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Senioren setzen auf Cannabis statt Medikamente – neue AMA-Studie

Eine staatlich geförderte US-Studie zeigt: Ältere Erwachsene wählen Cannabis zunehmend als Alternative zu herkömmlichen Arzneimitteln.

Senioren setzen auf Cannabis statt Medikamente – neue AMA-Studie

Ältere Erwachsene in den USA greifen immer häufiger zu Cannabis – nicht aus Freizeitgründen, sondern weil sie mit herkömmlichen Medikamenten unzufrieden sind oder Nebenwirkungen fürchten. Das zeigt eine neue, staatlich geförderte Studie, die von der American Medical Association (AMA) im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde. Forscher der University of Utah Health und der University of Colorado Boulder haben die Beweggründe dieser wachsenden Gruppe untersucht.

Für die qualitative, gemeindebasierte Studie – finanziert durch das National Institute of Aging unter dem Dach der National Institutes of Health (NIH) – wurden 169 Erwachsene im Alter von 60 Jahren oder älter befragt. Die Interviews fanden zwischen November 2021 und November 2023 im Rahmen einer breiteren klinischen Studie statt. Die Teilnehmer suchten allesamt Linderung altersbedingter Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen sowie eine verbesserte Lebensqualität.

Misstrauen gegenüber Pharmazeutika als zentraler Antrieb

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Viele Teilnehmer hegten erhebliche Vorbehalte gegenüber klassischen Medikamenten. „Insbesondere hatten sie Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen, langfristiger Gesundheitsrisiken oder Abhängigkeiten im Zusammenhang mit pharmazeutischen Medikamenten und betrachteten Cannabis als sicherere Alternative", schreiben die Studienautoren. Andere Befragte gaben an, bereits alle pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Optionen – darunter Therapie, Akupunktur oder Massage – ausgeschöpft zu haben und Cannabis als „letzten Ausweg" zu betrachten.

Die häufigsten gesundheitlichen Probleme, für die ältere Erwachsene Cannabis nutzen wollten, waren Schlafstörungen (57 Prozent), Schmerzen (50 Prozent) und psychische Gesundheit (25 Prozent). „Zum größten Teil haben wir festgestellt, dass diese Leute nicht wirklich daran interessiert sind, high zu werden. Sie wollen sich einfach nur besser fühlen", sagte Angela Bryan, Hauptautorin der Studie. Mitautorin Rebecca Delaney, Assistenzprofessorin an der University of Utah Health, ergänzte: „Insgesamt wollten sie wirklich eine bessere Lebensqualität, eine Verringerung ihrer Schmerzen, einen besseren Schlaf und die Möglichkeit, die Zeit mit Familie und Freunden etwas mehr zu genießen."

Produktpräferenzen: Kombination aus THC und CBD dominiert

Bei der Wahl der Cannabisprodukte zeigten sich klare Präferenzen. 58 Prozent der befragten älteren Erwachsenen bevorzugten essbare Produkte (sogenannte Edibles) mit einer Kombination aus dem berauschenden THC und dem nicht berauschenden CBD. 29 Prozent entschieden sich für CBD-dominante Produkte, während lediglich 14 Prozent ein THC-dominantes Edible wählten. Interessant dabei: Der am häufigsten genannte Nachteil von THC-haltigen Produkten war ausgerechnet die „Sorge, high zu werden oder beeinträchtigt zu sein" – was die Aussage der Forscher unterstreicht, dass es den meisten Senioren nicht um den Rauscheffekt geht.

Bei reinen CBD-Produkten hingegen bestand die größte Sorge in der wahrgenommenen „begrenzten Wirksamkeit". Dies erklärt, warum die Kombination aus beiden Wirkstoffen für viele ältere Nutzer den attraktivsten Mittelweg darstellt.

Mangel an ärztlicher Beratung als Problem

Die Studie weist auf eine kritische Versorgungslücke hin: Viele ältere Erwachsene treffen ihre Produktentscheidungen ohne ausreichende medizinische Begleitung. „In Ermangelung einer ärztlichen Beratung stehen sie vor zahlreichen Entscheidungen ohne klare Informationen darüber, welches Produkt ihre Bedürfnisse am besten erfüllen kann", heißt es in der Studie. Die Autoren fordern daher mehr Forschung sowie die Entwicklung klinischer Leitlinien, um Ärzten und Patienten bessere Entscheidungsgrundlagen zu bieten.

„Wir würden uns sehr wünschen, dass mehr dieser Gespräche zwischen Ärzten und Patienten stattfinden, um sicherzustellen, dass sich die Menschen unterstützt und informiert fühlen, wenn sie nach alternativen Wegen zur Behandlung ihrer Schmerzen suchen", sagte Delaney. Das ultimative Ziel sei es, Ressourcen zu entwickeln, die Menschen helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen und geeignete Produkte zu finden.

Die Ergebnisse fügen sich in ein breiteres Bild ein: Eine weitere aktuelle Studie mit mehr als 3.500 Patienten ergab, dass medizinisches Marihuana Menschen offenbar dabei hilft, den Konsum anderer Medikamente – darunter Opioide, Schlafmittel und Antidepressiva – zu reduzieren. Zudem traten nach dem Wechsel von verschreibungspflichtigen Medikamenten auf Cannabis deutlich weniger negative Nebenwirkungen auf. Ältere Erwachsene gelten in den USA derzeit als die am schnellsten wachsende demografische Gruppe unter den Cannabiskonsumenten.

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