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Shein und Temu unter Druck: HDE fordert härtere Regulierung

Der deutsche Handel kämpft gegen unsichere Produkte chinesischer Plattformen – und gegen eine schwächelnde Konjunktur.

Shein und Temu unter Druck: HDE fordert härtere Regulierung

Der deutsche Einzelhandel steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits drängen chinesische E-Commerce-Riesen wie Shein und Temu mit unsicheren Produkten auf den Markt, andererseits bremst eine hartnäckige Konjunkturschwäche das Wachstum. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert von der Bundesregierung nun ein entschiedenes Eingreifen.

Frankreich hat den Anfang gemacht: Europäische Behörden haben eine groß angelegte Kontrollaktion gegen den chinesischen Onlinehändler Shein gestartet. An Pariser Flughäfen wurden innerhalb von 24 Stunden rund 200.000 Shein-Pakete auf die Einhaltung von Sicherheits-, Steuer- und Zollvorschriften überprüft. Der Auslöser waren Skandale rund um den Verkauf gefährlicher und unangemessener Waren – darunter kindähnliche Sexpuppen und genehmigungspflichtige Waffen.

Die vorläufigen Ergebnisse der Kontrollen sind alarmierend: Etwa 80 Prozent der geprüften Shein-Produkte erfüllen laut Zollbehörden nicht die europäischen Sicherheits- oder Rechtsstandards. Zu den häufigsten Verstößen zählen nicht konforme Kosmetika, gefährliches Spielzeug, gefälschte Waren und fehlerhafte Haushaltsgeräte. Shein-CEO Donald Tang kündigte daraufhin an, sich an französisches Recht zu halten, und ordnete eine vorübergehende Aussetzung von Drittanbieter-Produkten und Nicht-Bekleidungsartikeln an.

HDE fordert Konsequenzen auch in Deutschland

In Deutschland verschärft der HDE seinen Ton gegenüber der Bundesregierung. Der Verband verweist auf Untersuchungen der Stiftung Warentest, die auf den Plattformen giftige Schwermetalle in Schmuck, unsicheres Spielzeug und überhitzende Ladegeräte identifiziert hat. Besonders brisant: Shein und Temu werden laut HDE-Schätzungen in diesem Jahr in Deutschland rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz erzielen – ein Beleg für die rasant wachsende Marktmacht der Plattformen.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth machte deutlich, dass ein Totalverbot nicht ausgeschlossen werden dürfe, sollten die Plattformen keine sofortigen und deutlichen Verbesserungen bei der Produktsicherheit und im fairen Wettbewerb nachweisen. Frankreich drängt zudem die EU-Kommission zu einem kollektiven, europaweiten Vorgehen. Die Kommission zeigte sich zwar besorgt, verwies jedoch auf die rechtliche Komplexität eines vollständigen Plattformverbots: Anders als das Vorgehen gegen einzelne illegale Produkte erfordere das Abschalten einer gesamten Plattform eine höhere rechtliche Hürde.

Ifo-Index steigt, doch die Realität bleibt schwierig

Parallel zu den handelspolitischen Auseinandersetzungen sendet die deutsche Konjunktur gemischte Signale. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Oktober überraschend auf 88,4 Punkte, nach 87,7 Punkten im September. Der Anstieg erfasste wichtige Sektoren wie Industrie, Bau und Dienstleistungen und deutet darauf hin, dass die Unternehmensführungen auf eine Erholung im kommenden Jahr hoffen.

Die tatsächliche Lage bleibt jedoch angespannt. Das ifo-Institut betonte, dass die aktuellen Geschäftsbedingungen trotz verbesserter Erwartungen weiterhin als schwach eingestuft werden. Ökonomen zeigen sich skeptisch gegenüber einer kurzfristigen Trendwende und verweisen auf stagnierende Wirtschaftsdaten. Die deutsche Wirtschaft dürfte im dritten Quartal stagniert haben – nach einem Rückgang von 0,3 Prozent im zweiten Quartal.

Für den Einzelhandel ist die Lage besonders heikel, da das wichtige Weihnachtsgeschäft bevorsteht. Laut ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe kämpft die Branche mit anhaltender Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Zwar gebe es in der Industrie „Lichtblicke" bei den Auftragseingängen, doch der Mangel an neuen Aufträgen bleibe ein strukturelles Problem.

Der deutsche Einzelhandel steht damit an einem Scheideweg: Inländische Händler kämpfen für gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber ausländischen Plattformen, die zunehmend als Quellen unsicherer und illegaler Waren gelten. Gleichzeitig ringt die Gesamtwirtschaft darum, das verbesserte Geschäftsklima in echtes Wachstum umzumünzen – eine Aufgabe, die angesichts vorsichtiger Verbraucher und fehlender konjunktureller Dynamik alles andere als einfach ist.

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