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Silizium-Krise bedroht Deutschlands High-Tech-Industrie

Die Energiepolitik und die Unsicherheit um RW Silicium gefährden Schlüsseltechnologien und Rohstoffversorgung

Silizium-Krise bedroht Deutschlands High-Tech-Industrie

Die Zukunft des einzigen verbliebenen Silizium-Produzenten in Deutschland, RW Silicium in Bayern, steht auf der Kippe. Heinz Schimmelbusch, Eigentümer des Werks und Chef des Rohstoffunternehmens AMG, hat angekündigt, dass das Traditionsunternehmen bis Ende März 2024 vor dem endgültigen Aus stehen könnte. Die Hauptursache für diese bedrohliche Lage ist der hohe Industriestrompreis, der die energieintensive Herstellung von Silizium nicht mehr rentabel macht. Schimmelbusch warnte vor den fatalen Auswirkungen eines derartigen Strompreises auf die Silizium-Metallproduktion und betonte die Dringlichkeit einer Lösung.

Ein weiterer Faktor, der RW Silicium belastet, ist der derzeit niedrige Preis für Silizium, der für die High-Tech-Industrie von entscheidender Bedeutung ist. Silizium wird in der Herstellung von Mikrochips und Solarzellen benötigt, und der aktuelle Preis liegt mit rund 7,7 Euro pro Kilogramm deutlich unter dem Niveau von Februar 2023, als der Rohstoff viermal so teuer war. AMG hat seit dem Sommer 2023 intensiv nach Möglichkeiten gesucht, die Produktion aufrechtzuerhalten, aber bisher keine erfolgreiche Lösung gefunden.

Die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens sollte ursprünglich bis Ende des Jahres fallen, wurde jedoch auf das erste Quartal 2024 verschoben. Diese Unsicherheit bedroht die lokale Produktion eines strategisch wichtigen Metalls, da die EU-Kommission Silizium zu den kritischen Rohstoffen zählt, deren lokale Produktion gefördert werden soll. Lokale Wirtschaftsvertreter, darunter Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), sind besorgt über die mögliche Betriebsaufgabe und sehen darin einen schweren Schlag für den Wirtschaftsstandort Bayern und eine weitere Deindustrialisierung.

Eine weitere Konsequenz eines möglichen Ausfalls von RW Silicium wäre die erhöhte Abhängigkeit von China als Lieferant dieses wichtigen Rohstoffs. Silizium ist von zentraler Bedeutung für Schlüsseltechnologien und die wirtschaftliche Transformation, und die einheimische Produktion ist entscheidend für die Sicherheit der Rohstoffversorgung zu erschwinglichen Preisen.

Die Lage des Unternehmens in Pocking, nahe der österreichischen Grenze, wird durch den aktuellen Strompreis noch verschärft. RW Silicium verarbeitet dort Quarz zu hochreinem Silizium in Lichtbogenöfen bei extrem hohen Temperaturen. Aktuell sind drei von vier Öfen außer Betrieb, da das Unternehmen bei den derzeitigen Strompreisen Verluste hinnehmen muss. Die geplanten Entlastungen durch Wirtschaftsminister Robert Habeck könnten den Strompreis für die energieintensive Industrie zwar senken, aber ihre Umsetzung ist unsicher, da das Bundesverfassungsgericht kürzlich die Haushaltspläne der Bundesregierung gekippt hat.

Trotz der schwierigen Situation lässt RW Silicium einen vierten Ofen weiterlaufen, der Verluste produziert, in der Hoffnung, das Werk doch noch retten zu können. Ein Aus des Werks würde nicht nur 120 Arbeitsplätze kosten, sondern auch mehr als zehn Prozent des deutschen Bedarfs an Silizium. Dies würde die Rohstoffabhängigkeit von anderen Ländern, insbesondere China, erhöhen und die Unsicherheit in den Unternehmen steigern.

Es ist bedauerlich zu sehen, wie die deutsche Energiepolitik die Existenz wichtiger Rohstoffunternehmen gefährdet. Die Unsicherheit und die fehlende klare Ansage in Bezug auf Förderungen sind schädlich für die Industrie. Die deutschen Unternehmen benötigen bezahlbare Strompreise, um eine Deindustrialisierung und Einnahmeverluste zu verhindern.

Um die Produktion von Silizium in Pocking langfristig zu sichern, plant AMG die Installation einer Stromspeichertechnologie, die auf einer Kombination aus Vanadium- und Lithium-Ionen-Batterien basiert. Damit könnte überschüssiger Solarstrom genutzt werden, um die Silizium-Produktion aufrechtzuerhalten. Diese transformative Innovation erfordert jedoch erhebliche Investitionen, die dem Werk in Pocking langsam ausgehen.

Die Situation von RW Silicium zeigt deutlich die Herausforderungen und Unsicherheiten in der deutschen Energiepolitik und ihre weitreichenden Auswirkungen auf die heimische Industrie und Rohstoffversorgung auf. Hoffentlich können rechtzeitig Lösungen gefunden werden, um den Verlust dieses wichtigen Silizium-Produzenten zu verhindern.

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