Shein scheitert in Vietnam: China bleibt als Produktionsbasis unersetzlich
Der Ultra-Fast-Fashion-Riese Shein mietete 15 Hektar Lagerfläche in Vietnam – das Experiment enttäuschte.

Der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Konzern Shein hat ein ambitioniertes Experiment in Vietnam gestartet – und dabei eine ernüchternde Erkenntnis gewonnen: China ist als Produktions- und Lieferbasis schlicht nicht zu ersetzen. Vor etwas mehr als einem Jahr begann das Unternehmen damit, rund 15 Hektar Lagerfläche in der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt anzumieten. Diese Fläche entspricht der Größe von 21 Fußballfeldern und sollte Vietnam zu einem bedeutenden Exportstützpunkt für Shein machen.
Das Vorhaben war Teil einer größeren Strategie, die das Unternehmen Ende 2024 formulierte. Zu diesem Zeitpunkt erschien die Wette auf Vietnam zwar riskant, aber durchaus lohnenswert. Die geopolitischen Rahmenbedingungen und die Handelspolitik der USA deuteten darauf hin, dass eine Diversifizierung der Lieferketten weg von China sinnvoll sein könnte.
Sheins Vietnam-Experiment im Kontext
Shein ist bekannt für sein Geschäftsmodell des sogenannten Ultra-Fast-Fashion: Das Unternehmen bringt in kürzester Zeit eine enorme Anzahl neuer Modelle auf den Markt und setzt dabei auf extrem kurze Produktionszyklen. Dieses Modell basiert traditionell auf einem dichten Netzwerk von Zulieferern und Produzenten in China, insbesondere in der Region um Guangzhou. Eine Verlagerung auch nur von Teilen dieser Lieferkette nach Vietnam stellte daher eine erhebliche logistische und operative Herausforderung dar.
Die Entscheidung, in Vietnam zu expandieren, fiel in eine Phase, in der viele internationale Konzerne ihre Abhängigkeit von China reduzieren wollten. Steigende Löhne in China, geopolitische Spannungen zwischen Peking und Washington sowie drohende US-Zölle auf chinesische Waren trieben zahlreiche Unternehmen dazu, Alternativen in Südostasien zu erkunden. Vietnam galt dabei als besonders attraktiver Standort – mit wettbewerbsfähigen Lohnkosten, einer wachsenden Infrastruktur und einer bereits etablierten Textilindustrie.
Ernüchterndes Ergebnis nach mehr als einem Jahr
Doch das Experiment verlief offenbar nicht nach Plan. Sheins Erfahrungen in Vietnam zeigen, wie schwierig es ist, die einzigartige Produktionsinfrastruktur Chinas an einem anderen Standort zu replizieren. Das chinesische Lieferkettennetzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist, bietet eine Kombination aus Geschwindigkeit, Flexibilität und Kosteneffizienz, die anderswo kaum zu finden ist.
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Zur AktienanalyseFür Shein bedeutet dies: Trotz der geopolitischen Risiken und des Drucks durch mögliche US-Handelsbeschränkungen bleibt China das Herzstück des Geschäftsmodells. Das Unternehmen, das zu den weltweit meistgenutzten Mode-Apps zählt und vor allem bei jungen Konsumentinnen und Konsumenten in Europa und Nordamerika beliebt ist, sieht sich damit vor einem strategischen Dilemma: Einerseits wächst der Druck, die Lieferketten zu diversifizieren. Andererseits zeigt das Vietnam-Experiment, dass eine solche Diversifizierung mit erheblichen Einbußen bei Effizienz und Geschwindigkeit verbunden sein kann.
Das Ergebnis des Vietnam-Experiments dürfte auch für andere Fast-Fashion-Konzerne und Einzelhändler von Bedeutung sein, die ähnliche Überlegungen anstellen. Es verdeutlicht, dass die Verlagerung von Produktionskapazitäten aus China heraus leichter geplant als umgesetzt ist – und dass Chinas Rolle als globale Werkbank trotz aller Bemühungen um Diversifizierung vorerst kaum zu ersetzen ist.


