Siemens plant Stellenabbau und setzt auf Qualifizierung
Einigung mit Arbeitnehmern bringt Investitionen, Versetzungen und Tarifangleichung für 11.000 Beschäftigte

Siemens stellt die Weichen für einen umfassenden Wandel innerhalb des Konzerns – und tut dies in seltener Einigkeit mit der Arbeitnehmerseite. Vier Monate nach der Ankündigung, weltweit rund 6000 Stellen zu streichen, präsentierten Unternehmensführung, Betriebsrat und IG Metall gemeinsam ein Maßnahmenpaket, das weit über reinen Jobabbau hinausgeht. Drei zentrale Einigungen wurden erzielt: ein umfassender Transformationsplan, eine Regelung zum Stellenabbau in Deutschland und eine Angleichung der Tarifbedingungen für rund 11.000 Mitarbeiter.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte Transformationsvereinbarung, die eine schnellere Umsetzung betrieblicher Veränderungen ermöglichen soll – ohne die Mitbestimmungsrechte zu beschneiden. Ziel ist es, Prozesse zu beschleunigen und Beschäftigte gezielt auf neue Aufgaben vorzubereiten. Dafür investiert Siemens 50 Millionen Euro in einen Transformationsfonds, der in den kommenden fünf Jahren vor allem für Qualifizierungsmaßnahmen eingesetzt werden soll. Ergänzt wird dieser Betrag durch bestehende Ausgaben für Aus- und Weiterbildung in Höhe von etwa 200 Millionen Euro.
Besonders im Fokus steht dabei die standortübergreifende Zusammenarbeit der Betriebsräte. Arbeitsplätze sollen künftig nicht ersatzlos gestrichen, sondern Beschäftigte innerhalb des Konzerns versetzt werden. IG Metall-Vize Jürgen Kerner betonte, es gehe darum, die Menschen nicht aus dem Unternehmen zu drängen, sondern sie von einer Stelle zur nächsten zu begleiten. Die Umgestaltung solle so zum Modell für die gesamte deutsche Industrie werden.
Konkret betrifft der Stellenabbau in Deutschland rund 2750 Arbeitsplätze, vor allem in der Sparte Digital Industries sowie im Bereich Ladelösungen für Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig werden in anderen Bereichen wie Smart Infrastructure oder Mobility neue Stellen geschaffen. In Leipzig, wo 160 Stellen bei den Ladelösungen wegfallen, konnte bereits mehr als der Hälfte der betroffenen Belegschaft eine andere Position angeboten werden – viele davon sogar am gleichen Standort.
Trotz der Abbaumaßnahmen erwartet der Konzern keine schrumpfende Gesamtbelegschaft. Personalvorständin Judith Wiese betont, dass Siemens weiter wachse – auch in Deutschland. Netto bleibe die Zahl der Beschäftigten stabil bis steigend.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür rund 11.000 Mitarbeiter bringt die dritte Einigung zudem eine deutliche Verbesserung: Wer bislang unter einer Sonderregelung außerhalb des Metalltarifvertrags arbeitete, erhält künftig mehr Geld bei weniger Arbeitszeit. Innerhalb von fünf Jahren werden die Betroffenen schrittweise an das Niveau des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie herangeführt. Diese tarifliche Angleichung beendet eine langjährige Ungleichbehandlung innerhalb der Belegschaft.


