Shein vor Hongkonger Börsengang: Verlust statt Milliardengewinn
Der Moderiese Shein veröffentlicht erstmals Bilanzdaten – und offenbart einen drastischen Gewinneinbruch im ersten Quartal 2025.

Der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Gigant Shein hat im Vorfeld seines geplanten Börsengangs in Hongkong erstmals Einblick in seine Bücher gewährt – und die Zahlen sind alles andere als ermutigend. Laut einer offiziellen Mitteilung an die Hongkonger Börse verbuchte das Unternehmen im ersten Quartal 2025 einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 86,8 Millionen Euro. Das ist ein dramatischer Rückschlag gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als Shein noch einen Gewinn von 395 Millionen Dollar auswies.
Auch beim Umsatz bleibt die Dynamik schwach. Der Konzernumsatz legte im Vergleichszeitraum lediglich um 1,1 Prozent auf 9,05 Milliarden Dollar zu – ein mageres Wachstum für ein Unternehmen, das lange als einer der am schnellsten wachsenden Onlinehändler der Welt galt. Shein hat seinen offiziellen Hauptsitz in Singapur, operiert jedoch eng mit chinesischen Herstellern zusammen und verschickt seine Waren per Luftfracht direkt aus China in alle Welt.
Risiken außerhalb der eigenen Kontrolle
In der Börsenmitteilung räumt Shein offen ein, dass es keine Garantie für künftige Profitabilität gebe. Das Unternehmen betont, dass sein Geschäftsmodell mit erheblichen Risiken verbunden sei – „viele davon außerhalb unserer Kontrolle", wie es wörtlich heißt. Damit sendet Shein ein ungewöhnlich offenes Signal an potenzielle Investoren, die den Börsengang beobachten.
Zu den genannten Risikofaktoren zählen internationale Handelsspannungen sowie staatliche Regulierung. Besonders konkret benennt Shein zwei regulatorische Entwicklungen: Zum einen die Abschaffung der sogenannten „De-Minimis"-Regelung in den USA, die bislang Pakete unterhalb eines bestimmten Warenwerts von Zöllen befreite. Zum anderen eine neue EU-Regelung, die künftig auch Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro mit Abgaben belegt. Beide Maßnahmen erhöhen die Kosten für Sheins Geschäftsmodell spürbar.
Logistik unter Druck – Luftfracht gesichert
Sheins Geschäftsmodell basiert auf dem direkten Versand vom Hersteller zum Endkunden per Flugzeug. Dieses Modell geriet zuletzt durch gestiegene Rohölpreise und die Auswirkungen des Iran-Konflikts unter Druck. Das Unternehmen verweist jedoch auf langfristige Vereinbarungen, durch die ausreichend Luftfrachtkapazitäten gesichert wurden. Die Geschäftsführung sehe durch den Konflikt keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Geschäft.
Asiatische Shoppingplattformen wie Shein, Temu und AliExpress gewinnen auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Vor allem die extrem niedrigen Preise machen diese Anbieter bei Verbrauchern beliebt. Gleichzeitig stehen die Plattformen unter wachsendem Druck: Politiker, Handelsverbände und Verbraucherschützer kritisieren mangelnde Produktkontrollen, fragwürdige Qualitätsstandards und unfaire Wettbewerbsbedingungen gegenüber europäischen Händlern.
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Zur AktienanalyseBörsengang in Hongkong ohne konkreten Termin
Wann genau Sheins Erstnotiz an der Hongkonger Börse stattfinden soll, ist weiterhin offen. Die nun veröffentlichte Mitteilung ist dennoch bedeutsam: Sie gibt interessierten Anlegern und institutionellen Investoren erstmals seit Bekanntwerden der Börsenpläne einen konkreten Einblick in die finanzielle Lage des Unternehmens. Für Privatanleger, die einen möglichen Shein-IPO im Blick haben, liefern die Zahlen wichtige Orientierung – und mahnen zur Vorsicht.


