Shell: Iran-Konflikt belastet Gasproduktion, Ölhandel profitiert
Der Energiekonzern Shell warnt vor sinkender Gasförderung und Kapitalabfluss – profitiert aber gleichzeitig vom boomenden Ölhandel.

Der Ölpreisschock infolge des Iran-Konflikts trifft Shell mit voller Wucht. Die globale Referenzsorte Brent kletterte auf Mehrjahreshöchststände nahe 120 US-Dollar pro Barrel, nachdem Ende Februar US-israelische Angriffe auf den Iran begannen. Teheran reagierte mit der Schließung der Straße von Hormus und Angriffen auf Nachbarstaaten am Golf – darunter auch die katarische Pearl-Gasproduktionsanlage von Shell, deren Reparaturen etwa ein Jahr dauern könnten.
Die geopolitischen Verwerfungen hinterlassen deutliche Spuren in Shells Finanzkennzahlen. Die Volatilität der Rohstoffpreise führte zu starken Schwankungen der Lagerbestände und drückte das sogenannte Working Capital – eine Liquiditätskennzahl aus dem Umlaufvermögen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten – im Quartal auf einen Wert zwischen minus 10 und minus 15 Milliarden US-Dollar. Shell erklärte jedoch, bei einer Entspannung der Öl- und Gaspreise mit einer zeitnahen Umkehr dieser Working-Capital-Bewegungen zu rechnen.
Analysten heben Gewinnschätzungen deutlich an
Trotz der Belastungen zeigen sich Analysten optimistisch. Die Experten der RBC hoben ihre Schätzung für den Nettogewinn von Shell im ersten Quartal um 7 Prozent auf 6,8 Milliarden US-Dollar an und erwarten einen Anstieg des operativen Cashflows – bereinigt um Working-Capital-Effekte – um 31 Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar. RBC betonte, das Ausmaß der Working-Capital-Schwankung unterstreiche zwar, wie ungewöhnlich die aktuellen Marktbedingungen geworden seien, die Bilanz von Shell sollte diesen Schock jedoch verkraften können.
Noch optimistischer zeigt sich die UBS: Die Schweizer Bank erhöhte ihre Schätzungen für den Nettogewinn im ersten Quartal um 18 Prozent auf 6,9 Milliarden US-Dollar. Der operative Cashflow ohne Working-Capital-Effekte soll demnach um 30 Prozent auf 16,3 Milliarden US-Dollar steigen. Diese Aufwärtsrevisionen spiegeln vor allem die starken Ergebnisse im Ölhandel wider.
Shell selbst erwartet, dass die Handelsergebnisse im Bereich Chemie und Produkte – der auch den Ölhandel umfasst – deutlich über denen des Vorquartals liegen werden. Auch das bereinigte Ergebnis in der Marketing-Sparte, zu der die Tankstellen gehören, soll steigen. Das bereinigte Ergebnis in der Sparte für erneuerbare Energien und Energielösungen soll auf 200 bis 700 Millionen US-Dollar klettern, nach 131 Millionen US-Dollar im Vorquartal.
Gasproduktion und Verschuldung unter Druck
Auf der Negativseite senkte Shell die Prognose für die integrierte Gasproduktion im ersten Quartal auf 880.000 bis 920.000 Barrel Öläquivalent pro Tag (boed) – nach zuvor 920.000 bis 980.000 boed. Im vierten Quartal 2025 hatte die Produktion noch bei 948.000 boed gelegen. Einschränkungen in Australien und Ausfälle in Katar konnten teilweise durch den Hochlauf von LNG Canada ausgeglichen werden, sodass der LNG-Ausblick innerhalb der bisherigen Prognosen verblieb.
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Zur AktienanalyseAuch bei der Verschuldung drohen Belastungen. Shell warnte, dass die Nettoverschuldung aufgrund variabler Komponenten langfristiger Schiffsleasingverträge um 3 bis 4 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Ende 2025 belief sich die Nettoverschuldung auf 45,7 Milliarden US-Dollar bei einem Verschuldungsgrad von 17,7 Prozent – noch unterhalb des von Shell angestrebten Zielwerts von 20 Prozent. Die UBS erwartet allerdings einen Anstieg der Nettoverschuldung um insgesamt 11,2 Milliarden US-Dollar.
Die vollständigen Quartalsergebnisse für das erste Quartal will Shell am 7. Mai veröffentlichen. Anleger dürfen dann ein detaillierteres Bild der Auswirkungen des Iran-Konflikts auf den Konzern erwarten.


