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Schwerbehinderte als ungenutzte Chance am Arbeitsmarkt

Trotz guter Qualifikation finden viele kaum Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten

 Schwerbehinderte als ungenutzte Chance am Arbeitsmarkt

Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung ist im Jahr 2024 um sechs Prozent gestiegen. Damit waren laut Bundesagentur für Arbeit im Jahresdurchschnitt rund 175.000 Menschen mit Schwerbehinderung ohne Beschäftigung. Der Anteil der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung liegt mit 11,6 Prozent deutlich über dem allgemeinen Wert von 7,3 Prozent. Fast die Hälfte dieser Personengruppe ist älter als 55 Jahre.

Die Bundesagentur für Arbeit betrachtet die stärkere Inklusion schwerbehinderter Menschen als einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Laut Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach verfügen viele dieser Menschen über eine überdurchschnittlich gute Qualifikation. 53 Prozent von ihnen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, im Vergleich zu 44 Prozent bei allen Arbeitslosen. Dennoch gelingt es Menschen mit Behinderung seltener, eine Anstellung zu finden.

Terzenbach betonte, dass Menschen mit Behinderungen ein bisher unzureichend genutztes Potenzial darstellen. Unternehmen, Arbeitsagenturen und Jobcenter müssten noch enger zusammenarbeiten, um diesen Menschen bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu eröffnen. Viele Schwerbehinderungen seien zudem nicht angeboren, sondern in etwa 90 Prozent der Fälle durch Krankheit entstanden. Damit sei das Thema kein Randphänomen, sondern betreffe die Mitte der Gesellschaft.

In Deutschland leben mehr als acht Millionen Menschen mit schweren Behinderungen. Etwa die Hälfte ist 65 Jahre oder älter. Derzeit sind 51,4 Prozent der Schwerbehinderten erwerbstätig. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil noch zehn Prozentpunkte niedriger. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung besteht jedoch weiterhin eine deutliche Differenz, da dort die Erwerbsbeteiligung bei 80 Prozent liegt.

Parallel dazu verschärft sich der Fachkräftemangel in zahlreichen Branchen weiter. Besonders betroffen sind Berufe im Verkehrssektor. Im Jahr 2023 waren 44 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer sowie etwa 40 Prozent der Berufskraftfahrer im Güterverkehr mindestens 55 Jahre alt. Auch bei den Straßen- und Tunnelwärtern gehört ein Drittel zur Altersgruppe 55plus.

Die demografische Entwicklung stellt laut Terzenbach eine der größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt dar. In manchen Berufsgruppen geht rund ein Viertel der Beschäftigten in den nächsten Jahren in Rente. Terzenbach warnt vor falschen Annahmen über schwerbehinderte Arbeitnehmer, etwa dem Irrglauben, dass sie nach einer Einstellung nicht wieder gekündigt werden könnten.

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