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Siemens-Quartalszahlen: Buschs KI-Strategie auf dem Prüfstand der Anleger

Erste Präsenz-Hauptversammlung für CEO Roland Busch – Investoren fordern konkrete Erfolge der Software-Transformation.

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Siemens-Quartalszahlen: Buschs KI-Strategie auf dem Prüfstand der Anleger

Nach fünf Jahren digitaler Hauptversammlungen kehrt Siemens zur Präsenzveranstaltung zurück. Für CEO Roland Busch wird der Donnerstag in der Münchner Olympiahalle zur Bewährungsprobe: Erstmals muss er sich persönlich vor den Aktionären für seine Strategie der "One Tech Company" rechtfertigen. Die Vision ist ambitioniert – aus dem Industriekonglomerat soll ein fokussiertes Technologieunternehmen werden.

Die Ausgangslage klingt vielversprechend: Jede dritte Maschine weltweit läuft bereits mit Siemens-Software. Diesen Datenschatz will der Konzern nutzen, um sich als führender Anbieter für KI-basierte Industrielösungen zu positionieren. Die Börse honoriert die Transformation – binnen Jahresfrist legte die Aktie um über 20 Prozent zu. Zeitweise verdrängte Siemens sogar SAP vom Thron des wertvollsten deutschen Unternehmens.

Doch die Euphorie hat Risse bekommen. Ausgerechnet in der Kernsparte Digital Industries sanken zuletzt Umsatz und Marge. Arne Rautenberg von Union Investment bringt es auf den Punkt: "Wo bleibt der Durchbruch bei der KI-basierten Automatisierung, der sich wirklich in den Zahlen materialisiert?" Die Gewinnmarge von 15 Prozent in der Softwaresparte gilt als zu niedrig.

Quartalszahlen überzeugen – mit Einschränkungen

Die am Donnerstagmorgen präsentierten Zahlen für das erste Quartal fielen positiv aus. Der Konzernumsatz kletterte um acht Prozent auf 19,14 Milliarden Euro, der Auftragseingang schnellte sogar um zehn Prozent auf 21,37 Milliarden Euro nach oben. Siemens hob daraufhin die Jahresprognose an.

Der Nettogewinn von 2,22 Milliarden Euro täuscht allerdings: Im Vorjahr hatte ein Sondereffekt aus dem Verkauf der Elektromotoren-Tochter Innomotics das Ergebnis auf 3,87 Milliarden Euro getrieben. Dennoch signalisiert der höhere Auftragseingang eine Erholung des künftigen Kerngeschäfts. Besonders die Sparte Smart Infrastructure profitiert vom Boom der KI-Rechenzentren und der steigenden Stromnachfrage.

Die Transformation hat ihren Preis: Für die US-Softwarefirma Altair zahlte Siemens zehn Milliarden Euro, für Dotmatics weitere fünf Milliarden. Beobachter loben den Mut, kritisieren aber die Höhe der Investitionen. Alexander Heider vom Verein der Belegschaftsaktionäre zweifelt: "Das Geld für Altair wird nie operativ erwirtschaftet werden können."

Wettbewerbsvergleich enttäuscht

Im direkten Vergleich zum Schweizer Konkurrenten ABB hinkt Siemens hinterher. Seit Buschs Amtsantritt 2021 erzielte die Siemens-Aktie eine Gesamtrendite von 115 Prozent – besser als der MSCI World Industrials Index mit 103 Prozent, aber deutlich schwächer als ABB mit 245 Prozent.

Die strategische Neuausrichtung ist in vollem Gange: Von ehemals acht Sparten bleiben vier Kernbereiche – Digital Industries, Smart Infrastructure, Mobility und die börsennotierte Tochter Healthineers. Letztere steht vor einer Teilabspaltung: Siemens will seinen Anteil von 67 auf 30 Prozent reduzieren. Die Aktien sollen direkt ins Depot der Siemens-Aktionäre fließen. Auch die 10,1 Prozent an Siemens Energy will der Konzern sukzessive veräußern.

Kontroversen auf der Tagesordnung

Für Diskussionen sorgt der Antrag des Vorstands, sich für fünf Jahre die Option auf rein digitale Hauptversammlungen zu sichern. Bereits im Vorjahr scheiterte ein ähnlicher Vorstoß. Belegschaftsaktionäre und institutionelle Investoren haben Widerstand angekündigt.

Kritik erntet Busch auch für seinen offenen Brief gegen das europäische Lieferkettengesetz. Gemeinsam mit 45 weiteren CEOs hatte er Kanzler und französischen Präsidenten zur Abschaffung aufgefordert – noch vor dessen Einführung. Zahlreiche Unternehmen distanzierten sich nachträglich. Der Dachverband Kritischer Aktionäre wirft Busch vor, das Ansehen von Siemens in der europäischen Politik geschädigt zu haben.

Die Hauptversammlung wird zeigen, ob Buschs Vision einer KI-getriebenen Industriezukunft die Aktionäre überzeugt. Die Zahlen stimmen, doch der Beweis für die Substanz hinter der großen Tech-Erzählung steht noch aus.

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