Singapur klagt weitere Person in KI-Chip-Betrugsfall an
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Jenny Lim wegen Täuschung des US-Serverlieferanten Dell Technologies.

Singapur hat im Zusammenhang mit einem weitreichenden KI-Chip-Betrugsfall eine weitere Person angeklagt. Jenny Lim wird beschuldigt, sich im Jahr 2024 mit Alan Wei Zhaolun und Aaron Woon Guo Jie verschworen zu haben, um Dell Technologies zu täuschen. Die beiden Mitangeklagten waren bereits im Februar 2024 wegen ähnlicher Delikte vor Gericht gestellt worden.
Laut den Anklageschriften der Polizei wurde Dell fälschlicherweise suggeriert, dass das Unternehmen Aperia International der Endabnehmer der bestellten Server sei. Tatsächlich wurden die Server nach ihrer Lieferung nach Singapur weiter nach Malaysia umgeleitet. Ob Malaysia der endgültige Bestimmungsort war, blieb nach Angaben des singapurischen Innenministers K. Shanmugam unklar.
Der Innenminister hatte bereits im März 2024 bestätigt, dass die fraglichen Server möglicherweise Hochleistungschips von Nvidia enthielten. Neben Dell war auch der KI-Serverhersteller Super Micro Computer an den Lieferungen an singapurische Unternehmen beteiligt. Der Fall rückt erneut die strengen US-Exportkontrollen für Hochleistungschips in den Fokus.
Hintergrund: US-Exportverbote für Nvidia-Chips
Die Vereinigten Staaten untersagten 2022 den Export von High-End-Nvidia-Chips nach China, da Bedenken bestehen, diese könnten für militärische Zwecke eingesetzt werden. Im Januar 2025 genehmigten die USA unter bestimmten Auflagen den Verkauf von Nvidias zweitstärkstem Modell, dem H200-Chip. Der Fall in Singapur steht exemplarisch für die Versuche, diese Exportbeschränkungen zu umgehen.
Singapur spielt im globalen Nvidia-Geschäft eine bemerkenswert große Rolle. Im jüngsten Geschäftsjahr entfielen laut einer Börsenmitteilung vom Februar 2025 rund 18 Prozent des Gesamtumsatzes von Nvidia auf den Stadtstaat – womit Singapur nach den USA der zweitgrößte Markt des Chipherstellers war. Singapur selbst betonte jedoch, dass lediglich 1 Prozent der Nvidia-Chips physisch im Land verblieben, um dort in Rechenzentren eingesetzt zu werden.
In seinem Bericht für das Geschäftsjahr 2026 ordnete Nvidia den Umsatz nach dem geografischen Standort der Kundenzentralen zu. Dabei entfielen 98 Prozent des Umsatzes auf die USA, Taiwan und China. Diese Diskrepanz zwischen dem Singapur-Anteil und dem tatsächlichen physischen Verbleib der Chips verdeutlicht das Ausmaß möglicher Umleitungsgeschäfte.
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Zur AktienanalyseParalleler Fall in den USA gegen Super Micro
Unabhängig vom Singapur-Verfahren wurden im März 2025 in den Vereinigten Staaten drei Personen aus dem Umfeld von Super Micro Computer angeklagt, darunter ein Mitgründer des Unternehmens. Ihnen wird vorgeworfen, beim Schmuggel von US-KI-Technologie im Wert von mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar nach China geholfen und damit gegen US-Exportgesetze verstoßen zu haben. Die Fälle zeigen, wie systematisch Exportkontrollen für KI-Chips umgangen werden sollen.


