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Silberpreis auf Rekordhoch: Scheideanstalten stoppen Annahme von Tafelsilber

Privatanleger in Asien treiben Silber auf über 95 Euro – Deutsche verkaufen massenhaft Familienbesteck

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Silberpreis auf Rekordhoch: Scheideanstalten stoppen Annahme von Tafelsilber

Der Silberpreis kennt aktuell nur eine Richtung: nach oben. Seit Jahresbeginn 2024 hat sich das Edelmetall um 340 Prozent verteuert und notiert mittlerweile bei über 95 Euro pro Feinunze. Besonders dramatisch verlief die Entwicklung seit Dezember, als der Preis in Euro gerechnet um 140 Prozent zulegte – ein parabolischer Anstieg, der typisch für spekulative Übertreibungen ist.

Für durchschnittliche Arbeitnehmer mit einem Nettogehalt von rund 2.700 Euro ist Gold mit 4.400 Euro pro Unze längst unerschwinglich geworden. Silber hingegen bleibt mit 28 Unzen für ein Monatsgehalt noch zugänglich – sofern man die in Deutschland erhobene Mehrwertsteuer ausklammert. Diese wird aufgrund der industriellen Verwendung von Silber fällig.

Asiatische Privatanleger außer Rand und Band

Die Haupttreiber der aktuellen Rallye sitzen in Asien. Privatanleger aus China und Indien zahlen derzeit Aufschläge von fünf Dollar und mehr gegenüber dem Londoner Referenzpreis LBMA. Diese Prämien in Shanghai und Mumbai zeigen das Ausmaß der Nachfrage. An der New Yorker Rohstoffbörse Comex lässt sich dagegen keine übertriebene Spekulationsneigung ablesen.

Die Gold-Silber-Ratio ist seit Dezember von 80 auf 45 gefallen. Statistisch gesehen liegt der Durchschnitt seit den 1970er-Jahren bei 60 – Silber ist im Vergleich zu Gold also bereits teuer. Dennoch bleibt das Edelmetall als "Gold des kleinen Mannes" für viele Anleger die monetäre Zuflucht ihrer Wahl.

Strukturelles Defizit trifft auf Verkaufswelle

Das fünfte Jahr in Folge übersteigt die Nachfrage nach Silber das Angebot aus Minen und Recycling. Dieses strukturelle Defizit muss durch den Abbau oberirdischer Lagerbestände gedeckt werden. Während sich Börsenvorräte in London, New York und Shanghai quantifizieren lassen, sind private Bestände die große Unbekannte – die Wildcard des Marktes.

Genau diese privaten Bestände kommen jetzt massiv auf den Markt. Nigel Karte aus Berlin erlebte die Preisexplosion hautnah: Das Tafelsilber seiner Großmutter hätte ihm Anfang 2023 noch 1.207,50 Euro eingebracht. Jetzt verkaufte er die 48 Teile mit einem Feingewicht von 2.744 Gramm für 5.049,55 Euro – mehr als das Vierfache.

Die Scheideanstalt ESG Edelmetall-Service zahlte ihm 1,84 Euro pro Gramm, rund ein Drittel unter dem reinen Silberwert von 3,05 Euro. Der Abschlag erklärt sich durch den aufwendigen Recyclingprozess: Verunreinigungen wie andere Metalle, Kohlenstoff und organisches Material müssen entfernt werden. Dazu kommt die Marge der Scheideanstalt.

Scheideanstalten am Limit

Der Run auf die Scheideanstalten ist so groß, dass ESG mittlerweile einen Annahmestopp verhängt hat. "Aufgrund der aktuell sehr hohen Auftragslage bitten wir Privatkunden, bis auf Weiteres von Einsendungen abzusehen", heißt es auf der Webseite. Betroffen sind versilbertes Besteck, Tafelgeschirr, Zinn und E-Schrott.

Diese Entwicklung könnte das strukturelle Defizit am Silbermarkt mittelfristig verringern. Die Recyclingquote liegt derzeit bei nur 25 Prozent. Der drastische Preisanstieg macht die Rückgewinnung von Silber nun auch in vielen Industriebereichen wirtschaftlich attraktiv.

Warnsignale einer Trendbeschleunigung

Experten warnen vor den typischen Merkmalen einer spekulativen Blase. In einer parabolischen Trendbeschleunigung droht ein Nachfragevakuum, dem meist eine Trendwende folgt. Wie weit der Preis vorher noch steigen kann, lässt sich nicht seriös vorhersagen.

Kleinanleger gelten als "dummes Geld", weil sie prozyklisch agieren: Sie kaufen bei Höchstständen und verkaufen am Tiefpunkt. Wer jetzt Barren, Münzen oder Tafelsilber verkaufen will, sollte dies auf dem Weg nach oben tun. Edelmetallhändler und Scheideanstalten sind keine Market Maker und nicht zur Annahme verpflichtet – wie der aktuelle Annahmestopp zeigt.

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