet das singapurische Modell einen interessanten Kontrast zur europäischen Geldpolitik. Während die EZB primär über den Leitzins agiert, zeigt Singapur, dass für kleine, offene Volkswirtschaften der Wechselkurs das wirkungsvollere Instrument sein kann. Die aktuelle Straffung der MAS-Politik signalisiert, dass die Währungsbehörde die Inflationsrisiken ernst nimmt und bereit ist, den Singapur-Dollar gezielt zu stärken, um importierte Preissteigerungen zu dämpfen.

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