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SEC-Durchsetzungsverfahren sinken um 20 Prozent unter Trump

Die US-Börsenaufsicht SEC leitet deutlich weniger Verfahren ein und richtet ihr Durchsetzungsprogramm grundlegend neu aus.

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SEC-Durchsetzungsverfahren sinken um 20 Prozent unter Trump

Die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich weniger Durchsetzungsverfahren eingeleitet. Mit 456 eingeleiteten Maßnahmen sank die Zahl gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent – ein Rückgang, den die Behörde selbst als bewusste „Neuausrichtung" ihres Durchsetzungsprogramms bezeichnet.

Zum Vergleich: Im Vorjahr leitete die SEC noch 583 Verfahren ein und verhängte finanzielle Sanktionen in Höhe von 8,2 Milliarden US-Dollar. Im aktuellen Geschäftsjahr, das Ende September endete, beliefen sich die Strafen und Gewinnabschöpfungen – bereinigt um einen Sondereffekt – auf lediglich 2,7 Milliarden US-Dollar. Die ausgewiesene Gesamtsumme von 17,9 Milliarden US-Dollar ist dabei trügerisch: Sie ist größtenteils auf ein rechtskräftiges Urteil in einem Schneeballsystem-Fall zurückzuführen, den die SEC bereits im Jahr 2009 angestrengt hatte.

Fast die Hälfte der 456 Maßnahmen wurde noch vor dem Amtsantritt der Trump-Regierung im Januar 2025 eingeleitet, wie SEC-Daten zeigen. Dies verdeutlicht, wie stark der Kurswechsel unter der neuen politischen Führung tatsächlich ausfällt.

Atkins setzt neue Prioritäten

SEC-Vorsitzender Paul Atkins begründete den Rückgang mit einer strategischen Neuausrichtung. „Wir haben Ressourcen auf jene Arten von Fehlverhalten umgelenkt, die den größten Schaden anrichten – insbesondere Betrug, Marktmanipulation und Vertrauensmissbrauch – und uns von Ansätzen distanziert, die Quantität und Rekordstrafen über den tatsächlichen Anlegerschutz stellten", erklärte Atkins. Er kritisiert seit Langem hohe Unternehmensstrafen, da diese letztlich den Aktionären schadeten.

In einer ungewöhnlichen Erklärung räumte die SEC zudem ein, dass ihre Jahresstatistik 1.095 Angelegenheiten nicht enthält, in denen potenzielle Verstöße untersucht und später eingestellt oder Praktiken lediglich korrigiert wurden. Die Ressourcen für die Rechtsdurchsetzung seien in der Vergangenheit „falsch eingesetzt" worden, um „Zahlen in die Höhe zu treiben", was zu „fehlgeleiteten Erwartungen darüber geführt habe, was eine effektive Durchsetzung ausmacht".

Zwar verlangsamt sich die Durchsetzungsaktivität laut Experten und historischen Daten in Übergangsjahren üblicherweise, wenn neue Führungskräfte ihre Ämter antreten. Doch der dramatische Rückgang im Jahr 2025 deutet auf einen tiefergehenden strukturellen Wandel hin – nicht nur auf eine vorübergehende Delle.

Krypto-Verfahren eingestellt, Personalabbau beschleunigt

Unter der republikanischen Führung hat sich die SEC spürbar von großen Unternehmensfällen mit hohen Strafen abgewandt. Besonders auffällig: Die Behörde stellte zahlreiche prominente Verfahren gegen Kryptofirmen und deren Führungskräfte ein – ein klares Signal an die Branche, die unter der Vorgängerregierung massiv unter Druck gestanden hatte.

Gleichzeitig kämpft die Durchsetzungsabteilung der SEC mit erheblichen personellen Problemen. Im vergangenen Monat trat ihr Direktor überraschend zurück, und unter der Trump-Regierung kam es zu einer Massenabwanderung von Mitarbeitern. Im Geschäftsjahr 2025 verlor die Abteilung 18 Prozent ihres Personals, wie ein jüngster Regierungsbericht belegt.

Für deutsche Anleger und international tätige Unternehmen ist diese Entwicklung von Bedeutung: Die SEC gilt weltweit als eine der einflussreichsten Kapitalmarktaufsichtsbehörden. Ein dauerhafter Rückzug aus der aktiven Strafverfolgung könnte das Vertrauen in die Integrität der US-Kapitalmärkte langfristig beeinflussen – und damit auch Auswirkungen auf europäische Investoren haben, die in US-Wertpapiere investiert sind.

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