SEC-Kurswechsel bei Klimarisiken spaltet Pensionsfonds und Wirtschaftsverbände
Calpers und Calstrs streiten mit Wirtschaftsverbänden über die geplante Abschaffung der SEC-Klimarisiko-Offenlegungspflichten.

Große öffentliche Pensionsfonds und einflussreiche Wirtschaftsverbände in den USA liefern sich einen offenen Schlagabtausch über den geplanten Rückzug der US-Börsenaufsicht SEC von einer zentralen Klimaregel. Im Mittelpunkt des Streits steht der Vorschlag der Securities and Exchange Commission (SEC) vom Mai, eine unter der Biden-Regierung eingeführte Regelung zur Offenlegung klimabezogener Risiken aufzuheben.
Zu den prominentesten Kritikern des SEC-Kurswechsels zählen die beiden großen kalifornischen Pensionsfonds Calpers (California Public Employees' Retirement System) und Calstrs (California State Teachers' Retirement System). Beide Fonds verwalten das Alterskapital von Millionen öffentlicher Bediensteter und Lehrkräfte in Kalifornien und gelten als bedeutende institutionelle Investoren mit erheblichem Einfluss auf die US-Kapitalmärkte.
Hintergrund: Eine Regel, die nie in Kraft trat
Die ursprüngliche Klimarisiko-Offenlegungsregel wurde unter der Biden-Regierung eingeführt und hätte börsennotierte Unternehmen verpflichtet, bestimmte klimabezogene Informationen in ihren Berichten offenzulegen. In Kraft getreten ist sie jedoch nie: Klagen verschiedener republikanisch geführter Bundesstaaten sowie von Handelsgruppen verhinderten die Umsetzung. Nun schlägt die SEC unter der Trump-Regierung vor, die Regelung vollständig zurückzunehmen.
Auf der anderen Seite des Konflikts stehen einflussreiche Wirtschaftsverbände, die die geplante Abschaffung der Klimaregel befürworten. Sie argumentieren traditionell, dass derartige Offenlegungspflichten Unternehmen mit bürokratischem Aufwand belasten und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Der Streit spiegelt eine tiefere politische und wirtschaftliche Spaltung in den USA wider: Auf der einen Seite stehen institutionelle Investoren, die Klimarisiken als wesentliche Faktoren für langfristige Anlageentscheidungen betrachten, auf der anderen Seite Unternehmensvertreter und konservative Politiker, die regulatorische Eingriffe in diesem Bereich ablehnen.
Bedeutung für institutionelle Anleger
Für große Pensionsfonds wie Calpers und Calstrs sind Klimarisiko-Informationen keine bloße Formalität. Als langfristig orientierte Investoren sind sie darauf angewiesen, dass Unternehmen transparent über mögliche Risiken durch den Klimawandel berichten – etwa über Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern, regulatorische Risiken oder physische Klimafolgen für Betriebsstätten. Ohne standardisierte Offenlegungspflichten wird es für institutionelle Anleger schwieriger, diese Risiken systematisch in ihre Anlageentscheidungen einzubeziehen.
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Zur AktienanalyseDer Konflikt verdeutlicht, wie stark das Thema ESG – also Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien – in den USA politisch aufgeladen ist. Während europäische Regulierer mit Regelwerken wie der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) die Nachhaltigkeitsberichterstattung ausweiten, bewegt sich die US-Regulierung unter der Trump-Regierung in die entgegengesetzte Richtung. Für deutsche und europäische Investoren, die in US-Märkte investieren, ist diese Entwicklung relevant: Sie könnte die Vergleichbarkeit von Klimadaten amerikanischer Unternehmen mit europäischen Standards weiter erschweren.
Der Ausgang des Streits zwischen den Pensionsfonds und den Wirtschaftsverbänden dürfte maßgeblich davon abhängen, wie die SEC den weiteren Konsultationsprozess gestaltet und ob institutionelle Investoren mit ihrem Gewicht als bedeutende Marktteilnehmer Einfluss auf die endgültige Entscheidung nehmen können.


