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Shell erwartet deutlich höhere Handelsgewinne im zweiten Quartal

Der Energieriese hebt Produktionsprognosen an und profitiert trotz Nahost-Kriegsfolgen von gestiegenen Handelsgewinnen.

Shell erwartet deutlich höhere Handelsgewinne im zweiten Quartal

Der Energiekonzern Shell (LSE: SHEL) hat in seinem Handels-Update für das zweite Quartal 2026 „deutlich höhere" Gewinne im Handelsgeschäft angekündigt. Gleichzeitig hob das Unternehmen seine Produktionsprognosen in mehreren Bereichen an. Die Aktie legte im britischen Handel daraufhin um 3 % zu – nach einem bereits starken Jahresstart mit einem Plus von 6 % im bisherigen Jahresverlauf 2026.

Der Krieg im Nahen Osten spielt dabei eine ambivalente Rolle: Einerseits hat er die Produktion beeinträchtigt, andererseits trieb er den Ölpreis zeitweise auf bis zu 126 US-Dollar pro Barrel. Nach der Einigung auf ein vorläufiges Friedensabkommen ist der Preis wieder in Richtung 70 US-Dollar pro Barrel gesunken. Shell ist damit gleichzeitig Gewinner und Verlierer des Konflikts.

Angehobene Produktionsprognosen im Überblick

Shell hat seine Erwartungen für das zweite Quartal (bis 30. Juni) in mehreren Schlüsselbereichen nach oben korrigiert:

Integrierte Gasproduktion:

610 bis 650 Tausend Barrel Öläquivalent pro Tag (Kboe/d), nach zuvor 580 bis 640 Kboe/d

LNG-Volumen:

7,4 bis 7,8 Millionen Tonnen (MT), nach zuvor 6,8 bis 7,4 MT

Upstream-Ölproduktion:

1.750 bis 1.850 Kboe/d, nach zuvor 1.620 bis 1.820 Kboe/d

Raffineriemarge im Chemiebereich:

20 US-Dollar pro Barrel, gegenüber 17 US-Dollar im ersten Quartal

Trotz der positiven Prognoseanhebungen liegt die integrierte Gasproduktion kriegsbedingt deutlich unter den 909 Kboe/d des ersten Quartals. Die neuen Schätzungen übertreffen jedoch die vorherigen Managementerwartungen, was Analysten positiv aufnahmen. Das Analysehaus Jefferies bekräftigte nach dem Update seine Kaufempfehlung („Buy") für die Shell-Aktie.

Risiken für Anleger nicht zu ignorieren

Für Investoren gibt es dennoch Faktoren, die Vorsicht gebieten. Die durch den Krieg im Nahen Osten verursachte geringere Produktion und die damit verbundenen höheren Kosten belasten das Unternehmen spürbar. Eine höhere Inflation infolge massiver Energiepreisanstiege könnte dazu führen, dass die Zinssätze länger auf hohem Niveau verbleiben – was die wirtschaftliche Aktivität dämpfen und die Energienachfrage verringern würde.

Hinzu kommt, dass eine Neugewichtung der Aktionärsrenditen im ersten Quartal zu geringeren Gesamtausschüttungen führt. Die anhaltende Volatilität der Energiepreise im Nachgang des Ukraine-Kriegs könnte zudem die weltweiten Bemühungen der Regierungen beschleunigen, die Energieversorgung zu diversifizieren – etwa durch den Umstieg auf Alternativen wie Kernkraft.

Auf der positiven Seite dürften die verringerte Produktion im Nahen Osten und die Herausforderungen in der Schifffahrt die Preise für fossile Brennstoffe zumindest kurzfristig stützen. Shell verfolgt zudem eine klare strategische Agenda: Zu den im März 2025 skizzierten Schwerpunkten gehört das Ziel, das weltweit führende integrierte Gas- und LNG-Unternehmen zu werden sowie das Unternehmen einfacher, widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten. Die strukturellen Kostensenkungen belaufen sich seit 2022 auf insgesamt über 5 Milliarden US-Dollar.

Shell beschäftigt rund 85.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern. Die Downstream-Aktivitäten bedienen täglich rund 29 Millionen Privatkunden, und das Netz an Ladepunkten für Elektrofahrzeuge umfasst rund 88.000 Punkte. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen TotalEnergies SE (EURONEXT: TTE) und Exxon Mobil Corp (NYSE: XOM). Die vollständigen Quartalsergebnisse für das zweite Quartal sollen am 30. Juli veröffentlicht werden.

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