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SendCutSend-Chef: Vom Risikokapital-Skeptiker zum VC-Empfänger

Wie der KI-Boom einen eigensinnigen Unternehmer zwang, seine Ablehnung gegenüber Risikokapital zu überdenken.

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SendCutSend-Chef: Vom Risikokapital-Skeptiker zum VC-Empfänger

Jim Belosic passt nicht in das gängige Bild der KI-Gründer Anfang 20, die derzeit im Silicon Valley gefeiert werden. Der 46-jährige Chef des On-Demand-Fertigungs-Startups SendCutSend baute sein Unternehmen jahrelang vollständig aus eigener Kraft auf – und lehnte Risikokapitalgeber dabei kategorisch ab. Er bezeichnete sie schlicht als „Abzocker".

Diese Haltung zahlte sich zunächst aus: Belosic führte SendCutSend zu einem kumulierten Gesamtumsatz von 200 Millionen US-Dollar, ohne externe Investoren an Bord holen zu müssen. Das Unternehmen spezialisiert sich auf maßgefertigte Bleche und Bauteile und bedient Kunden aus verschiedenen industriellen Sektoren.

Der KI-Boom verändert die Spielregeln

Doch der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz brachte eine Entwicklung mit sich, die Belosics Kalkulation grundlegend veränderte. Der KI-Boom löste einen sprunghaften Anstieg der Kundenausgaben in besonders hardwareintensiven Branchen aus – darunter Robotik, Rechenzentren sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Nachfrage nach maßgefertigten Metallteilen und Komponenten stieg entsprechend stark an.

Belosic erkannte dabei ein ernstes Problem: Würde er weiterhin ausschließlich auf Eigenfinanzierung setzen, könnte er bald gezwungen sein, lukrative Aufträge abzulehnen – schlicht weil die Kapazitäten nicht ausreichen würden. Wachstum ohne externes Kapital stößt irgendwann an seine Grenzen, besonders wenn die Nachfrage so schnell skaliert wie im Zuge des KI-Booms.

Diese Erkenntnis brachte den überzeugten Bootstrapper zum Umdenken. Belosic wandte sich schließlich doch an Risikokapitalgeber – eine Entscheidung, die seinen früheren Grundsätzen fundamental widerspricht.

Physische Produktion im Fokus von Risikokapital

SendCutSend steht mit diesem Wandel nicht allein. Das Unternehmen gehört zu einer wachsenden Gruppe von US-amerikanischen Produzenten physischer Güter, die zunehmend das Interesse von Venture-Capital-Investoren auf sich ziehen. Lange Zeit galt das Interesse der VC-Szene fast ausschließlich Software- und Plattformunternehmen – Firmen mit hohen Margen und schnell skalierbaren Geschäftsmodellen ohne große Kapitalinvestitionen in Maschinen oder Lagerbestände.

Der KI-getriebene Bedarf an Hardware – von Serverinfrastruktur über Roboterkomponenten bis hin zu Spezialteilen für die Raumfahrt – hat dieses Bild verschoben. Investoren erkennen nun, dass die physische Fertigungsindustrie ein entscheidender Engpass in der KI-Lieferkette sein kann. Wer diese Kapazitäten kontrolliert, sitzt an einem strategisch wichtigen Punkt.

Für deutsche Privatanleger und Industriebeobachter ist dieser Trend besonders relevant: Deutschland ist traditionell eine Hochburg der industriellen Fertigung und des Maschinenbaus. Die Entwicklung in den USA zeigt, dass auch kapitalintensive Produktionsunternehmen zunehmend als attraktive Investitionsziele gelten – sofern sie im richtigen Moment der richtigen Nachfragewelle ausgesetzt sind. Die Frage, ob Eigenfinanzierung oder Risikokapital der bessere Weg ist, lässt sich offenbar nicht pauschal beantworten – selbst überzeugte Bootstrapper wie Jim Belosic kommen irgendwann an einen Punkt, an dem externes Kapital die einzig sinnvolle Option darstellt.

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