Singapur erwägt Steuersenkungen für Hedgefonds im Rivalen-Duell
Die Finanzaufsicht MAS führt Gespräche mit Investmentgesellschaften, um Talente gegenüber Hongkong zu halten.

Die Monetary Authority of Singapore (MAS) hat Gespräche mit Investmentgesellschaften über mögliche Steuersenkungen für Fondsmanager aufgenommen. Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass Hongkongs geplante Steuerreformen hochbezahlte Portfoliomanager aus dem Stadtstaat abziehen könnten. Vier mit den Diskussionen vertraute Personen bestätigten der Financial Times, dass sich die Gespräche in den vergangenen Monaten deutlich intensiviert haben.
Auslöser ist ein weitreichendes Steuerreformpaket, das Hongkong kurz vor der Umsetzung steht. Demnach sollen Gewinne aus einer breiten Palette von Investitionen – darunter Hedgefonds, Private Equity, Venture Capital, Private Credit und sogar Family Offices – für eine steuerliche Behandlung als Carried Interest mit einem Satz von null Prozent qualifizieren. Einzelne Manager könnten so ihre ohnehin bereits niedrigen Steuerrechnungen in Hongkong weiter reduzieren.
„Eine Reihe von Unternehmen in Singapur gibt an, dass sie Büros in Hongkong eröffnen oder Vereinbarungen treffen müssen, nach denen bestimmte Mitarbeiter in Hongkong arbeiten können", sagte eine an den Gesprächen beteiligte Person. „Die MAS nimmt dies wahr, und die Diskussionen haben sich intensiviert."
Umkehrung eines Trends nach der Pandemie
Eine Abwanderung von Singapur nach Hongkong würde einen bemerkenswerten Trendwechsel bedeuten. Nach der Covid-19-Pandemie waren zehntausende ausländische Fachkräfte aus Hongkong in den Stadtstaat geflohen – getrieben von politischen Unruhen und einer als besonders hart empfundenen Pandemiepolitik. Singapur profitierte jahrelang von diesem Zustrom an Finanzexperten und baute seinen Status als führendes Finanzzentrum Asiens weiter aus.
Nun versucht Hongkong, mit attraktiven Steueranreizen die Rückkehr von Talenten zu fördern. Seit die FT im März über die Hongkonger Pläne berichtete, hat die Abteilung für Finanzmarktentwicklung der MAS – die die Wettbewerbsfähigkeit Singapurs sicherstellen soll – gezielt Gespräche mit Investmentgruppen geführt.
Die MAS selbst bestätigte die Aktivitäten gegenüber der FT: „Die MAS prüft Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit Singapurs als vertrauenswürdiges und dynamisches Finanzzentrum für Finanzinstitute und Talente zu schärfen."
Direkte Steuersenkungen politisch heikel
Eine direkte Nachahmung von Hongkongs Carried-Interest-Regelung könnte jedoch auf Widerstand stoßen. Zwei mit den Gesprächen vertraute Personen erklärten, ein solcher Schritt könnte bei anderen Regierungsstellen auf Ablehnung treffen und sich in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten als politisch unpopulär erweisen.
Als Alternative diskutiert die MAS daher indirekte Maßnahmen. Statt Steuererleichterungen direkt an Einzelpersonen weiterzugeben, könnte die Behörde die Betriebskosten für Investmentgruppen senken, damit diese die Ersparnisse als höhere Gehälter an ihre Portfoliomanager weitergeben. „Anstatt Geld direkt in die Hände von Einzelpersonen zu geben, könnten sie Wege finden, die Geschäftstätigkeit für Unternehmen wirtschaftlicher zu gestalten, damit diese ihre Mitarbeiter besser bezahlen können", sagte eine an den Diskussionen beteiligte Person.
Konkret wird unter anderem eine Senkung des Steuersatzes eines speziellen Anreizprogramms diskutiert. Derzeit zahlen Investmentgruppen im Rahmen dieses Programms einen Satz von 10 Prozent – verglichen mit dem regulären Körperschaftsteuersatz in Singapur von 17 Prozent. Eine weitere Absenkung dieses Satzes wäre eine gezielte Maßnahme, ohne die breite Steuerpolitik anzutasten.
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Zur AktienanalyseSingapurs struktureller Vorteil bleibt bestehen
Trotz des wachsenden Drucks sehen Experten Singapur nicht in einer aussichtslosen Position. Darren Bowdern, Leiter des Bereichs Asset Management Tax für den asiatisch-pazifischen Raum bei KPMG, ordnet die Lage nüchtern ein: „Wegen der Steueränderungen in Hongkong wird es für Singapur schwieriger werden. Aber ihr Vorteil ist, dass viele Fonds ihre Investmentstrukturen bereits dorthin verlegt haben und nicht einfach alles stehen und liegen lassen und zurückkehren werden."
Für deutsche Privatanleger und institutionelle Investoren, die in asiatische Hedgefonds oder Private-Equity-Strukturen investieren, ist die Entwicklung relevant: Der Standortwettbewerb zwischen Singapur und Hongkong beeinflusst, wo Fondsmanager künftig angesiedelt sind – und damit auch, unter welchen regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen Anlageentscheidungen getroffen werden.


