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Singapurs BIP wächst überraschend stark – Inflation unter Erwartungen

Singapurs Wirtschaft übertrifft im ersten Quartal 2026 alle Prognosen – doch Abwärtsrisiken durch Handelszölle und Nahostkonflikt bleiben erheblich.

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Singapurs BIP wächst überraschend stark – Inflation unter Erwartungen

Singapurs Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 ein überraschend starkes Wachstum erzielt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Jahresvergleich um 6,0 Prozent – deutlich mehr als die vorläufige Schätzung von 4,6 Prozent und die Erwartungen der Analysten. Auf Quartalsbasis legte die Wirtschaft um 1,0 Prozent zu, nachdem zuvor sogar ein Rückgang von 0,3 Prozent befürchtet worden war.

Als Wachstumstreiber identifizierte das Handelsministerium vor allem den Großhandel, das verarbeitende Gewerbe sowie den Finanz- und Versicherungssektor. Eine zentrale Rolle spielte dabei die starke Nachfrage nach KI-Technologien. Besonders eindrucksvoll: Die Exporte von Nicht-Öl-Waren stiegen im ersten Quartal um 9,6 Prozent, während das Elektroniksegment sogar ein Plus von 57,8 Prozent verzeichnete.

Infolge der starken Exportdynamik hob die Behörde Enterprise Singapore ihre Exportprognose für das Gesamtjahr an. Die neue Spanne liegt bei 3,0 bis 5,0 Prozent, nachdem zuvor lediglich 2,0 bis 4,0 Prozent erwartet worden waren.

Regierung bleibt trotz Rekordwachstum vorsichtig

Trotz der positiven Zahlen hält das Handelsministerium seine BIP-Jahresprognose unverändert bei 2,0 bis 4,0 Prozent. Die Behörde betonte ausdrücklich, dass die Abwärtsrisiken seit Februar deutlich gestiegen seien. Staatssekretär Beh Swan Gin nannte dabei zwei wesentliche Belastungsfaktoren: den Konflikt im Nahen Osten, der globale Lieferketten stört und die Energiepreise volatil hält, sowie die anhaltende Unsicherheit rund um mögliche US-Handelszölle.

Singapur ist von den sogenannten „Section 301"-Untersuchungen der Trump-Administration betroffen. Regierungsvertreter, die zuletzt zu Gesprächen in die USA gereist waren, äußerten sich skeptisch hinsichtlich positiver Entwicklungen in dieser Frage. Für einen Stadtstaat wie Singapur, dessen Wohlstand stark vom Außenhandel abhängt, sind solche geopolitischen Risiken von besonderer Bedeutung.

Inflation fällt niedriger aus als erwartet

Auf der Preisseite gab es im April eine leichte Entspannung. Die Inflationsrate lag mit 1,8 Prozent unter den von Reuters befragten Analysten erwarteten 2,0 Prozent. Die Kerninflation – bereinigt um volatile Posten wie privaten Verkehr und Unterkünfte – belief sich auf 1,4 Prozent und blieb damit ebenfalls unter der Erwartung von 1,7 Prozent.

Dennoch warnt die Monetary Authority of Singapore (MAS) vor steigenden importierten Kosten. Der Nahostkonflikt könnte Energie- und Inputkosten weiter in die Höhe treiben und damit die globalen Lieferketten zusätzlich belasten. Die MAS hatte ihre Inflationsprognose für 2026 bereits im April auf eine Spanne von 1,5 bis 2,5 Prozent angehoben.

Geldpolitik: Wechselkurs statt Zinsen

Singapur verfolgt einen geldpolitischen Sonderweg: Anders als die meisten Zentralbanken weltweit steuert die MAS nicht über Leitzinsen, sondern über den Wechselkurs des Singapur-Dollars. Dieser wird innerhalb eines geheimen Handelsbandes gegenüber einem Währungskorb geführt. Im April hatte die MAS erstmals seit drei Jahren ihre Geldpolitik gestrafft.

Chefvolkswirt Edward Robinson erklärte, dieser Ansatz bleibe weiterhin angemessen. Er verwies darauf, dass die Zinsen in Singapur nach einem Rückgang im Jahr 2025 nun stabil seien – vorausgesetzt, die US-Zinspolitik erweise sich in der zweiten Jahreshälfte als verlässlich. Für deutsche Anleger, die in asiatische Märkte investieren, bleibt Singapur damit ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Region.

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