Siemens Healthineers und die China-Krise
Konkurrenzdruck und politische Unsicherheiten belasten den Medizintechnikkonzern

Siemens Healthineers sieht sich aktuell mit einer schwierigen Situation in China konfrontiert, was bei der Jahreshauptversammlung des Unternehmens wiederholt zum Thema wurde. Der Medizintechnikkonzern hat in den letzten Jahren zunehmend Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt erlebt, was die Hoffnungen der Aktionäre dämpft. Trotz eines Anstiegs des Umsatzes im ersten Quartal um 5,7 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro, bleibt das Geschäft in China hinter den Erwartungen zurück. Besonders die Segmente Imaging und Varian konnten global zulegen, während der Umsatz in China rückläufig war.
CEO Bernd Montag sieht die Situation weiterhin als temporär an und betont, dass das Unternehmen in China hervorragend positioniert sei, mit rund 8000 Mitarbeitern und einem neuen Produktionszentrum in Shenzhen. Ein Grund für die schwachen Zahlen liege laut Montag in der Korruptionskampagne der chinesischen Regierung, die das Gesundheitswesen betrifft und Kliniken zögert, teure Investitionen zu tätigen. Zudem wächst die chinesische Wirtschaft langsamer, was die Herausforderungen für westliche Unternehmen noch verstärkt. Die Frage bleibt jedoch, warum Siemens Healthineers von diesen Entwicklungen verschont bleiben sollte, wenn andere Industrien wie die Automobil- und Maschinenbauindustrie ähnliche Schwierigkeiten haben.
In den vergangenen Jahrzehnten profitierte Siemens Healthineers von der wachsenden Mittelschicht in China und dem modernisierten Gesundheitssystem. Doch mittlerweile haben heimische Hersteller wie Mindray und United Imaging stark aufgeholt. Mindray, gegründet 1991 in Shenzhen, ist ein ernstzunehmender Konkurrent, besonders in Schwellenländern, und bietet Medizintechnikprodukte bis zu 50 Prozent günstiger an. United Imaging, gegründet 2011 in Shanghai, hat sich ebenfalls zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber entwickelt und verzeichnete 2023 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Die „Made in China 2025“-Strategie fördert diese Entwicklung, da sie darauf abzielt, die heimischen Hersteller in der Medizintechnikindustrie zu stärken.
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Zur AktienanalyseDiese Konkurrenz hat sich auch auf den Aktienkurs von Siemens Healthineers ausgewirkt, der seit Mitte 2021 stagnierte und zwischen 50 und 60 Euro schwankt. Im Vergleich dazu hat sich die Aktie des Mutterkonzerns Siemens fast verdoppelt. Auch die Dividendenrendite von Siemens liegt mit 2,2 Prozent über der von Healthineers, die bei 1,6 Prozent liegt. Trotz der Schwierigkeiten für Siemens Healthineers bleibt auch die Konkurrenz wie Philips und GE Healthcare in einer ähnlichen Lage. Jedoch stellen Aktionärsvertreter zunehmend die Frage, ob Siemens seine Beteiligung an Healthineers weiter reduzieren möchte, nachdem das Unternehmen bereits angekündigt hatte, rund zehn Prozent der 75-Prozent-Beteiligung zu verkaufen. Dies könnte die Finanzierungsbedingungen für das Unternehmen weiter erschweren.


