Siempelkamp streicht hunderte Stellen im Maschinen- und Anlagenbau
Der Krefelder Firmenverbund kämpft mit schwacher Nachfrage, Zollpolitik und wegbrechenden Märkten – und baut massiv Personal ab.

Noch vor wenigen Tagen präsentierten sich die Geschäftsführer der Siempelkamp Gießerei in der WirtschaftsWoche als wirtschaftlich stabil. 50 neue Mitarbeiter habe man in diesem Jahr eingestellt, der Auftragsbestand sei teils auf zehn Jahre gesichert. Doch nun kommen aus dem Firmenverbund Siempelkamp scheibchenweise schlechte Nachrichten ans Licht.
Zuerst berichtete der „Pfälzer Merkur" über massiven Stellenabbau bei der Siempelkamp Size Reduction Solutions in Zweibrücken – bis zur Übernahme 2017 unter dem Namen Pallmann bekannt. Von ehemals 282 Arbeitsplätzen sollen dort 129 gestrichen werden. Das entspricht einem Abbau von fast der Hälfte der Belegschaft.
Auch Stammsitz Krefeld betroffen
Nun folgt die nächste Hiobsbotschaft: Laut einem Bericht der „Rheinischen Post" unter Berufung auf den Betriebsrat sollen auch am Stammsitz in Krefeld Stellen wegfallen. Bei der Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau stehen demnach 127 von 371 Arbeitsplätzen auf der Kippe. Unternehmenssprecher Jan Bender bestätigt die Einschnitte: „Die Lage im Neuanlagengeschäft in der Holzwerkstoffindustrie hat sich noch einmal dramatisch verschärft. Anpassungen der bestehenden internen Strukturen und Personalkapazitäten sind unumgänglich geworden."
Wie viele Stellen am Ende tatsächlich abgebaut werden, ließ Bender mit Verweis auf „noch laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite" offen. Zusätzliche Brisanz verleiht dem Vorgang ein Bericht des Betriebsrats gegenüber der „Rheinischen Post": Demnach plane Siempelkamp sogar den Austritt aus dem Arbeitgeberverband und dem Tarifvertrag. Das Unternehmen selbst wollte dazu keinen Kommentar abgeben.
Als Ursachen für die Schieflage nennt das Unternehmen ein Bündel an Faktoren: „Die aktuellen geopolitischen Spannungen und die Zollpolitik der USA hätten in Verbindung mit der immer noch äußerst schwachen Bau-Konjunktur" zu einer schwachen Nachfrage geführt. Besonders hart trifft es das Geschäft mit Neuanlagen zur Holzzerkleinerung für die Produktion von Holz-Kompositplatten. „Neben dem weggebrochenen russischen Markt weisen weitere relevante Märkte strukturelle Nachfrageschwächen auf, ohne Aussicht auf langfristige Besserung", so der Sprecher.
Umbau läuft schon länger
Der Konzernumbau ist kein neues Phänomen. Bereits im vergangenen Sommer hatte die Krefelder Maschinenfabrik 86 Arbeitsplätze gestrichen. Vor wenigen Wochen fusionierten zudem zwei Schwestergesellschaften: die Siempelkamp Maschinenfabrik und die Siempelkamp Automation (vormals ATR), die Schaltschränke baut. Die Geschäfte laufen künftig unter dem Namen der Maschinenfabrik weiter – allerdings stellt diese die Fertigung elektronischer Baugruppen zur Mess-, Steuer- und Regeltechnik zum Jahresende ein.
Finanziell zeigt sich das Bild gespalten: Die Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau erzielte im Geschäftsjahr 2024 noch 600 Millionen Euro Umsatz und einen Gewinn von 9,2 Millionen Euro. Die Gießerei erwirtschaftete bei einem Sechstel des Umsatzes immerhin 5,7 Millionen Euro Gewinn. Die Maschinenfabrik hingegen kommt bei 56 Millionen Euro Umsatz auf weniger als eine Million Euro Gewinn.
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Zur AktienanalyseGießerei bleibt außen vor
Während die Krisenzeichen sich häufen, betont der Konzern, dass die Siempelkamp Gießerei von den Stellenkürzungen nicht betroffen sei. Sie produziert große Strukturbauteile für systemkritische Anlagen – darunter Offshore-Windräder, Großmotoren für Kraftwerke, Zementwerke sowie Lithium- und Kupferminen. Auch Konzerne wie BMW, Tesla, Audi, Apple und Samsung setzen auf Strukturgussteile aus Krefeld, etwa für Karosserien oder Smartphone-Komponenten.
Die Gießerei-Geschäftsführer Dirk Howe und Georg Geier fordern seit Ausbruch der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs wirksamere politische Maßnahmen zum Erhalt der energieintensiven Industrie. Ein Sprecher der Gießerei stellt klar: „Die Siempelkamp Gießerei agiert unabhängig von der Sparte Maschinen- und Anlagenbau und kann nicht für andere Unternehmen in der Gruppe sprechen." Die hohen Energiekosten seien bei den betroffenen Schwesterunternehmen übrigens nur ein Faktor von mehreren – nicht die alleinige Ursache der Probleme.


