Shein übernimmt US-Modehändler Everlane für rund 100 Millionen Dollar
Die Fast-Fashion-Plattform Shein kauft den amerikanischen Bekleidungseinzelhändler Everlane vom Private-Equity-Investor L Catterton.

Die chinesische Online-Fast-Fashion-Plattform Shein übernimmt den US-amerikanischen Bekleidungseinzelhändler Everlane. Laut einem Bericht von Puck News vom Sonntag bewertet das Geschäft Everlane mit rund 100 Millionen US-Dollar. Verkäufer ist der bisherige Mehrheitseigentümer, die Private-Equity-Gesellschaft L Catterton. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig verifizieren.
Everlane, Shein und L Catterton reagierten auf Anfragen von Reuters nicht sofort mit einer Stellungnahme. Puck News beruft sich in seiner Berichterstattung auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Details zur genauen Transaktionsstruktur sind bislang begrenzt.
Stammaktionäre gehen leer aus
Dem Bericht zufolge werden Inhaber von Stammaktien an Everlane im Rahmen der Transaktion keine Auszahlung erhalten. Unklar bleibt hingegen, ob Vorzugsaktionäre Barmittel oder Anteile an Shein erhalten werden. Diese Frage ist für viele frühe Investoren und Mitarbeiter des Unternehmens von erheblicher Bedeutung.
Bereits im März hatte Puck News berichtet, dass L Catterton und Everlane-Chef Alfred Chang aktiv nach einem Investor gesucht hatten, um Schulden in Höhe von rund 90 Millionen US-Dollar zu adressieren. Die Private-Equity-Gesellschaft war demnach bereit, selbst zusätzliche Mittel bereitzustellen, falls sich ein Co-Investor finden würde – zeigte sich aber auch offen für einen vollständigen Verkauf des Unternehmens.
Shein und Temu setzen Einzelhandel massiv unter Druck
Der Kauf von Everlane durch Shein fügt sich in ein größeres Bild ein: Marken wie Shein und Temu haben die Einzelhandelslandschaft in den USA und weltweit in den vergangenen Jahren massiv unter Druck gesetzt. Durch aggressive Preisgestaltung, gezieltes Marketing in sozialen Medien und die Nutzung von Steuerschlupflöchern verschafften sich diese Plattformen anfänglich erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber etablierten lokalen Einzelhändlern.
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Zur AktienanalyseEverlane wurde 2010 gegründet und positionierte sich ursprünglich als transparente und ethisch produzierende Modemarke im mittleren Preissegment – ein Konzept, das sich deutlich vom Geschäftsmodell Sheins unterscheidet. Die Übernahme durch den Fast-Fashion-Riesen markiert damit einen bemerkenswerten strategischen Schwenk für die Marke.
Für deutsche Verbraucher und Investoren ist die Entwicklung rund um Shein besonders relevant: Das Unternehmen strebt seit Längerem einen Börsengang an und hat zuletzt versucht, sein Image durch Zukäufe und Partnerschaften aufzuwerten. Die Übernahme von Everlane könnte Teil dieser Strategie sein, das Portfolio um etablierte westliche Marken zu erweitern und so das Vertrauen westlicher Konsumenten zu gewinnen.


